Der neue 6-Zylinder-Motor von Stellantis hat den V8 in Sachen Leistung bereits übertroffen – nun nimmt er dessen letzten Vorteil ins Visier

Vor ein paar Tagen Stellantis zeigte, wie weit das gehen konnte sein neuer Sechszylinder „Hurricane“ : 600 ch im Dodge Charger Super Bee, was unter anderem durch größere Turbolader erreicht wird. Doch große Turbos bedeuten in der Regel auch eine längere Ansprechzeit. Genau dieses Problem wollen die Ingenieure von SRT nun mit einer Technologie namens „eBoost Air“ angehen.

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Auf dem Papier ist die Idee recht einfach: Man behält große Turbolader bei, die bei hohen Drehzahlen viel Luft liefern können, und gewinnt gleichzeitig bei niedrigen Drehzahlen das spontane Ansprechverhalten zurück, das zum Teil den Charme der alten Dodge-V8-Motoren mit Kompressor ausmachte.

Ein elektrischer Kompressor, um die Turbos zu wecken

Im Gegensatz zu einigen Technologien, die bereits von Mercedes-AMG oder Porsche eingesetzt werden, ist bei eBoost Air kein Elektromotor direkt in den Turbolader integriert. SRT hat sich dafür entschieden, einen unabhängigen elektrischen Kompressor vor den beiden Turboladern des 3,0-Liter-Hurricane-Motors zu installieren. Wenn der Fahrer bei niedrigen Drehzahlen das Gaspedal durchdrückt, leitet ein Bypassventil die Luft zu diesem Kompressor. Dieser erzeugt sofort einen Überdruck im Ansaugtrakt und unterstützt so die herkömmlichen Turbolader dabei, deutlich schneller auf Drehzahl zu kommen.

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Sobald die Abgase genügend Energie erzeugen, um die Turbolader anzutreiben, wird der elektrische Kompressor nicht mehr benötigt: Das Ansaugsystem kehrt dann zu seinem herkömmlichen Betriebsmodus zurück. Laut SRT ermöglicht das System somit, die Aufladung über einen wesentlich größeren Drehzahlbereich aufrechtzuerhalten und das berühmte Turboloch praktisch zu beseitigen.

10 psi in nur 0,65 Sekunden

Und die ersten Zahlen vermitteln einen besseren Eindruck von der Wirksamkeit des Systems. Laut Tests an einem mit dem Hurricane ausgestatteten Prototyp soll eBoost Air in der Lage sein, bereits 0,65 Sekunden nach einem kräftigen Tritt auf das Gaspedal etwa 10 psi, also 0,7 bar Druck, in den Ansaugtrakt zu leiten.

Der von SRT verwendete Prototyp leistet sogar 630 ch und 810 Nm Drehmoment, gegenüber 550 ch und 720 Nm beim Basismotor. Allerdings ist zu beachten: eBoost Air erzeugt diese zusätzlichen PS nicht direkt. Die Leistungssteigerung resultiert insbesondere aus einer neuen Motorabstimmung und mechanischen Anpassungen, wobei der elektrische Kompressor vor allem das Ansprechverhalten im unteren Drehzahlbereich verbessert. Das angestrebte Ziel spricht letztlich für sich: Dem Sechszylinder-Biturbo das lineare und unmittelbare Ansprechverhalten eines V8 mit Kompressor zu verleihen, ohne dabei auf den Wirkungsgrad und das Leistungspotenzial der Turbolader zu verzichten.

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Eine Technologie, die in nur sieben Wochen entwickelt wurde

SRT gibt an, in nur sieben Wochen von der Idee zum funktionsfähigen Prototyp gelangt zu sein. Das Versuchssystem wird derzeit mit einer kleinen 48-Volt-Batterie mit 1 Ah betrieben, die über einen DC-DC-Wandler und eine verstärkte 12-Volt-Lichtmaschine mit Strom versorgt wird. Weitere Speicherlösungen, insbesondere auf Kondensatorbasis, werden bereits untersucht.

Derzeit präsentiert Stellantis eBoost Air als technologisches Konzept und bestätigt noch keine Markteinführung. SRT erwägt jedoch bereits die Anpassung an andere Motoren, darunter den 2,0-Liter-Vierzylinder „Hurricane“.

Nur wenige Tage, nachdem Stellantis gezeigt hatte, dass ein 6-Zylinder-Hurricane-Motor 600 ch leisten und dem neuen Charger Super Bee eine bessere Beschleunigung von 0 auf 100 km/h ermöglichen kann als der alte Hellcat-V8 mit 707 ch, sendet das Unternehmen nun eine zweite Botschaft: Der Ersatz des V8 hängt offenbar nicht nur von der Höchstleistung ab. Der Konzern strebt nun auch danach, dessen Charakter und Spontaneität wiederzufinden. Und aus europäischer Sicht stellt sich natürlich wieder die Frage: Wenn diese Technologie letztendlich auch in Jeep-, RAM- und Dodge-Modellen Einzug hält, fällt es schwer, sich nicht vorzustellen, was ein solcher Sechszylinder eines Tages unter der Motorhaube eines italienischen Modells leisten könnte…

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