
Seit mehreren Wochen taucht immer wieder eine Meldung um Stellantis : Die Gruppe soll beschlossen haben, ihre Anstrengungen auf vier vorrangige Marken zu konzentrieren, nämlich Fiat, Peugeot, Jeep und RAM. Eine Orientierung, die manche Beobachter überraschen mag, vor allem wenn man sich das gigantische Portfolio des französisch-italienisch-amerikanischen Herstellers ansieht. Doch hinter dieser Entscheidung erscheint die industrielle und finanzielle Logik letztlich recht klar.
Stellantis will die Zähler schnell wieder auf Grün stellen
Nach einer komplizierten Zeit mit rückläufigen Umsätzen in mehreren Märkten, hohen Lagerbeständen und unter Druck geratenen Gewinnspannen scheint Stellantis nun eher auf sofortige Effizienz als auf riskante langfristige Wetten zu setzen.
Warum diese vier Marken? Ganz einfach, weil es sich bereits um globale Marken handelt, die in der Lage sind, schnell Volumen zu generieren. Jeep, Peugeot und Fiat haben jeweils einen weltweiten Jahresabsatz von über einer Million Fahrzeugen. Sie verfügen bereits über starke Netzwerke, geeignete Fabriken und vor allem über einen festen Kundenstamm.
Das Ziel ist also einfach: Maximierung der Umsätze, Wiederherstellung der Gewinne und schnellstmögliche Auslastung der Fabriken. Im Klartext: Stellantis sucht vor allem nach Marken, die schnell sichtbare Ergebnisse liefern können.
Im Gegensatz dazu sind einige italienische Marken der Gruppe noch zu schwach, um das Wachstum des Unternehmens allein zu tragen. Lancia hat kaum mehr als 10.000 Verkäufe pro Jahr, Alfa Romeo liegt bei etwa 70.000 Einheiten, während Maserati unter 10.000 Exemplare gefallen ist. Das bedeutet nicht, dass sie aufgegeben werden, bei weitem nicht. Aber sie müssen noch beweisen, dass sie wieder rentabel und profitabel werden und wieder eine echte Geschäftsdynamik entwickeln können. In der nächsten Zeit sind es eindeutig nicht diese Autos, die Stellantis Rekordumsätze bescheren werden.
Warum Fiat gegenüber Opel und Citroën bevorzugt wurde
Auf dem Papier war die Entscheidung für Fiat jedoch alles andere als offensichtlich. In Europa ist die italienische Marke schon lange nicht mehr dominant. Im Jahr 2025 wird Opel rund 400.000 und Citroën rund 350.000 Fahrzeuge pro Jahr verkaufen, während Fiat unter 300.000 Einheiten bleibt. Stellantis denkt jedoch nicht mehr nur auf europäischer Ebene.
Genau hier macht Fiat den Unterschied. Die italienische Marke hat immer noch eine extrem starke Präsenz in mehreren strategischen Regionen der Welt. In Lateinamerika, insbesondere in Brasilien und Argentinien, hat Fiat seit Jahren gute Ergebnisse erzielt und mittlerweile mehr als 600.000 Fahrzeuge pro Jahr verkauft. Die Marke profitiert dort von einem sehr populären Image und einer Produktpalette, die perfekt auf die lokalen Erwartungen zugeschnitten ist.
Hinzu kommt eine historische Präsenz in Nordafrika und rund um das Mittelmeer mit Märkten wie der Türkei, Algerien oder Marokko. Diese Präsenz verleiht Fiat eine wirklich internationale Dimension, die Citroën und Opel nicht haben. Wenn man Europa, Lateinamerika und Nordafrika zusammenzählt, kommt Fiat auf weit über eine Million verkaufte Einheiten pro Jahr. Und vor allem ist Stellantis der Ansicht, dass das Wachstumspotenzial nach wie vor enorm ist.
Fiat als zukünftiger Wachstumsmotor für Stellantis?
Der Konzern glaubt offensichtlich sehr stark an ein Comeback von Fiat in Europa. Sein CEO, Olivier François, hat dies übrigens kürzlich bekräftigt: Fiat will Wachstumsmotor für Stellantis auf dem europäischen Markt werden.
Diese Ambition beruht auf einer sehr klaren Strategie: schnell eine breite, erschwingliche und preisaggressive Modellpalette anzubieten. Mit den neuen Modellen, die in den nächsten Monaten erwartet werden, hofft Stellantis, dass Fiat in Europa wieder hohe Stückzahlen erreichen und gleichzeitig das bereits solide Wachstum in Lateinamerika und Nordafrika fortsetzen kann.
Dies war wahrscheinlich der ausschlaggebende Punkt gegenüber Opel und Citroën. Beide Marken sind nach wie vor stark vom europäischen Markt abhängig. Sie können zwar noch Fortschritte machen, werden aber unweigerlich an die Grenzen eines reifen, wettbewerbsintensiven und stagnierenden europäischen Marktes stoßen. Im Gegensatz dazu verfügt Fiat noch über mehrere internationale Wachstumspfade, die bereits in Betrieb sind. Und vor allem kann er im Gegensatz zu anderen Marken des Konzerns schnell wachsen, ohne kolossale Investitionen zu benötigen, um auf neuen Kontinenten wieder Fuß zu fassen.
Letztendlich scheint Stellantis' Wahl weniger emotional als wirtschaftlich zu sein: Unter Opel, Citroën und Fiat scheint die italienische Marke heute in der Lage zu sein, das meiste Wachstum zu generieren - und das am schnellsten.