Stellantis baut seinen neuen, von der Formel 1 inspirierten Benzinmotor bei Jeep und Ram ein... Europa wartet noch immer ab

Der im Herbst 2025 enthüllte neue 2.0L Hurricane 4 Turbo-Motor von Stellantis war nicht nur eine weitere technische Ankündigung in der üblichen Flut von Pressemitteilungen der Industrie. Damals versprach der Konzern ein stärkerer Vierzylinder-Benzinmotor, Der neue Motor ist effizienter und vor allem technologisch ausgereifter, und die Verbindung zur Formel 1 ist unverkennbar. Mehrere Monate später, im April 2026, ist dieser Motor nicht mehr nur ein Versprechen: Er beginnt nun, unter der Motorhaube realer Modelle Platz zu nehmen. Und während die USA bereits davon profitieren, steht Europa noch am Straßenrand.

Werbung

Ein Motor, der 2025 geboren wurde, aber gerade erst seine Karriere beginnt

Als Stellantis diese neue Entwicklung seines 2,0-Liter-Benzinmotors Ende 2025 vorstellte, war die Ankündigung durchaus überraschend. Denn hinter der Bezeichnung Hurricane 4 Turbo verbarg sich weit mehr als ein Kalibrierungsupdate oder eine einfache Leistungssteigerung. Der Konzern sprach von einem völlig neuen Motor, der 324 PS und 450 Nm Drehmoment entwickeln kann, während der Verbrauch um 10 % gesenkt werden soll.

Auf den ersten Blick könnte dies wie eine logische Weiterentwicklung des in der Stellantis-Galaxie bereits weithin bekannten 2.0L GME aussehen. Dieser Motor wird nämlich bereits in zahlreichen Variationen eingesetzt, von 200- oder 280-PS-Versionen bis hin zu den muskulöseren Varianten einiger Jeeps und Maseratis. Doch die eigentliche Neuheit lag woanders: in der Verbrennung.

Werbung

Eine Technologie aus der Formel 1, die über Maserati lief

Dieser neue Benzinmotor hat nicht nur an Leistung zugelegt. Seine wahre Neuheit verbirgt sich in seiner Verbrennung, mit der Einführung der TJI-Technologie, die für Turbulent Jet Ignition steht. Hinter diesem technischen Namen verbirgt sich ein Prinzip, das direkt aus der Welt des Motorsports stammt und oft mit der Formel 1 in Verbindung gebracht wird: das Prinzip der Vorkammerverbrennung.

Die Funktionsweise ist ausgefeilter als bei einem herkömmlichen Benzinmotor. Eine kleine Kammer über dem Zylinder leitet eine erste Verbrennung ein, bevor sich die Explosion durch turbulente Strahlen in der Hauptkammer ausbreitet. Die Vorteile sind vielfältig: Die Verbrennung erfolgt schneller, präziser und vollständiger, wodurch mehr Leistung bei gleichzeitig höherem Wirkungsgrad erzielt werden kann.

Bei Stellantis kommt diese Technologie nicht aus dem Nichts. Der V6 Nettuno von Maserati, der im MC20 eingeführt und später in andere Modelle der Marke übernommen wurde, war bereits ein prestigeträchtiges Beispiel für diese Technologie. Der neue Vierzylinder Hurricane 4 Turbo übernimmt den Geist dieser Technologie, aber in einer viel breiteren Anwendung, die für Fahrzeuge mit hohem Verbrauch bestimmt ist.

Werbung

Der Jeep Grand Cherokee 2026 nimmt ihn bereits an

Was im Oktober 2025 noch ein Versprechen war, wird nun zur industriellen Realität. Das erste ikonische Modell, das diesen Motor erhält, ist der Jeep Grand Cherokee 2026. Jeep macht keinen Hehl daraus, dass sein SUV nun auf diesen neuen 2.0L Hurricane 4 Turbo setzt, um seine Leistungen bei den Versionen mit Verbrennungsmotor zu steigern.

Auf der offiziellen Seite des Grand Cherokee 2026 stellt die Marke diesen neuen Benzinmotor mit Turbolader in Verbindung mit einem Getriebe der nächsten Generation deutlich in den Vordergrund. Die angekündigten Zahlen sprechen für sich: 324 PS, 332 lb-ft Drehmoment, was etwa 450 Nm entspricht. Die Botschaft ist klar: Dieser Motor soll in fast jeder Hinsicht besser sein als der alte V6-Saugmotor, mit mehr Kraft, besserer Effizienz und einem moderneren Image.

