
Noch vor wenigen Monaten war die Fabrik Stellantis in Kragujevac, Serbien, symbolisierte vor allem die Schwierigkeiten bei der Einführung der neuen Fiat Grande Panda. Produktionsverzögerungen, angespannte Personalsituationen, italienische Arbeiter, die 1600 Kilometer von ihrem Heimatort entfernt zur Unterstützung geschickt wurden, und ein Auftragsstau: Ende 2025 erschien der serbische Standort als eines der schwächsten Glieder in der Industriestrategie von Fiat.
Heute hat sich die Rhetorik geändert. Nach den neuesten Informationen der Medien und der örtlichen Gewerkschaftsvertreter läuft die Fabrik nunmehr fast an ihrem Produktionsmaximum. Der Anstieg des Produktionsvolumens beginnt sich auf die serbische Wirtschaft auszuwirken, und das in einem für die europäische Automobilindustrie komplizierten Umfeld.
Von einer Fabrik unter Druck zu einem Standort nahe dem Maximum
Der Kontrast zu der noch vor wenigen Monaten beschriebenen Situation ist krass. Im Dezember 2025 berichteten mehrere Zeugen von einer Fabrik, die sich in einem Umstrukturierungsprozess befand und nicht in der Lage war, die erhofften Ziele für den Fiat Grande Panda zu erreichen. Stellantis musste italienische Arbeitnehmer aus Pomigliano, Melfi und Mirafiori mobilisieren, um die lokale Produktion zu unterstützen.
Nunmehr ist der Ton viel optimistischer. Ivan Ristić, Vorsitzender der Gewerkschaft FCA Srbija, sagt, dass die Nachfrage stark ansteigt und die Produktion endlich das erwartete Tempo erreicht. «Die tägliche Produktion schwankt, aber ich kann sagen, dass wir uns dem Produktionsmaximum nähern», erklärt er, ohne genaue Zahlen zu nennen, da die Industriedaten vertraulich sind.
Diese Verbesserung beruht insbesondere auf einer mittlerweile eingespielten Organisation in drei operativen Teams. Und Stellantis bereitet bereits den nächsten Schritt vor: die Einführung von Wochenendschichten ab Juni, um das Volumen weiter zu steigern.
Der Fiat Grande Panda essence dominiert die Kanäle weitgehend
Im Gegensatz zu dem sehr elektrischen Image, das Stellantis seinen neuen Modellen manchmal verleihen möchte, zeigt die industrielle Realität in Kragujevac vor allem das Gewicht des Verbrennungsmotors. Man erfährt, dass das derzeit am meisten produzierte Modell der Fiat Grande Panda mit Benzinmotor, 1,2-Liter-Motor und Schaltgetriebe ist. Eine Version, die sich vor allem wegen ihres erschwinglicheren Preises durchsetzt.
Danach folgen die Hybridversionen des Grande Panda und der Citroën C3, der ebenfalls am serbischen Standort produziert wird. Die elektrischen 100 %-Varianten bleiben im Industriemix in der Minderheit, auch wenn sich die Stückzahlen entsprechend der Marktnachfrage ändern. Diese Hierarchie verdeutlicht einen Trend, der in mehreren europäischen Ländern zu beobachten ist: Trotz massiver Investitionen in Elektroautos tragen Verbrennungs- und Hybridmodelle weiterhin einen Großteil der Verkäufe.
Eine Fabrik, die für die serbische Wirtschaft wichtig geworden ist
Das Hochfahren des Standorts in Kragujevac ist eine gute Nachricht für die serbische Wirtschaft. Während mehrere europäische Automobilfabriken ihre Produktionsraten senken oder Arbeitsplätze abbauen, erhöht Stellantis im Gegenteil seinen Bedarf an Arbeitskräften.
Nach Schätzungen der Gewerkschaft dürfte die Gesamtbelegschaft des Standorts inzwischen auf über 3.500 Beschäftigte angewachsen sein, trotz der hohen Fluktuation. Und mit den künftigen Wochenendschichten könnten 700 bis 800 zusätzliche Beschäftigte benötigt werden. Diese neuen Schichten würden nach einem besonderen Modell funktionieren: 12-Stunden-Tage nur an Samstagen und Sonntagen, mit einem niedrigeren Lohn als die Beschäftigten im klassischen Dreischichtbetrieb. Ein Modell, das die serbische Gewerkschaft offen kritisiert, da sie traditionellere Vollzeitverträge bevorzugt.

Trotz dieser sozialen Vorbehalte profitiert die lokale Wirtschaft direkt von den Aktivitäten des Standorts. Die Exporte nach Italien, Frankreich, Deutschland und in andere europäische Länder nehmen allmählich zu. Alle Fahrzeuge verlassen Serbien über den Hafen von Bar in Montenegro, bevor sie auf die verschiedenen europäischen Märkte verteilt werden. Die Fabrik stellt übrigens nicht nur komplette Autos her. Sie stellt auch Teile für andere Stellantis-Werke her, z. B. Karosserieteile für den Citroën C3, die in die Slowakei geschickt werden.
Das Symbol einer industriellen Wende für Stellantis
Diese Verbesserung kommt jedoch in einem für Stellantis besonders schwierigen Umfeld zustande. Der Konzern befindet sich in finanziellen Turbulenzen, nachdem er Verluste von mehr als 22 Milliarden Euro verzeichnet hat, die größtenteils auf seine Elektrostrategie zurückzuführen sind. Die jüngsten Finanzergebnisse führten zu einem dramatischen Rückgang des Aktienkurses.
In Serbien waren die Folgen unmittelbar spürbar: Die Beschäftigten des Werks verloren unter anderem ihren Bonus für den April. Der neue Generaldirektor von Stellantis, Antonio Filosa, wies selbst mit dem Finger auf die strategischen Entscheidungen seines Vorgängers Carlos Tavares hin, dem vorgeworfen wurde, zu sehr auf Elektroautos gesetzt zu haben, ohne die tatsächliche Entwicklung des Marktes ausreichend zu antizipieren.
Der allmähliche Erfolg des Fiat Grande Panda in Serbien nimmt eine wichtige strategische Dimension an. Nach einem chaotischen Start scheint das Werk in Kragujevac endlich seinen Rhythmus zu finden. Und für Stellantis, der nun versucht, wieder industrielle und finanzielle Stabilität zu erlangen, kommt dieser Aufschwung wahrscheinlich genau zum richtigen Zeitpunkt.