
Vor einigen Tagen haben wir uns gefragt, über die Zukunft von Alfa Romeo. Nachdem man zu Zeiten von Sergio Marchionne noch von 400.000 verkauften Fahrzeugen pro Jahr geträumt hatte, müsste sich die Marke in diesem Jahr wohl mit etwa 60.000 begnügen. Mit einer Giulia und ein Stelvio am Ende der Karriere, ein Tonale in Schwierigkeiten und ein Junior Da dieser Bereich mittlerweile einen Großteil des Volumens ausmacht, war die Frage einfach: Was muss getan werden? Alfa Romeo Und jetzt?
Das Thema hat Sie offenbar inspiriert. Franzosen, Italiener, Deutsche, Niederländer, Amerikaner sowie Leser aus der Schweiz und Spanien haben zahlreich reagiert. Und hinter den teilweise sehr kontrastreichen Meinungen zeichnen sich einige große Trends ab.
Erster Wunsch: dass ein Alfa wieder ein Alfa wird
Das ist wahrscheinlich die Botschaft, die unter den italienischen Lesern am häufigsten zu hören ist. Für sie bestünde die größte Gefahr darin, Alfa Romeo zu einer bloßen Karosserie mit Sonderausstattung zu machen, die auf Komponenten anderer Stellantis-Marken aufgesetzt wird.
Andrea fasst dieses Gefühl recht gut zusammen: Wer einen Alfa kauft, will einen Alfa, keinen «Peugeot oder ein ähnliches Modell». Marco geht noch einen Schritt weiter und zieht einen sehr anschaulichen Vergleich: Einen Peugeot zu nehmen, die Scheinwerfer auszutauschen und ihm das Alfa-Romeo-Logo anzubringen, käme seiner Meinung nach dem gleich, wenn man irgendjemandem das Trikot von Messi anziehen würde, in der Hoffnung, die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Giovanni, der das Autofahren auf einem Alfa Romeo 75, bedauert ebenfalls jene Zeit, in der die Marke eine wirklich einzigartige Architektur mit Hinterradantrieb, Transaxle-Getriebe und De-Dion-Achse bot. Für ihn ist die Frage fast schon philosophischer Natur: Würde er heute einen Alfa Romeo-SUV kaufen, den er als umgebauten Peugeot betrachtet? Seine Antwort lautet: Nein.
Ähnlich äußern sich auch viele französische Leser: Italienische Motoren, italienisches Design und ein ganz eigenes Fahrverhalten gelten oft als die drei unverzichtbaren Zutaten.
Nicht jeder träumt jedoch von einer großen Giulia
An dieser Stelle wird die Debatte erst richtig interessant. Denn während sich die Fans gerne einen Heckmotor oder einen Nachfolger der Giulia wünschen, sind andere der Meinung, dass Alfa Romeo zunächst wieder erschwinglicher werden muss. Ein niederländischer Leser ist der Ansicht, dass sich die Marke schon viel zu lange auf überteuerte Autos festgelegt hat. Seiner Meinung nach fehlt Alfa Romeo vor allem ein Auto wie der MiTo, das ein breiteres Publikum ansprechen kann. Ein Amerikaner kommt genau zu demselben Schluss, allerdings ausgehend von einer anderen Erfahrung. MLopez ist der Ansicht, dass das Problem bei der Rückkehr von Alfa Romeo in die USA in erster Linie mit dem Preis zusammenhängt. Seiner Meinung nach machte der Preis von rund 90.000 Dollar für einen Giulia Quadrifoglio die Marke für die überwiegende Mehrheit der Käufer unerschwinglich.
CyberGene formuliert das Paradoxon anders: Selbst wenn Alfa Romeo heute das perfekte Auto für die Alfisti bauen würde, könnten sich viele von ihnen ein Neufahrzeug einfach nicht leisten. Sie müssten mehrere Jahre warten, bis es auf dem Gebrauchtwagenmarkt erhältlich ist. Dies knüpft letztlich an eine alte Schwäche von Alfa Romeo an: Die Marke verfügt über eine außerordentlich leidenschaftliche Fangemeinde, doch Leidenschaft bedeutet nicht unbedingt Kaufkraft.
Eine neue Giulietta und vor allem … ein Kombi
In einem Punkt scheinen sich Franzosen, Deutsche, Niederländer und Amerikaner überraschend einig zu sein: Es fehlen klassischere Karosserievarianten. So fordern mehrere Leser die Rückkehr eines Giulietta, während andere ebenfalls eine neue wollen MiTo. Ein amerikanischer Leser fasst seine Meinung ganz unverblümt zusammen: SUVs sehen mittlerweile wie alle anderen Autos aus, daher sollte Alfa Romeo sie aus dem Programm nehmen und die Giulietta wieder auf den Markt bringen.
