
Die Zukunft des Werks Stellantis Cassino könnte durchaus über China laufen. Da der italienische Standort derzeit nur zu einem Bruchteil seiner Kapazitäten läuft, sucht der Konzern offenbar nach einer industriellen Lösung, mit der sich das Produktionsvolumen an den Fertigungslinien rasch wieder steigern lässt. Zu den in Betracht gezogenen Szenarien gehört nun eindeutig auch eine Partnerschaft mit einem chinesischen Hersteller. Ein Ansatz, der insbesondere Leapmotor oder Dongfeng betreffen könnte – zwei Konzerne, mit denen Stellantis bereits enge Beziehungen unterhält.
In sechs Monaten wurden nur 6.700 Autos produziert
Die Lage in Cassino gibt zunehmend Anlass zur Sorge. Laut dem Financial Times, im ersten Halbjahr 2026 verließen lediglich 6.700 Autos das Werk, obwohl der Standort theoretisch über eine Jahreskapazität von 300.000 Fahrzeugen verfügt. Die rund 2.200 Beschäftigten müssen nun nur noch an wenigen Tagen im Monat arbeiten. Das Werk produziert derzeit die Alfa Romeo Giulia und Stelvio sowie das Maserati Grecale. Doch diese drei Modelle generieren nicht mehr genügend Absatz, um einen Standort, der einst zu den industriellen Säulen von Fiat gehörte, normal weiterzuführen.

Eine Situation, auf die wir bereits vor kurzem hingewiesen hatten: Antonio Filosa hatte vor dem italienischen Parlament bestätigt, dass Die Zukunft von Cassino hänge vom künftigen Maserati-Plan ab, das noch vor Jahresende erwartet wird. Der CEO hatte zudem bekannt gegeben, dass Stellantis mit potenziellen Industriepartnern zusammenarbeite.
Leapmotor oder Dongfeng für das Werk in Cassino?
Die Sachlage scheint sich nun zu klären. Nach Angaben der Financial Times, wäre es am naheliegendsten, wenn sich Stellantis an einen chinesischen Partner wenden würde, mit dem der Konzern bereits zusammenarbeitet. Dabei fallen zwei Namen ins Auge: Leapmotor, dessen internationale Aktivitäten Stellantis über ein Joint Venture steuert, und Dongfeng, ein langjähriger Partner des Konzerns in China.
Stellantis erprobt diese Strategie übrigens bereits an anderen Orten in Europa. Leapmotor soll in Spanien produzieren, während Dongfeng eingeladen wurde, Modelle in einem Stellantis-Werk in Frankreich herzustellen. Emanuele Cappellano, Leiter der europäischen Aktivitäten von Stellantis, steht hinter diesem neuen Ansatz. Seiner Ansicht nach ermöglicht die Zusammenarbeit mit den chinesischen Herstellern nicht nur, deren Vormarsch einzudämmen, sondern stellt auch eine Chance dar, «Volumen und Wachstum in Europa» zurückzugewinnen. Er weist zudem darauf hin, dass bis Ende des Jahres eine Lösung für Cassino gefunden werden muss.
Eine Lösung, die ebenfalls mit Maserati zu tun hat?
Das ist wahrscheinlich der interessanteste Punkt. Der Financial Times stellt einen direkten Zusammenhang zwischen der Suche nach einem Industriepartner für Cassino und den Überlegungen zur Sanierung von Maserati her.
Das bedeutet natürlich nicht, dass Maserati an einen chinesischen Hersteller verkauft würde (Maserati steht nicht zum Verkauf). Stellantis hat diese Vermutung hingegen kürzlich dementiert, und Antonio Filosa hat bestätigt, dass noch vor Ende des Jahres 2026 ein markenspezifischer Plan vorgelegt werden soll.
Es könnte also um etwas anderes gehen: eine industrielle Partnerschaft zu nutzen, um die Produktionszahlen in Cassino wieder anzukurbeln und gleichzeitig die Produktion der zukünftigen Alfa Romeo- und Maserati-Modelle aufrechtzuerhalten. Es bleibt abzuwarten, in welcher Form dies geschehen soll. Die Produktion eines chinesischen Modells in Italien, eine gemeinsame Plattform, technologische Zusammenarbeit oder ein umfassenderes Projekt: Noch ist nichts bestätigt. Doch mit nur 6.700 produzierten Fahrzeugen in sechs Monaten bleibt Stellantis nun nicht mehr viel Zeit, um in Cassino wieder echte Aktivität zu schaffen.
Weitere Informationen finden Sie in den detaillierten Zulassungszahlen von’Alfa Romeo für das erste Halbjahr 2026 und Maserati für das erste Halbjahr 2026.