
Bei der Fahrzeugvorbereitung geht es oft um die richtige Balance. Bei einem so legendären Auto wie dem Lancia Delta Integrale Evo: Die Leistung zu steigern, ohne dabei die Zuverlässigkeit zu beeinträchtigen, grenzt fast schon an Kunst. Genau diesen Ansatz hat der italienische Tuner SCARA73 gewählt, der bereits für seine Projekte an Alfa Romeo 4C mit 335 ch und Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio mit 600 ch, und zwar im Rahmen eines Projekts an der Delta Integrale Evo seines Freundes Marco. Das Ziel war von Anfang an klar: eine umfassende Motorüberarbeitung durchzuführen, ohne dabei eine der bekanntesten Schwachstellen des Modells zu beeinträchtigen, nämlich den serienmäßigen Antriebsstrang.
Eine Motorvorbereitung, die auf Langlebigkeit ausgelegt ist
Im Gegensatz zu manchen Umbauten, bei denen es in erster Linie darum geht, eine spektakuläre Leistungszahl vorzuweisen, hat SCARA73 einen durchdachten Ansatz gewählt. Die mechanische Basis wurde durch den Einbau eines modifizierten Turboladers auf Basis des Originalmodells in Verbindung mit einem rohrförmigen Auspuffkrümmer umfassend optimiert.

Auch am Ansaugsystem wurde intensiv gearbeitet. Der Lancia Delta erhält einen speziellen Filter sowie einen Luft-Luft-Ladeluftkühler mit 7,5 Litern Fassungsvermögen, gegenüber 5 Litern beim Serienbauteil. Nach Angaben des Tuners handelt es sich dabei schlichtweg um den größten Ladeluftkühler, der auf dieser Plattform verbaut werden kann.


Auch das Kühlsystem wurde komplett überarbeitet. Es wurden Wasser- und Ölkühler vom Typ Abarth eingebaut, um ein Problem zu beheben, das den Besitzern des Delta Integrale wohlbekannt ist: der übermäßige Temperaturanstieg bei intensiver Nutzung.
Die Kühlung – der Schlüssel zur Leistung
Für den SCARA73 ist die Verbesserung der Kühlung wahrscheinlich eine der wichtigsten Änderungen, die an diesem Fahrzeug vorgenommen wurden. Der Tuner erklärt, dass der vergrößerte Kühler die Wassertemperatur bei starker Beanspruchung um 13 bis 14 °C senkt. Diese Temperatursenkung verbessert nicht nur die Zuverlässigkeit, sondern ermöglicht es dem Motor auch, seine volle Leistung beizubehalten. Beim Lancia Delta Integrale reduziert das Steuergerät, sobald die Wassertemperatur 100 °C überschreitet, die Zündvorverstellung, um den Motor zu schützen, was zu einem spürbaren Leistungsverlust führt.

Der Tuner verweist sogar auf seine persönlichen Erfahrungen im Rennsport: Dank verbesserter Kühler sei es ihm gelungen, auf einer zweiminütigen Strecke 13 Sekunden gegenüber einer Konfiguration mit den Originalkühlern einzusparen. In diesem konkreten Fall blieb die Wassertemperatur bei etwa 93 °C, anstatt 107 °C zu überschreiten.
285 PS, aber ohne Übertreibung
Um das Getriebe und die Differentiale zu schonen, hat SCARA73 den Turbodruck bewusst auf maximal 1,3 bar im Spitzenbereich und etwa 1,1 bar im stationären Betrieb begrenzt. Eine Entscheidung, die in einer Zeit, in der viele Tuning-Projekte die 300 ch-Marke bei weitem überschreiten, vielleicht konservativ erscheinen mag, aber perfekt zur Philosophie des Projekts passt.

Letztendlich leistet dieser Delta Integrale Evo 285 chevaux. Der Tuner hebt vor allem die Qualität der Drehmomentkurve hervor, die zwischen etwa 3.500 und 6.000 tr/min konstant bleibt. Das Ansprechverhalten des Turboladers mit doppeltem Lager ermöglicht zudem eine Verbesserung der Reaktionsfreudigkeit im unteren Drehzahlbereich im Vergleich zum serienmäßigen Turbolader. SCARA73 schätzt sogar, dass das Fahrzeug bei günstigeren Außentemperaturen fast 300 PS erreichen könnte.

Ein Fahrerlebnis ganz im Sinne von Delta
Die Auspuffanlage trägt maßgeblich zum Charakter dieses Umbaus bei. Die komplette 70-mm-Anlage aus Edelstahl verläuft nahezu ungehindert bis zum einzigen Endschalldämpfer und bewahrt so das typische Erscheinungsbild der Delta Integrale.

Auch der Innenraum wurde gezielt verbessert, insbesondere durch einen Sensor zur präzisen Überwachung des Luft-Kraftstoff-Gemischs, ein genaueres Turbodruckmanometer und einen vom berühmten Martini 6 inspirierten Schalthebel aus Edelstahl mit verkürztem Schaltweg. Für den italienischen Tuner ist dieser Lancia Delta weit mehr als nur ein Auto. Er erinnert daran, dass es sich um das Modell handelt, das seine Leidenschaft für Autos geweckt und zur Gründung von SCARA73 beigetragen hat.

Das Endergebnis entspricht somit ganz dem Geist des legendären italienischen Sportwagens: mehr Leistung, ein effizienteres Fahrverhalten und höhere Zuverlässigkeit, ohne dabei in Exzesse zu verfallen, die die mittlerweile kostbare Mechanik gefährden könnten. Eine Philosophie, die perfekt zu einem Auto zu passen scheint, dessen Wert und Ausstrahlung auch mehr als dreißig Jahre nach seinen Rallye-Erfolgen weiter zunehmen.
