
Bei der Generalversammlung 2026 von Stellantis, war der Ton ausgesprochen optimistisch. Vor den in Amsterdam versammelten Aktionären vertraten John Elkann und Antonio Filosa eine klare Linie: Nach einem katastrophalen Jahr 2025 habe die Gruppe den Grundstein für eine nachhaltige Erholung gelegt.
Aber auf Seiten der Gewerkschaften kommt die Rede nicht gut an. Denn hinter den Wachstumsversprechungen bleibt die Feststellung brutal: 2025 war ihrer Meinung nach das schlimmste Jahr in der Geschichte des Herstellers.
2025, ein von der Geschäftsleitung angenommenes schwarzes Jahr
Vor den Aktionären versuchte John Elkann nicht, die Situation herunterzuspielen. Der Vorsitzende selbst bezeichnete 2025 als «Übergangsjahr», das von einem besonders feindseligen Umfeld geprägt sei: regulatorische Unsicherheiten, geopolitische Spannungen, zunehmender Wettbewerb und Störungen in der Lieferkette.
Die Zahlen bestätigen diese kritische Phase. Der Konzern verzeichnete einen Nettoverlust von mehr als 22 Milliarden Euro, was vor allem auf hohe Wertberichtigungen und einen umfassenden strategischen «Reset» zurückzuführen ist. Ein finanzieller Schock, der von der Geschäftsleitung als unumgänglicher Schritt angenommen wurde. «Es ist ein Jahr, auf das niemand stolz sein kann», räumte Elkann ein, betonte aber, dass es «die Grundlage für eine solidere Zukunft» gelegt habe.
Ein strategischer «Reset», um die Maschine wieder in Gang zu bringen
Im Mittelpunkt der Rede der Führungskräfte stand die Idee eines umfassenden Neustarts. Antonio Filosa, der nun die operative Leitung des Konzerns innehat, fordert eine tiefgreifende strategische Wende.
Diese Neupositionierung erfolgt zunächst durch eine Neuausrichtung auf den Kunden, der als oberste Priorität dargestellt wird. Der Hersteller behauptet, er habe seine Produktpläne überarbeitet, Qualitätsprobleme behoben und sein Angebot an die Marktrealitäten angepasst. Diese Wende ist jedoch mit Kosten verbunden. Stellantis kündigte etwa 22 Milliarden Euro an Belastungen im Jahr 2025, Diese wurden als «schmerzhaft, aber notwendig» beschrieben, um den Kurs zu korrigieren und den Wert langfristig zu erhalten. Antonio Filosa betont, dass das derzeitige Management der Ansicht sei, das Unternehmen «wieder auf Kurs gebracht» zu haben, mit ersten sichtbaren Anzeichen einer Verbesserung ab der zweiten Jahreshälfte, insbesondere bei den Aufträgen und dem Cashflow.
Kurs auf 2026: Rückkehr zu Wachstum und Gewinn?
Trotz dieses schweren Erbes ist die Botschaft an die Anleger klar: Das Schlimmste läge hinter uns.
John Elkann spricht von einem «Kurswechsel» und einer effizienteren Organisation, während Antonio Filosa eine Verbesserung der Ergebnisse ab 2026 verspricht, wobei höhere Einnahmen, Margen und Cashflows erwartet werden. Der Konzern setzt auch auf eine Produktoffensive mit etwa zehn neuen Modellen, die 2025 auf den Markt kommen sollen, und eine bewusste Multi-Energie-Strategie: Verbrennungsmotor, Hybrid und Elektroantrieb, um den Kunden «die Wahl» zu lassen.
Der nächste große Termin steht bereits fest: der Investorentag am 21. Mai, an dem Stellantis seine Roadmap für die kommenden Jahre detailliert erläutern soll.
Gewerkschaften prangern eine ganz andere Realität an
Doch diese optimistische Vision wird vor allem in Italien nicht von allen geteilt. Die Gewerkschaft Fiom-Cgil reagierte nach der Versammlung prompt und erinnerte daran, dass 2025 «das schlimmste Jahr in der Geschichte von Stellantis» sei. Eine bedeutungsschwere Aussage, die in starkem Kontrast zu den offiziellen Aussagen steht.
Vor Ort wäre die Situation weiterhin besorgniserregend. Mehrere Fabriken leiden nach wie vor unter Produktionsmangel, und es wird massiv auf Kurzarbeit zurückgegriffen. Die Gewerkschaften weisen auch auf einen Mangel an Investitionen in Italien hin, im Gegensatz zu anderen Regionen wie den USA oder Nordafrika. Trotz der Einführung neuer Modelle, die als unzureichend angesehen werden, betrifft die größte Sorge die Arbeitsplätze und die industrielle Zukunft des Landes.
Zwischen dem Versprechen eines «rentablen Wachstums» und der angespannten sozialen Realität spielt der Konzern in den kommenden Monaten eine wichtige Rolle. Der Investorentag im Mai könnte ein Schlüsselmoment sein, um die Strategie zu verdeutlichen... und neben den Aktionären auch diejenigen zu überzeugen, die täglich die Fabriken am Laufen halten.