
Das erste Halbjahr 2026 ist vorbei, und es ist an der Zeit, eine Bilanz der Geschäftsentwicklung von’Alfa Romeo. Eine besonders interessante Analyse, da mehrere Faktoren der italienischen Marke eigentlich zu einer positiven Dynamik hätten verhelfen sollen.
Es ist nun schon über ein Jahr her, dass Antonio Filosa die Leitung von Stellantis übernommen hat, etwa anderthalb Jahre, seit Santo Ficili Alfa Romeo leitet, und mehr als sechs Monate, seit der Tonale Das überarbeitete Modell kann bestellt werden, und seit zwei Jahren ist das’Alfa Romeo Junior wird in Europa vertrieben.
Kurz gesagt: Die Rahmenbedingungen waren günstig für einen ersten Aufschwung. Wie sieht es also tatsächlich bei Alfa Romeo aus? Los geht’s mit der Bilanz nach Ländern.
Italien: Der traditionelle Markt von Alfa Romeo bricht ein
Fangen wir mit dem Wichtigsten an: Italien. Das Herkunftsland von Alfa Romeo ist nach wie vor sein weltweit größter Markt, doch die Zahlen für das erste Halbjahr 2026 geben Anlass zur Sorge.
In den ersten sechs Monaten des Jahres hat Alfa Romeo in Italien 12.882 Fahrzeuge zugelassen, gegenüber 16.819 im gleichen Zeitraum des Jahres 2025. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 lag die Marke bei 12.173 Einheiten und im Jahr 2023 bei 14.612.
Auf den ersten Blick könnte es so aussehen, als würde die Zahl für 2026 einfach wieder auf das Niveau von 2024 zurückkehren. Doch der jüngste Trend ist weitaus besorgniserregender: Die Monate Mai und Juni 2026 fielen mit nur 1789 bzw. 1526 Zulassungen besonders schwach aus. Mit diesen Zahlen liegt Alfa Romeo im unteren Bereich der Werte der letzten Jahre.
Ein Symbol für diese Situation: Im Juni 2026 taucht kein Alfa-Romeo-Modell in den Top 50 der meistverkauften Autos in Italien auf.
Im Einzelnen belegt der Alfa Romeo Junior seit Jahresbeginn mit 6.506 Zulassungen den 41. Platz in der italienischen Rangliste, darunter nur 231 elektrische Modelle der Version 100 %. Bei den übrigen Modellen der Baureihe sieht es noch komplizierter aus: die Tonale, Stelvio und Giulia sind nicht unter den Top 50 vertreten.
Das hatten wir bereits gesagt im letzten Monat, und die Zahlen bestätigen dies weiterhin: Der 2022 eingeführte Tonale ist ein kommerzieller Misserfolg. Das ist kein Urteil, sondern eine Tatsache. Die kürzlich erfolgte Modellpflege hat nicht den erhofften Aufschwung gebracht.
Was den Junior betrifft, so scheint der Stadt-SUV nach zwei Jahren auf dem Markt bereits an Schwung auf seinem Hauptmarkt zu verlieren. Das Ergebnis: Alfa Romeo verzeichnet in Italien im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang um 23 %.
USA: Der Abwärtstrend hält an
Mehrere Jahre lang waren die Vereinigten Staaten der zweitgrößte Markt weltweit für Alfa Romeo, insbesondere dank des Erfolgs der Modelle Giulia und Stelvio. Doch diese Zeiten scheinen nun längst vorbei zu sein.
Im ersten Halbjahr 2026 hat Alfa Romeo in den USA nur 1.747 Fahrzeuge zugelassen, was einem Rückgang von 38 % gegenüber 2025 entspricht. Um den Einbruch zu verdeutlichen: Im gleichen Zeitraum verzeichnete die Marke 2024 noch 4.768 Zulassungen und 2023 5.570.
