
Die Geschichte von Alfa Romeo Giulia und Stelvio wird eine, gelinde gesagt, unerwartete Wendung nehmen. Da sich beide Modelle langsam dem Ende ihrer Produktionszeit nähern, soll ihre Fertigung vom derzeitigen Fließband in Cassino verlegt werden, um dort in einer deutlich handwerklicheren Arbeitsweise fortgeführt zu werden. Mit einer Philosophie, die an die von Ferrari in Maranello erinnert.
Es gab eine Zeit, in der es im Werk Cassino vor allem darauf ankam, schnell zu produzieren. In den besten Zeiten des italienischen Standorts konnten in einer einzigen Schicht bis zu 400 Autos vom Band laufen. Damals hatte das Tempo am Fließband Vorrang, auch wenn Fahrzeuge, die Nachbesserungen erforderten, später noch einmal nachbearbeitet werden mussten. Diese Zeit scheint nun sehr weit zurückzuliegen. Stellantis plant eine tiefgreifende Umstrukturierung des Werks in Piedimonte San Germano: Die Modelle Alfa Romeo Giulia und Stelvio werden das Gebäude 2 um zum Gebäude 0, mit einem völlig anderen Herstellungsverfahren.
Weniger Autos, deutlich mehr Handarbeit
In diesem neuen Bereich geht es nicht mehr darum, die Alfa Romeo im Rhythmus einer klassischen Fertigungsstraße. Das Tempo wird verlangsamt, mehr Arbeitsschritte werden manuell ausgeführt, und die Arbeiter haben mehr Zeit, um an jedem Fahrzeug zu arbeiten.

Laut dem italienischen Medienbericht AlessioPorcu.it, wie aus diesen Informationen hervorgeht, müssen die betroffenen Mitarbeiter zudem Schulungen absolvieren, um sich an diese neuen Methoden anzupassen. Die Logik ähnelt somit der einer Luxusproduktion in Kleinserie: geringeres Volumen und mehr Aufmerksamkeit für jedes einzelne Exemplar. Eine Philosophie, die an die bei Ferrari in Maranello angewandte erinnert. Das verleiht den letzten Giulia- und Stelvio-Modellen dieser Generation einen besonderen Reiz. Ihre Produktion soll nämlich bis Ende 2027 fortgesetzt werden, bis dahin ihre Nachfolgerinnen.
Hinter dem Vergleich mit Ferrari verbirgt sich eine weitaus weniger glamouröse Realität
Es wäre jedoch irreführend, in dieser Umgestaltung lediglich den Wunsch zu sehen, die Modelle Giulia und Stelvio noch exklusiver zu gestalten. Dass Cassino es sich leisten kann, die Logik der Massenproduktion aufzugeben, liegt vor allem daran, dass die Stückzahlen eingebrochen sind.
Im Jahr 2017 hatte das Werk 135.263 Fahrzeuge produziert. Im Jahr 2025 wurden dort nur noch 19.364 Fahrzeuge montiert, was einem Rückgang von 85,7 % entspricht. Und auch im ersten Halbjahr 2026 konnte der Trend nicht umgekehrt werden: Nur 6.700 Fahrzeuge verließen Cassino, darunter 4.125 Giulia und Stelvio sowie 2.575 Maserati Grecale.
Bis zum 22. Juli 2026 hatte das Werk an nur 45 von 203 Kalendertagen gearbeitet und dabei etwa 7.000 Fahrzeuge produziert. Zudem waren mehr als 500 Mitarbeiter von Solidaritätsverträgen (eine Art Kurzarbeit) betroffen, durch die ihre Arbeitszeit verkürzt wurde. Die fast handwerkliche Fertigung der Modelle Giulia und Stelvio erscheint somit sowohl als industrielle Entscheidung als auch als Anpassung an eine sehr geringe Produktionsmenge.
In der Zwischenzeit hat der Gebäude 2 muss freigemacht werden, um Platz für weitere Maserati zu schaffen. Welche Modelle davon betroffen sind, muss noch bestätigt werden. Für den Giulia und den Stelvio hingegen zeichnet sich ein einzigartiges Lebensende ab: Nachdem sie jahrelang am Fließband produziert wurden, werden die letzten Alfa Romeo dieser Generation bald fast wie Luxusautos montiert.

Es ist deprimierend zu wissen, wie sie diese beiden Meisterwerke im Stich gelassen haben. Unbedeutende Updates, die Streichung von Individualisierungs- und Motorisierungsoptionen, Marketing und Kundendienst auf Dacia-Niveau – weit entfernt von einer Premiummarke.
Kein Wunder, dass die Verkaufszahlen ab 2018 einbrachen.