
Einen eigenen Einsitzer in der eigenen Garage zu bauen, ist schon ein ungewöhnliches Projekt. Die Entscheidung, ihn mit einem Alfa Romeo Busso V6-Motor auszustatten und sich dabei vom McLaren MP4/8 von Ayrton Senna inspirieren zu lassen, macht das Abenteuer noch spannender. Genau das hat jedoch Moully Syed in Angriff genommen, eine britische Rennmechanikerin, die in den sozialen Netzwerken unter dem Pseudonym Carjabii bekannt ist.
Sein Projekt ist keineswegs nur ein einfacher Modellbau, der einem Formel-1-Rennwagen ähneln soll. Seit mehreren Jahren entwickelt Moully Schritt für Schritt einen echten Einsitzer – vom Rohrrahmen über die Mechanik bis hin zur Aerodynamik. Und im Herzen des Wagens wird ein Motor Platz finden, der den Liebhabern von’Alfa Romeo.
Ein Einsitzer, der von Grund auf neu entwickelt wurde
Die ersten Spuren des Baus reichen mehr als zwei Jahre zurück. Damals stellte Moully den Rohrrahmen vor, den sie nach vielen Stunden am CAD-Programm entworfen hatte. Auf den Fotos aus ihrer Garage ist zu sehen, dass der Einsitzer tatsächlich mit einer einfachen, maßgefertigten Metallkonstruktion beginnt.



Doch das Projekt beschränkt sich nicht nur auf das Fahrwerk. Für die Entwicklung der Karosserie und der Aerodynamik nutzt das Unternehmen insbesondere Autodesk Inventor und Star-CCM+. Mit letzterem kann ein virtueller Windkanal simuliert werden, um Druck, Luftgeschwindigkeit und aerodynamischen Anpressdruck zu untersuchen und anschließend die verschiedenen Bauteile entsprechend anzupassen.




Ästhetisch wird die Inspiration ganz offen zur Schau gestellt: der McLaren MP4/8, ein Einsitzer, den unter anderem Ayrton Senna in der Saison 1993 fuhr. Die ersten Karosseriekonturen, die rund um das Chassis zu erkennen sind, erinnern zudem an die Einsitzer dieser Zeit.
Ein Alfa Romeo Busso V6 hinter dem Fahrer
Es ist jedoch die Wahl des Motors, die diesem Projekt einen Platz auf Italpassion sichert. Vor etwas mehr als einem Jahr stellte Moully den Motor für seinen Einsitzer vor: einen 2,5-Liter-V6-Motor vom Typ Alfa Romeo Busso mit 24 Ventilen.


Sie fasst ihre Idee als eine Verschmelzung zweier ihrer Lieblingsrennwagen zusammen: Alfa Romeo DTM und McLaren MP4/8.
Um die Kraft auf die Hinterräder zu übertragen, plant Moully den Einsatz eines Renault-Getriebes vom Typ UN1 013. Eine pragmatische Wahl: Sie erklärt, dass sie dieses Getriebe, das regelmäßig in Kit-Cars und GT40-Nachbauten zum Einsatz kommt, gut kennt und der Meinung ist, dass es gut zum Busso-V6 passt. Allerdings müssen spezielle Teile angefertigt werden, um es in den Einsitzer zu integrieren.

Ein Projekt unter der Leitung einer echten Rennmechanikerin
Dieses Projekt gewinnt eine ganz neue Dimension, wenn man sich den Werdegang seiner Schöpferin ansieht. Als Studentin in Motorsporttechnik, Moully Syed arbeitet außerdem als Rennmechanikerin und Datenanalystin in Großbritannien. Sie war unter anderem im GT Cup, in der BEMSEE-Motorradmeisterschaft und in der F.A.T. Karting League aktiv und arbeitete sowohl an den Einstellungen für Federung und Bremsen als auch an der Telemetrie.
Und die Bauarbeiten sind noch im Gange. Die neuesten Bilder zeigen unter anderem Moully bei der Instandsetzung des Alfa-Romeo-V6-Motors, der offenbar einer gründlichen Überholung bedarf, bevor er endgültig in das Chassis eingebaut werden kann. Es bleibt also noch viel Arbeit, bis der Busso hinter dem Cockpit zu hören sein wird. Doch mit seinem selbstgebauten Chassis, der am Computer entwickelten Aerodynamik und diesem Alfa-Romeo-Motor nimmt dieser unwahrscheinliche «italienische MP4/8» nach und nach in einer einfachen britischen Garage Gestalt an.