Und letztendlich ist das kein großes Geheimnis. Alfa Romeo kann so viele Sondereditionen auf den Markt bringen, wie es will – der Giulia und der Stelvio sind mittlerweile 10 Jahre alt und werden kaum noch weiterentwickelt. Der Tonale hat in den USA nie wirklich sein Publikum gefunden, während der Junior dort schlichtweg nicht vermarktet wird.
Bei diesem Tempo stellt sich allmählich die Frage: Wird Alfa Romeo langfristig auf dem amerikanischen Markt bestehen können?
Deutschland: Selbst der Junior reicht nicht aus
Deutschland war lange Zeit ein wichtiger Markt für Alfa Romeo. Ein Markt, auf dem Limousinen und sportliche SUVs sehr beliebt sind und auf dem die Modelle Giulia und Stelvio eine treue Kundschaft für sich gewinnen konnten.
Doch auch hier ist der Rückgang deutlich. Alfa Romeo verzeichnete zwischen Januar und Juni 2026 insgesamt 2.511 Zulassungen, gegenüber 3.952 im Jahr 2025, 3.708 im Jahr 2024 und 3.116 im Jahr 2023.
Im Einzelnen:
- Alfa Romeo Giulia: 180 Exemplare
- Alfa Romeo Stelvio: 460 Exemplare
- Alfa Romeo Tonale: 374 Exemplare
- Alfa Romeo Junior: 1.497 Exemplare, davon 251 Elektrofahrzeuge
Ja, der Junior rettet in Deutschland eindeutig die Lage. Ohne ihn wären die Zahlen weitaus besorgniserregender. Doch das reicht nicht aus, um einen starken Rückgang der Marke zu verhindern. Am auffälligsten ist nach wie vor der Stelvio: Jahrelang war er eine der tragenden Säulen von Alfa Romeo in Deutschland. Heute tritt er zunehmend in den Hintergrund.
Frankreich: Der Junior trägt die Mannschaft im Alleingang
Innerhalb weniger Jahre hat sich Frankreich zum zweitgrößten Markt von Alfa Romeo weltweit entwickelt. Das ist nicht wirklich überraschend, wenn man bedenkt, dass wir auch die größten Abnehmer des Peugeot 2008 sind (das ist natürlich nur halb im Scherz gemeint).
Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete Alfa Romeo in Frankreich 2.882 Zulassungen. Das ist zwar weniger als im Jahr 2025 mit 3.542 Einheiten, liegt aber immer noch über den Werten von 2023 und 2024.
Die Verkaufszahlen sprechen eine deutliche Sprache:
- Alfa Romeo Junior: 2.291 Exemplare, davon 1.073 Elektrofahrzeuge
- Alfa Romeo Tonale: 507 Exemplare
- Alfa Romeo Giulia: 49 Exemplare
- Alfa Romeo Stelvio: 34 Exemplare
Die Situation in Frankreich ist also ganz klar: Der Junior macht heute den überwiegenden Teil des Absatzes der Marke aus. Ein weiterer interessanter Aspekt: Mehr als jeder dritte in Frankreich zugelassene Alfa Romeo ist mittlerweile ein reines Elektroauto.
Spanien: dieselbe Feststellung
In Spanien verzeichnet Alfa Romeo seit Jahresbeginn 1.439 Zulassungen, gegenüber 1.681 im Jahr 2025.
Im Einzelnen:
- Alfa Romeo Junior: 1.135 Exemplare
- Alfa Romeo Tonale: 186 Exemplare
- Alfa Romeo Stelvio: 93 Exemplare
- Alfa Romeo Giulia: 20 Exemplare
Auch hier gilt das Gleiche: Ohne den Junior wären die Absatzmengen äußerst gering.
Die anderen Märkte: vereinzelte Zuwächse
In Polen, dem Produktionsland des Alfa Romeo Junior, hatte die Marke im Jahr 2025 einen deutlichen Aufschwung verzeichnet. Doch im Jahr 2026 scheint selbst dieser Aufschwung bereits nachzulassen. Alfa Romeo verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 965 Zulassungen, gegenüber 1.091 im Vorjahr. Selbst in seinem Herkunftsland reicht der Junior nicht mehr aus. Auch in der Türkei verzeichnet die Marke einen Rückgang mit 632 zugelassenen Fahrzeugen gegenüber 812 im Jahr 2025.