YouTube #!trpst#trp-gettext data-trpgettextoriginal=7385#!trpen#Video#!trpst#/trp-gettext#!trpen#

Die ersten Tests bestätigen übrigens, dass Stellantis nicht einfach nur ein Datenblatt aufgebläht hat. Road & Track, die einen Jeep Grand Cherokee L 2026 mit diesem Motor in die Hand nehmen konnten, beschreiben den Motor als lebendiger als den alten Pentastar V6. Das Medium betont, dass dieser Vierzylinder energischer ist, besser von seinem Automatikgetriebe bedient wird und dem großen amerikanischen SUV ein echtes Plus an Ansprechverhalten verleiht. Es ist nicht alles perfekt, insbesondere die leichte Reaktionszeit bei niedrigen Drehzahlen, aber die allgemeine Feststellung ist klar: Dieser neue Motor verbessert wirklich den Fahrspaß des Grand Cherokee.

Auch der Ram Rampage profitiert davon, allerdings mit einer anderen Version

Das Interessanteste ist, dass der Jeep Grand Cherokee nicht allein ist. Auch der Ram Rampage bietet einen 2.0L Hurricane 4 Turbo-Benziner. Auf der offiziellen Website des Modells gibt Ram 272 PS und 400 Nm Drehmoment für die R/T-Version an, wobei die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 6,9 Sekunden und die Höchstgeschwindigkeit bei 220 km/h liegt.

Werbung

Dies zeigt, dass Stellantis diesen Motor nicht nur für eine einzige Anwendung reserviert. Er beginnt bereits damit, ihn in mehreren Fahrzeugen zu verbreiten, wobei je nach Markt und Verwendungszweck unterschiedliche Kalibrierungen vorgenommen werden. Im Fall des Grand Cherokee besteht das Ziel darin, einen alternden V6 in einem familienfreundlichen und statusorientierten SUV schrittweise zu ersetzen. Im Fall des Rampage geht es darum, einen dynamischeren Pick-up anzubieten, der hohe Leistungen erbringen kann und gleichzeitig mit den örtlichen Gegebenheiten kompatibel ist.

Ein amerikanischer Motor ... aber mit italienischer Seele

Das ist das Paradoxe an dieser Mechanik. Einerseits wird sie in den USA hergestellt, vor allem in Dundee, Michigan, mit Komponenten, die ebenfalls aus Kokomo, Indiana, stammen. Sie ist also in erster Linie für den nordamerikanischen Markt gedacht, wo Stellantis noch immer leistungsstarke und kostengünstige Verbrennungsmotoren für seine Jeeps und Rams benötigt.

Auf der anderen Seite rührt sein mediales und technisches Interesse weitgehend von seiner Verbindung zu Italien her. Denn ohne Maserati und den Nettuno-V6 hätte der neue Vierzylinder wahrscheinlich nicht so viel Aufmerksamkeit erregt. Die hier verwendete Vorkammertechnologie verweist direkt auf die Arbeit rund um Maserati.

Europa schaut weg ... oder besser gesagt wartet

Während der Motor in den Modellreihen von Jeep und Ram langsam Einzug hält, gibt es noch keine offizielle Ankündigung, dass er bald nach Europa kommen wird. Das ist schon ein starkes Stück. Die angebliche Technologie wurde zum Teil von Maserati und damit von Stellantis' italienischer Ingenieurskunst inspiriert, aber die ersten Vorteile werden nun auf dem amerikanischen Markt geerntet. Auf dem alten Kontinent ist derweil nichts zu sehen.

Werbung

Diese Abwesenheit wirft natürlich Fragen auf. Ein solcher Motor könnte jedoch in mehreren zukünftigen Hybrid- oder Oberklassemodellen des Konzerns Sinn machen. Das gilt natürlich auch für Alfa Romeo, der weiterhin Leistung, Elektrifizierung und gesetzliche Auflagen miteinander in Einklang bringen muss.

Doch vorerst bleibt dieses Szenario hypothetisch. Im April 2026 ist die Realität viel einfacher: Der neue Benzinmotor Hurricane 4 Turbo beginnt seine kommerzielle Karriere fernab des europäischen Kontinents.

Werbung
YouTube #!trpst#trp-gettext data-trpgettextoriginal=7385#!trpen#Video#!trpst#/trp-gettext#!trpen#
Werbung

Gefällt dir dieser Beitrag? Teile es!

Eine Bewertung hinterlassen