
Bevor dieses Auto zu einem äußerst exklusiven Automobilprojekt wurde, war es bereits eine Legende der italienischen Bergrennen. Seine Geschichte beginnt weder in einem Ingenieurbüro noch bei einem großen Automobilhersteller, sondern in einer Handwerkswerkstatt in der Region Marken, rund um einen Rennfahrer: Marco Sbrollini.
In erster Linie ein Bergfahrer
Marco Sbrollini stammt aus Pergola in den Marken und ist ein italienischer Rennfahrer und Unternehmer, der sich auf Bergrennen spezialisiert hat. Er ist in der CIVM-Meisterschaft (Campionato Italiano Velocità Montagna) sowie bei einigen Läufen der Europameisterschaft aktiv, darunter das unverzichtbare Trento-Bondone, und macht sich schnell einen Namen in der Kategorie E1, die stark modifizierten Fahrzeugen vorbehalten ist.

Über zehn Jahre lang wird er eine Lancia Delta Gruppe A als Prototyp für den Extrem-Rennsport, bevor er darauf ein noch ehrgeizigeres Projekt aufbaute. Sein erfolgreichstes Jahr war 2017, als er die italienische Meisterschaft „E1 Italia“ und die Norditalien-Meisterschaft mit mehreren Klassensiegen gegen weitaus modernere Fahrzeuge gewann.
Die DELTA EVO
Sbrollinis Auto ist offiziell ein Lancia Delta Evo der Gruppe A, hat aber mit einem Serienfahrzeug nicht mehr viel gemeinsam. Wir sind in unseren Artikeln bereits auf mehrere davon gestoßen, da der Delta einer der Lieblingslimousinen vieler Tuner ist: Zu nennen sind hier beispielsweise der S4 von Bruno Ianello oder die HF-Modelle von Mirko Bubnic und Norbert Handa.
Zu den Änderungen an der Deltav Evo von Marco Sbrollini gehören eine umfassende Verstärkung des Rumpfes, eine Absenkung des Schwerpunkts, eine Änderung der Befestigungspunkte sowie die Umstellung auf ein Viergelenk-Aufhängungssystem (Doppel-Dreiecke), eine völlig andere Konstruktion als beim ursprünglichen Delta.



Die Karosserie besteht größtenteils aus handgefertigtem Verbundwerkstoff und wurde für den Rennsport vergrößert und optimiert. Die Aerodynamik wurde grundlegend überarbeitet und umfasst nun einen großen Doppelflügel, zahlreiche aerodynamische Anbauteile sowie eine Optimierung der Strömung am Heck.
Unter der Motorhaube verbirgt sich, wie bei anderen Delta-Bergrennwagen, ein von Fiat abgeleiteter 2,0-Liter-Vierzylinder-Turbomotor/Lancia jedoch mit geschmiedeten CPS-Kolben und einem Garrett-Turbolader mit hohem Durchfluss für eine Leistung von rund 500 PS und ein Drehmoment von über 60 mkg. Das Getriebe gehört zu den fortschrittlichsten Komponenten und basiert auf einem sequenziellen 6-Gang-Getriebe von Zanghellini, speziellen Differenzialen vorne und hinten sowie einer pneumatischen Shiftec-Steuerung am Lenkrad: eine Architektur, die der moderner Rallye-Fahrzeuge ähnelt
Noch einen Schritt weiter: die DELTA SP EVO POWER
Mehrere Jahre lang arbeitete das Team an der Weiterentwicklung des Delta Evo, doch bald stieß man an eine Grenze: Die ursprüngliche Architektur ließ keine ausreichenden Weiterentwicklungen mehr zu. Bereits 2017 brachte Sbrollini eine zentrale Idee zum Ausdruck: «Unser Ziel ist es, einen neuen Rumpf zu bauen, um das Gewicht noch weiter zu reduzieren.»Das ist der erste direkte Hinweis auf das künftige Projekt EVO Power.
Im Oktober 2024 wird das Projekt offiziell bei der Rallylegend in San Marino vorgestellt, einer der wichtigsten Veranstaltungen im Bereich der historischen Rallye. Der Fahrer greift für dieses Projekt auf zahlreiche regionale Talente zurück: Die Firma Falcom von Fernando Lancia war für die Konstruktion und den Bau aller mechanischen Teile verantwortlich. Weitere beteiligte Unternehmen sind Zanghellini aus Trient, das für die Getriebe zuständig ist, sowie Composita, das die Karosserie vollständig aus Kohlefaser fertigt. Zur Unterstützung des Projekts stützt sich Sbrollini auf das Team Speed Motor aus Gubbio unter der Leitung von Tiziano Brunetti, mit dem er seit über 10 Jahren zusammenarbeitet.

«Wir wollten für Kontinuität sorgen und an die Erfolge und gemeinsamen Opfer anknüpfen“, erklärt Marco Sbrollini, „und außerdem …“»Wir knüpfen an eine Ikone der weltweiten Automobilgeschichte wie den Lancia Delta an, den wir sowohl als Rennwagen als auch als Sammlerstück wieder auf den Markt bringen wollen. Wir sind nun bereit, und ich muss sagen, dass mich das sehr bewegt.“.
Eine kleine Produktion für maximale Leistung
Das neue Auto trägt den Namen “EVO Power Delta SP”. Das Ziel ist es, eine auf 10 Exemplare limitierte Serie für den Renn- und Sammlerbetrieb zu produzieren, deren Leistungsdaten die des ursprünglichen Delta-Rennwagens übertreffen.


Der Delta SP greift direkt die Lösungen des Vorgängermodells aus dem Rennsport auf. Doch sein Gewicht wird von 1090 kg auf 910 kg sinken – dank einer Vollcarbon-Karosserie und einem ebenfalls von Carbon geprägten Innenraum, zu dem auch ein beeindruckender Mitteltunnel gehört. Was das Aussehen angeht, fällt bereits ein wahnsinniger Heckflügel ins Auge, der fast so verrückt ist wie der der Pikes-Peak-Prototypen! Das Karosserie-Kit verspricht sehr muskulös und spektakulär zu werden.




Was die Technik angeht, bleibt der Delta dem Geist des Originals treu – mit einem 2,0-Liter-Turbomotor, der nun 600 PS bei 8500 U/min leisten soll. Ansonsten finden sich bewährte Lösungen aus dem vorherigen Delta Evo von Marco wieder, darunter eine Doppelquerlenker-Aufhängung und ein Zanghellini-Getriebe. Bemerkenswert ist auch die prächtige 76-mm-Edelstahl-Auspuffanlage, die in einer Y-Form endet.




In einer von Restomods dominierten Automobilwelt nimmt der Delta SP EVO Power eine Sonderstellung ein. Er ist keine nostalgische Neuinterpretation, sondern die direkte Fortsetzung eines Rennwagens, der tatsächlich existiert hat, entwickelt wurde und Siege errungen hat. Die ersten Testfahrten sollen bald stattfinden.
