
Seit mehreren Jahren steht die Zukunft der künftigen Alfa Romeo Giulia und Stelvio schien relativ gut gestaltet zu sein. Die beiden Modelle sollten eine neue Generation einläuten, die auf der STLA-Large-Plattform von Stellantis basiert und zu 100 % auf Elektroantrieb ausgerichtet ist. Doch die letzten Monate haben die Lage grundlegend verändert, sodass man sich nun fragen kann, ob die nächsten Limousinen und SUVs der Marke mit dem „Biscione“ nicht doch zumindest teilweise gemeinsam mit dem zukünftigen Industriepartner von Maserati entwickelt werden.
Lange erwartete Ersatzspielerinnen
Die aktuellen Modelle Alfa Romeo Giulia und Stelvio blicken mittlerweile auf eine fast zehnjährige Modelllaufzeit zurück. Trotz eines Designs, das sich bemerkenswert gut bewährt hat, und eines Fahrverhaltens, das in ihren jeweiligen Klassen nach wie vor als Maßstab gilt, benötigen diese beiden Modelle eine neue Generation, um ihre Absatzdynamik wieder anzukurbeln.
Bei der Erstellung von Stellantis, hatte der Konzern seinen Plan klar dargelegt: Die künftigen Modelle Giulia und Stelvio würden auf der STLA-Large-Plattform basieren und würden einen 100 %-Elektroantrieb erhalten. Das Projekt war sogar schon so weit fortgeschritten, dass Prototypen des zukünftigen Stelvio bei Wintertestfahrten in Lappland fotografiert wurden.

Dann, nach erste Gerüchte Ende 2024, eine überraschende Wendung im Jahr 2025. Angesichts eines Elektroautomarktes, der sich weniger dynamisch entwickelt als erwartet, beschließt Stellantis, seine Strategie zu überarbeiten. Die Markteinführung der neuen Giulia- und Stelvio-Modelle wird verschoben um ein Multi-Energie-Angebot zu integrieren, das Verbrennungs-, Hybrid- und Elektroversionen umfasst. Das Problem ist, dass die Plattform STLA Large LP3 war nicht für den Einbau von Hybridantrieben konzipiert worden. Hinzu kommt eine weitere Schwierigkeit: Stellantis verfügt derzeit nicht über einen leistungsstarken Hybridantrieb, der den Erwartungen an einen Giulia oder einen Stelvio, die im sportlichen Premium-Segment positioniert sind, auf natürliche Weise gerecht werden könnte.
Die Strategie der Synergien zwischen Alfa Romeo und Maserati
Während sich die Projekte verzögerten, kündigte Stellantis eine strategische Annäherung zwischen Alfa Romeo und Maserati. Auf dem Papier eine logische Ausrichtung.
Auf der einen Seite die kommenden Modelle Alfa Romeo Giulia und Stelvio. Auf der anderen Seite die nächsten Modelle Maserati Quattroporte und Levante. Vier Modelle, die in benachbarten Segmenten positioniert sind (D-Segment und Oberklasse bei Alfa Romeo, E-Segment und Luxussegment bei Maserati) und im selben Werk in Cassino produziert werden sollen, das zum Produktionszentrum für die Oberklasse- und Luxusmodelle des Konzerns in Italien werden soll.
Diese industrielle Logik fügte sich nahtlos in die Gesamtorganisation der italienischen Marken des Konzerns ein. Der Alfa Romeo Junior basiert bereits auf der CMP-Plattform, die er sich mit anderen Stellantis-Modellen teilt. Der künftige Alfa Romeo Tonale wird die STLA-Medium-Plattform nutzen, die unter anderem auch den künftigen DS N°7 und Lancia Gamma, die alle in Melfi produziert werden. Die künftige Giulietta dürfte auf der STLA-One-Plattform basieren.
