
Die Situation von Stellantis sorgt weiterhin für Diskussionen unter Wirtschaftsanalysten und Experten der Automobilindustrie. Nach einem katastrophalen Jahr 2025 mit einem Rekordverlust von 26,3 Milliarden US-Dollar sind einige Beobachter nun der Meinung, dass der Konzern keine Wahl mehr hat: Er wird sein Markenportfolio grundlegend vereinfachen müssen.
Dies ist insbesondere die Position des Wirtschaftsanalysten Chris Buxton, der gerade eine lange und besonders harte Analyse über die Strategie des französisch-italienisch-amerikanischen Herstellers veröffentlicht hat. Und unter seinen zahlreichen Vorschlägen fasst ein Satz seine Vision perfekt zusammen: «Peugeot, Opel, Vauxhall, DS und Abarth müssen zu neu gestalteten Fiat werden».
Stellantis Opfer seiner eigenen Komplexität
Chris Buxton sieht das Hauptproblem von Stellantis nicht nur in der Elektrifizierung oder der Verlangsamung des weltweiten Automobilmarktes. Seiner Meinung nach leidet der Konzern vor allem an einer Struktur, die viel zu schwerfällig und inkohärent geworden ist.
Seit der Fusion von FCA und PSA im Jahr 2021 umfasst Stellantis vierzehn Automarken: Jeep, Ram, Dodge, Chrysler, Fiat, Peugeot, Citroën, Opel, Vauxhall, Alfa Romeo, Lancia, Maserati, DS und Abarth. Ein riesiges Portfolio, das ursprünglich dazu dienen sollte, Plattformen gemeinsam zu nutzen und die Entwicklungskosten zu senken.
Nach Ansicht des Analysten wurde dieses Versprechen jedoch nie wirklich eingelöst. Seiner Ansicht nach hat Stellantis zu viele Doppelgleisigkeiten, zu viele getrennte Netzwerke und vor allem zu viele konkurrierende Fahrzeuge innerhalb des Konzerns beibehalten. In seiner Analyse führt er insbesondere den Fall von Peugeot, Citroën, Fiat, Opel und Vauxhall an, die alle mit technisch sehr ähnlichen Modellen auf dieselben europäischen Kunden abzielen.
«Europa kann nicht fünf Vollsortimenter-Marken desselben Konzerns verkraften».»
Chris Buxton ist der Ansicht, dass Stellantis nun die Idee aufgeben sollte, mehrere unabhängige europäische Mainstream-Marken zu erhalten. Seiner Meinung nach sollte Fiat wieder zur globalen Volumenmarke des Konzerns werden, mit einfachen, erschwinglichen und in großen Stückzahlen produzierten Fahrzeugen. Die anderen europäischen Marken wie Peugeot, Opel, Vauxhall, DS und Abarth sollten dann entweder zu bloßen regionalen Varianten von Fiat-Modellen werden oder nach und nach als eigenständige Automobilhersteller verschwinden.
Für den Analysten «kann Europa nicht fünf sich überschneidende Mainstream-Marken innerhalb desselben Herstellers verkraften». Er ist außerdem der Meinung, dass Stellantis einen Fehler gemacht hat, als er in den letzten Jahren versuchte, Fiat in Richtung Premium-Segment zu repositionieren. Stattdessen sollte die italienische Marke seiner Meinung nach zu einer viel populäreren und pragmatischeren Philosophie zurückkehren.
Die Rückkehr eines einfachen und erschwinglichen Fiat
In Chris Buxtons Vision sollte sich Fiat auf erschwingliche Kompaktwagen für unter 25.000 US-Dollar konzentrieren, wobei Kosteneinsparungen und technische Einfachheit im Vordergrund stehen sollten. Der Analyst erwähnt sogar die Idee, einen Teil der Technologien zu streichen, die für die Kunden als unnötig erachtet werden. Er stellt sich Modelle vor, die klassische physische Bedienelemente für die Klimaanlage verwenden, während die Navigation und das Infotainment von Apple CarPlay und Android Auto gesteuert werden.
Seiner Meinung nach könnte der derzeitige Anstieg der Ölpreise diese Art von einfachen, leichten und kraftstoffeffizienten Fahrzeugen begünstigen. Er erinnert daran, dass der Brent-Preis mittlerweile über 120 US-Dollar liegt, und das vor dem Hintergrund der Spannungen um die Straße von Hormus, was die Frage der Energieeffizienz schlagartig wieder in den Vordergrund rückt.
Jeep, Alfa Romeo und Lancia: sehr unterschiedliche Rollen
Chris Buxton nimmt nicht nur die allgemeinen europäischen Marken ins Visier. Seine Analyse sieht auch eine sehr radikale Neupositionierung der anderen Marken von Stellantis vor.
Er ist zum Beispiel der Meinung, dass Jeep aufhören sollte, die klassischen Familien-SUVs zu vervielfältigen, und stattdessen zu dem zurückkehren sollte, was historisch gesehen die Identität des Unternehmens ausmacht: den Wrangler und den Gladiator. Seiner Meinung nach sind es genau diese Modelle, die es der amerikanischen Marke noch immer ermöglichen, ein starkes Image zu bewahren.
Für Alfa Romeo stellt sich der Analyst eine viel gezieltere Strategie vor. Die italienische Marke sollte seiner Meinung nach ein Sportwagenhersteller mit geringem Volumen bleiben, der sich auf leistungsstarke Kompaktwagen und Limousinen konzentriert, die zwischen 40.000 und 70.000 US-Dollar verkauft werden. Seiner Meinung nach sollte Alfa Romeo auf sein italienisches Design und Fahrvergnügen setzen, anstatt zu versuchen, die deutschen Premiummarken zu imitieren.
Für Lancia fällt die Diagnose noch härter aus. Chris Buxton ist der Meinung, dass die italienische Marke nur eine echte Überlebenschance hat, wenn sie ihr Rallye-Erbe schnell mit sportlichen Kompaktwagen nach dem Vorbild des Delta Integrale ausnutzt. Sollte diese Wiederbelebung scheitern, kann er sich bereits vorstellen, dass Lancia in ein Ersatzteilgeschäft umgewandelt wird.
Eine radikale Vision ... aber nicht völlig isoliert
Die Analyse von Chris Buxton mag extrem erscheinen, insbesondere wenn er vom allmählichen Verschwinden mehrerer historischer europäischer Marken spricht. Dennoch veranschaulicht sie eine Debatte, die rund um Stellantis immer präsenter wird: Kann der Konzern wirklich weiterhin so viele Marken in einem unter Druck stehenden Automobilmarkt am Leben erhalten?
Angesichts der Elektrifizierung, massiver Investitionen in Technologie, des Aufstiegs chinesischer Hersteller und der Verlangsamung auf mehreren westlichen Märkten sind einige Analysten der Ansicht, dass die großen Automobilkonzerne ihre Strukturen zwangsläufig vereinfachen müssen.
Vorerst verteidigt Stellantis offiziell weiterhin alle seine Marken. Doch einige Wochen vor der Vorstellung des neuen Strategieplans von Antonio Filosa nehmen die Spekulationen über eine Konzentration der Investitionen auf weniger Marken zu.
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