Es gibt jedoch einige Ausnahmen. In Japan verzeichnet Alfa Romeo mit 954 Zulassungen im ersten Halbjahr 2026 gegenüber 483 im Jahr 2025 ein starkes Wachstum. Dieser Anstieg ist insbesondere auf die spätere Markteinführung des Junior zurückzuführen, der auf diesem Markt erst seit Juni 2025 erhältlich ist.
Das gleiche Bild zeigt sich im Vereinigten Königreich, wo Alfa Romeo von 1.308 Zulassungen im ersten Halbjahr 2025 auf 1.625 im Jahr 2026 zulegt. Dank des Junior überholt Großbritannien nun Spanien beim Absatzvolumen und nähert sich sogar den USA an. Aber sind diese Zuwächse nachhaltig oder lediglich auf die Markteinführung des neuen Modells zurückzuführen? Die Antwort wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
Auf den anderen europäischen Märkten ist die Entwicklung weiterhin eher negativ oder stabil:
- Belgien: 807 Zulassungen im Jahr 2026 gegenüber 922 im Jahr 2025
- Schweiz: 461 im Jahr 2026 gegenüber 461 im Jahr 2025 und 463 im Jahr 2024 (die Schweizer Pünktlichkeit?)
- Österreich: 750 im Jahr 2026 gegenüber 748 im Jahr 2025
- Niederlande: 409 im Jahr 2026 gegenüber 542 im Jahr 2025
Fazit: Alfa Romeo wartet immer noch auf seinen wirklichen Neuanfang
Die Bilanz des ersten Halbjahres 2026 ist ziemlich eindeutig: Abgesehen von einigen Ausnahmen wie Großbritannien oder Japan, wo der Junior noch von seinem ersten vollen Verkaufsjahr profitiert, verzeichnet Alfa Romeo fast überall Rückgänge.
Das größte Problem ist wahrscheinlich das Fehlen bedeutender Neuheiten. Die Absage der neuen Modelle Stelvio und Giulia, die vor der Umstellung auf die Multi-Energie-Strategie von Stellantis ursprünglich für 2025 bzw. 2026 geplant waren, schadet der Marke heute sehr. Die Modellpalette stützt sich nun fast ausschließlich auf den Junior, während der Tonale trotz seiner Modellpflege keinen wirklichen Absatzanstieg verzeichnet.
Nun müssen wir bis 2027 warten, bis der Nachfolger des aktuellen Tonale auf den Markt kommt, und hoffentlich erscheint im selben Jahr (oder 2028) auch eine neue Giulietta. Was den Junior betrifft, so wird er wahrscheinlich bald eine Weiterentwicklung benötigen, um seine Karriere wieder anzukurbeln.
Alfa Romeo hat nach wie vor ein sehr starkes Image, doch heute zeigen die Zahlen die Realität: Es fehlen schlichtweg neue Modelle, um diese Leidenschaft in Zulassungen umzuwandeln.
| Land | Januar – Juni 2026 | Entwicklung |
|---|---|---|
| Italien | 12882 | -23 % |
| Frankreich | 2882 | -18 % |
| Deutschland | 2511 | -36 % |
| Vereinigte Staaten | 1747 | -44 % |
| Vereinigtes Königreich | 1625 | 24 % |
| Spanien | 1439 | -14 % |
| Polen | 965 | -11 % |
| Japan | 954 | 97 % |
| Belgien | 807 | -12 % |
| Österreich | 750 | 0 |
| Türkei | 632 | -22 % |
| Schweiz | 461 | 0 |
| Niederlande | 409 | -24 % |
| 28064 | -21 % |
Alle Zahlen aus dem obigen Artikel stammen von Italpassion. Bitte respektieren Sie die Arbeit der Autoren und verweisen Sie auf Italpassion, wenn Sie diese Zahlen verwenden.