Mit anderen Worten: Bis vor kurzem schien das Szenario relativ klar zu sein: Giulia, Stelvio, Quattroporte und Levante sollten im Rahmen einer Strategie zur Nutzung von Synergien zwischen Alfa Romeo und Maserati auf einer gemeinsamen technischen Basis basieren.
Die jüngsten Äußerungen von Filosa ändern die Lage grundlegend
Genau diese Gewissheit wurde nun von Antonio Filosa in Frage gestellt. Als der neue Geschäftsführer am 17. Juni 2026 vor dem italienischen Parlament aussagte, um die Industriestrategie von Stellantis in Italien zu erläutern, äußerte er sich in besonders überraschender Weise zur Zukunft von Maserati.
Ihm zufolge führt Stellantis derzeit Gespräche mit zwei potenziellen Partnern über eine Zusammenarbeit bei der Weiterentwicklung der Marke mit dem Dreizack.
«Wir führen derzeit Gespräche mit zwei wichtigen Partnern, die uns Technologie, Entwicklungsressourcen und hervorragende Ideen bieten können.»
Antonio Filosa erklärte außerdem, dass der Konzern in Kürze den ausgewählten Partner bekannt geben werde. Er fügte hinzu:
«Maserati steht nicht zum Verkauf, Cassino steht nicht zum Verkauf.»
Er fügte hinzu, dass Kooperations- und Entwicklungspartnerschaften sowohl in Cassino als auch in anderen Werken des Konzerns aufgebaut werden könnten (nach dem Vorbild von Leapmotor in Spanien und Dongfeng in Frankreich). Schließlich erklärte der Geschäftsführer, dass Maserati eine gesonderte Erörterung verdiene und dass im kommenden Dezember ein echter Industrieplan für die Marke vorgestellt werde. Ein Termin, der noch in weiter Ferne zu liegen scheint, da bisher nur einige wenige, unter Planen versteckte Modelle kurz gezeigt wurden. Derzeit gibt es noch keine Hinweise auf die Herkunft dieser beiden Partner. Auch wenn man von Ferrari träumt, gab es Gerüchte um Huawei und JAC Motors.
Was wäre, wenn die Zukunft der Giulia und des Stelvio ebenfalls von diesem Partner abhinge?
Das ist wahrscheinlich die interessanteste Frage, die diese Aussagen aufwerfen. Denn wenn Stellantis derzeit nach einem Technologiepartner für die Entwicklung der zukünftigen Maserati-Modelle sucht, lässt dies vermuten, dass die zukünftigen Quattroporte- und Levante-Modelle – abgesehen von einigen Entwürfen und stilistischen Leitlinien – offenbar noch nicht weit genug fortgeschritten sind, um rasch in Produktion gehen zu können.
Was wird nun aus den vielbeschworenen Synergien zwischen Maserati und Alfa Romeo? Auch wenn die nächsten Quattroporte- und Levante-Modelle mit Hilfe eines externen Partners entwickelt werden, scheint es schwer vorstellbar, dass die zukünftigen Giulia- und Stelvio-Modelle völlig außerhalb dieser Zusammenarbeit bleiben. Dies gilt umso mehr, wenn das Ziel darin besteht, Investitionen, Plattformen oder bestimmte Antriebstechnologien gemeinsam zu nutzen.
Derzeit herrscht noch völlige Ungewissheit. Und wenn es zwei Modelle gibt, deren Zukunft heute weniger klar erscheint als noch vor einem Jahr, dann sind es genau die kommenden Alfa Romeo Giulia und Stelvio. Bis wir mehr wissen, müssen die aktuellen Giulia- und Stelvio-Modelle weiterhin durchhalten. Antonio Filosa hat bestätigt, dass sie noch eine Weile im Programm bleiben und sogar neue Sonderserien erhalten werden. Eine Möglichkeit, die Wartezeit zu überbrücken … aber auch ein Zeichen dafür, dass ihre Nachfolger wahrscheinlich weiter entfernt sind als je zuvor.