Am meisten bedauert man jedoch wohl den Giulia Sportwagon, den es nie gegeben hat. Ein deutscher Leser berichtet, dass er noch heute einen 18 Jahre alten Alfa Romeo 159 2.4 JTDM mit insgesamt 350.000 km auf dem Tacho fährt. Nach zwei 156ern und einem 159er weiß er nicht, durch welches Modell er sein Auto ersetzen soll. Seiner Meinung nach hat Alfa Romeo einen großen Fehler begangen, indem das Unternehmen keinen Giulia Kombi auf den Markt gebracht hat. Die gleiche Bemerkung kommt auch von mehreren französischen Lesern: Angesichts des BMW 3er Touring, des Mercedes C-Klasse Kombi oder des Audi A4 Avant hat das Fehlen eines Giulia-Kombis Alfa Romeo eine bedeutende europäische Kundschaft gekostet.
In den USA ist das Problem nicht nur das Auto
Die Aussagen aus den USA werfen jedoch ein weiteres Problem auf: das Netzwerk. Patty erklärt, dass seine Familie einen Stelvio und einen Giulia besitzt und beide Autos sehr schätzt. Wenn jedoch eine Reparatur im Rahmen der Garantie erforderlich ist, befindet sich der nächste Händler etwa 200 Meilen, also mehr als 300 Kilometer, entfernt. Die Autos können dort dann mehrere Wochen lang stehen bleiben. Für ein Fahrzeug, das täglich genutzt wird, ist diese Situation kaum noch hinnehmbar, zumal BMW, Mercedes oder andere europäische Marken über ein viel dichteres Händlernetz verfügen.
Ein Leser, der zwischen der Schweiz und Spanien pendelt, berichtet von einer ähnlichen Erfahrung mit dem europäischen Kundendienst: Das Fahrzeug wird geschätzt, doch die Unterstützung ist unzureichend, sobald ein Problem über mehrere Länder hinweg gelöst werden muss. Mit anderen Worten: Es reicht nicht aus, einen hervorragenden Alfa Romeo zu bauen. Man muss ihn auch problemlos kaufen, finanzieren, warten und reparieren können.
Was, wenn die Lösung letztendlich viel einfacher wäre?
Wenn man all diese Erfahrungsberichte liest, braucht Alfa Romeo vielleicht gar keinen x-ten spektakulären Plan, der eine weltweite Wiedergeburt verspricht.
Die Leser scheinen vor allem konkrete Dinge zu erwarten: Autos, die auf den ersten Blick als Alfa Romeo erkennbar sind, ein markantes Design, überzeugende Motorisierungen, erschwingliche Preise, ein Kleinwagen, eventuell ein Kombi und ein Vertriebsnetz, das den Kundenanforderungen gerecht wird.
Manche träumen weiterhin von einem neuen Alfetta. Andere wünschen sich eine Weiterentwicklung der Giorgio-Plattform, die Alfa Romeo und Maserati gemeinsam nutzen. Wieder andere hätten durchaus nichts gegen einen MiTo auf 208-Basis oder eine Giulietta, die dem Peugeot 308 ähnelt – vorausgesetzt, das Ergebnis hat genügend italienischen Charakter.
Und genau darin liegt vielleicht die ganze Schwierigkeit. Alfa Romeo muss Technologien teilen, um zu überleben, darf aber niemals den Eindruck erwecken, mit den anderen Marken des Konzerns austauschbar zu sein. Man muss dort sparen, wo der Kunde es nicht sieht, ohne jedoch an dem zu sparen, was ihn dazu bewegt, einen Alfa zu kaufen.
Falls Alfa Romeo diesen Artikel liest, hier ist die Liste der Kritikpunkte in der Reihenfolge ihrer Priorität:
- Den Fahrzeugen wieder eine echte Alfa-Romeo-Identität verleihen.
- Zurück zu erschwinglicheren Autos.
- Die Giulia durch verschiedene Karosserievarianten ersetzen. Nicht mehr fast ausschließlich auf SUVs setzen.
- Das Vertriebsnetz und den Kundendienst neu aufbauen.
- Die Synergien von Stellantis nutzen, ohne sie offen zu zeigen.
- Den Produktplan endlich festlegen.
