
Dies ist vielleicht die wichtigste technische Ankündigung von Stellantis seit der Gründung des Konzerns im Jahr 2021. Nach mehreren Jahren, in denen von den Plattformen STLA Small, STLA Medium, STLA Large, STLA Frame und STLA Smart die Rede war, ändert der Hersteller nun seine Strategie vollständig. Es gibt nun eine neue Architektur mit dem Namen STLA One.
Hinter diesem Namen verbirgt sich eine industrielle Revolution, die die zukünftigen Peugeot, Alfa Romeo, Fiat oder auch die amerikanischen Modelle des Konzerns grundlegend verändern könnte. Denn STLA One ist nicht einfach nur eine neue Plattform: Sie soll einen Großteil der bereits angekündigten Plattformen ersetzen.
Eine einzige Plattform, um fünf Architekturen zu ersetzen
In seiner offiziellen Präsentation vom 21. Mai 2026 erklärt Stellantis, dass STLA One 2027 auf den Markt kommen wird und «fünf Plattformen in einer einzigen, skalierbaren Architektur zusammenführen» soll. Ein Satz, der bereits viel aussagt.
Das bedeutet konkret, dass die Projekte zu STLA City, STLA Small, STLA Smart, STLA Medium und STLA Large schrittweise zugunsten einer einzigen technischen Basis, die die Segmente B, C und D abdecken kann, weiterentwickelt werden. Mit anderen Worten: vom kleinen Stadtwagen bis zur Familienlimousine oder zum mittelgroßen SUV.
Das erklärte Ziel ist klar: die industrielle Komplexität drastisch zu reduzieren. Heute verwaltet Stellantis eine Vielzahl von Plattformen, Komponenten und Technologien, die je nach Region und Marke unterschiedlich sind. Mit STLA One will der Konzern so viele Elemente wie möglich standardisieren, um Zeit zu sparen, Kosten zu senken und die Rentabilität zu steigern. Und die Ambitionen sind enorm: Mehr als 30 Modelle werden zwischen 2027 und 2035 auf dieser Plattform basieren, mit dem Ziel, mehr als 2 Millionen Einheiten zu produzieren.
Eine Plattform, die die Strategie von Stellantis verändert
Der andere wichtige Satz in der Pressemitteilung betrifft das Ziel von Stellantis für 2030: «50 % des Konzernvolumens werden auf drei globalen Plattformen beruhen».
Wenn STLA One allein bereits fünf Plattformen ersetzt, bedeutet dies, dass Stellantis bis 2030 nur noch mit drei großen globalen Hauptarchitekturen arbeiten würde. Wenn man also nachrechnet, wird klar, dass die Gruppe ihre industrielle Organisation stark rationalisieren will. In diesem Szenario würde STLA One zur zentralen Plattform für Fahrzeuge der Segmente B bis D werden, während andere Architekturen weiterhin für spezifischere Zwecke bestimmt wären.
Die STLA-Frame-Plattform sollte beispielsweise weiterhin für Pick-ups und große SUVs in den USA existieren. STLA Large könnte vor allem in den USA für zukünftige Jeep-, Dodge- und Chrysler-Modelle weitergeführt werden, um schließlich durch STLA One ersetzt zu werden.
Bleibt eine große Frage für die Luxusmarken: Was wird aus den zukünftigen E-Segment-Modellen, insbesondere den nächsten Maserati? Werden wir noch einen Giorgio Evo für Maserati sehen oder wird Stellantis diese neuen Modelle in die STLA One-Welt integrieren?
STLA One: Weiterentwicklung von STLA Small oder Zusammenschluss mit STLA Medium?
Dies ist wahrscheinlich der interessanteste Punkt dieser Ankündigung. Denn mehrere Hinweise deuten darauf hin, dass STLA One nicht aus dem Nichts aufgetaucht ist. Spuren des Projekts finden sich schon lange vor seiner offiziellen Bekanntgabe. Einige arbeiteten bereits seit Anfang 2025 an «STLA ONE». Andere erwähnen Verantwortlichkeiten für die "STLA Small"-Plattform, die damals als zukünftige elektrische Referenzplattform des Konzerns für das A- und B-Segment vorgestellt wurde.
STLA One scheint also weit mehr als nur ein Ersatz für STLA Medium zu sein. Vielmehr deutet alles darauf hin, dass es sich um eine tiefgreifende Weiterentwicklung von STLA Small handelt, das ursprünglich für die Segmente A und B vorgesehen war, aber nach und nach modularer geworden wäre, um auch die Segmente C und D abzudecken. Mit anderen Worten: Stellantis hätte beschlossen, mehrere Projekte zu einer einzigen Megaplattform zusammenzufassen.
Eine ultraflexible Multi-Energie-Plattform
Die technische Herausforderung ist kolossal. Denn STLA One muss alles können. Die Plattform wird von Anfang an als Multi-Energie-Plattform angekündigt, was bedeutet, dass sie ohne größere technische Kompromisse mehrere Antriebsarten aufnehmen kann. Elektrisch, hybrid oder sogar mit Verbrennungsmotor, je nach Markt: Stellantis will eine einzige Basis, die überall auf der Welt angepasst werden kann.
Sie wird auch mit verschiedenen Fahrzeuggrößen, Radständen, Batterietypen, Getrieben und sogar verschiedenen Antriebsarten umgehen müssen. STLA One wird auch mehrere Schlüsseltechnologien der Gruppe einführen, darunter STLA Brain, STLA SmartCockpit und Steer-by-wire, eine Technologie, die die traditionelle mechanische Verbindung zwischen Lenkrad und Rädern aufhebt.
Auf der elektrischen Seite verspricht Stellantis bereits eine 800-Volt-Kompatibilität und eine Strategie, die mehr auf LFP-Batterien basiert, um die Kosten zu senken. Die Gruppe spricht auch von einer «Cell-to-Body»-Integration, bei der die Batterie direkt zu einem Strukturelement des Fahrzeugs wird. Im Klartext heißt das, dass STLA One in den nächsten zehn Jahren die zentrale technologische Basis von Stellantis werden soll.
Die ersten Autos ab 2027
Die ersten STLA One-Modelle werden ab 2027 auf den Markt kommen. Parallel dazu plant Stellantis auch eine neue «E-Car»-Plattform für kleine Elektroautos ab 2028 (wir stellen uns den zukünftigen Fiat 500 vor). Das könnte bedeuten, dass zukünftige, sehr erschwingliche Stadtautos immer noch eine eigene Architektur haben werden, während STLA One sich auf das Herzstück des globalen Automobilmarktes konzentrieren wird. Das erste Modell, das die STLA One-Plattform einführt, könnte der Peugeot 208 sein.
Stellantis werden das Jahr 2030 nicht überleben. It's game over for them.