
Während die Automobilhersteller immer mehr Hybrid- und Elektroantriebe auf den Markt bringen, glauben einige italienische Ingenieure weiterhin an die Vorzüge der reinen Mechanik. Dies gilt insbesondere für’Italtecnica, das gerade seinen brandneuen V12-Saugmotor namens Orion vorgestellt hat. Mit seinen angegebenen 905 PS, einer maximalen Drehzahl von 10.200 U/min und einem Gewicht von weniger als 200 kg lässt dieser Motor keine Wünsche offen. Und vor allem könnte er durchaus seinen Platz unter der Motorhaube mehrerer künftiger außergewöhnlicher Supersportwagen finden.
Italtecnica, ein italienischer Motorenhersteller, der bereits über umfangreiche Erfahrung verfügt
Erinnern Sie sich noch an Italtecnica? Aber ja, das ist doch dieses italienische Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von Hochleistungsmotoren spezialisiert hat und dem wir unter anderem den Vierzylinder der Kimera EVO37 und EVO38, die Vorbereitung des Porsche-V8 des Nardone 928 oder auch die V6-Motoren der Modelle von Totem Automobili.


Wir haben Ihnen kürzlich auch von sein Projekt „Pegasus“, einen neuen V6-Motor. Italtecnica arbeitet aber auch an einem weiteren, besonders interessanten Projekt: dem V12 für den künftigen De Tomaso P900. Im vergangenen Februar, De Tomaso bestätigte offiziell seine Zusammenarbeit zusammen mit dem italienischen Motorenhersteller, um einen V12-Saugmotor für seinen Rennstrecken-Supersportwagen zu entwickeln.

Und genau zu diesem Thema hat Italtecnica soeben die ersten Bilder und technischen Daten seines neuen V12 Orion veröffentlicht. Ein Motor, dessen Spezifikationen stark an die erinnern, die für den De Tomaso P900, auch wenn noch einige Unterschiede bestehen.
Ein 6,8-Liter-V12-Saugmotor mit einer Leistung von über 900 PS
Dieser neue Motor mit dem Namen „Orion“ verfügt über eine V12-Architektur mit einem Zylinderwinkel von 65° und einem Hubraum von 6,8 Litern. Hier kommt weder ein Turbolader noch ein Hybridsystem zum Einsatz: Die gesamte Leistung stammt aus dem Verbrennungsmotor. In der für die Rennstrecke bestimmten Konfiguration gibt Italtecnica mehr als 900 ch bei 9.500 U/min an, wobei die maximale Drehzahl bei 10.200 U/min liegt. Das Drehmoment erreicht 800 Nm, von denen bereits ab 3.500 U/min mehr als 70 % zur Verfügung stehen. Das verspricht eine gute Elastizität im unteren Drehzahlbereich, während der explosive Charakter eines Rennmotors im oberen Drehzahlbereich erhalten bleibt.





Der Orion-Motor ist jedoch nicht nur für die Rennstrecke gedacht. Italtecnica hat zudem eine Version entwickelt, die nach der Euro-6-Norm zugelassen werden kann, mit einer Leistung von rund 850 PS bei 8.500 U/min, einem Drehmoment von über 750 Nm und einer Drehzahlbegrenzung bei 9.200 U/min. Eine interessante Besonderheit, da sie den Weg für den Einsatz dieses V12 in zukünftigen straßenzugelassenen Supersportwagen ebnet.
Eine Mechanik, die von den V12-Motoren der Formel 1 inspiriert ist
Abgesehen von den Zahlen beeindruckt vor allem die Konstruktion dieses Motors. Italtecnica hat auf Technologien zurückgegriffen, die damals bei den V12-Motoren der Formel 1 zum Einsatz kamen, insbesondere mit einer Ventilsteuerung, die vollständig über eine Zahnradkaskade und nicht über eine Kette oder einen Riemen angetrieben wird. Jede Zylinderbank verfügt über zwei obenliegende Nockenwellen und vier Titanventile pro Zylinder. Der Motor profitiert zudem von einer variablen Ventilsteuerung im Einlass- und Auslassbereich sowie von einer Trockensumpfschmierung mit einer achtstufigen Pumpe.

Ebenso beeindruckend sind die verwendeten Materialien. Der Motorblock und sein Unterbau sind aus einem Stück Aluminium gefertigt, während beim Ansaugsystem in großem Umfang Kohlefaser zum Einsatz kommt. Die geschmiedeten Pleuel und die ultraleichten Kolben mit einer reibungsmindernden Keramikbeschichtung tragen dazu bei, die beweglichen Massen zu reduzieren. Das Ergebnis: Der komplette Motor, einschließlich Ansaug- und Abgassystem, wiegt weniger als 200 kg.

Die Entwicklung des Orion trägt auch die Handschrift von Claudio Lombardi, einem berühmten italienischen Ingenieur, der unter anderem in der Formel 1 und im Rallyesport tätig war und 2025 verstorben ist. Ein Erbe, auf das Italtecnica stolz ist und mit dem das Unternehmen das Fahrgefühl und vor allem den Klang der großen V12-Saugmotoren von einst wiederbeleben möchte.
Der zukünftige Motor des De Tomaso P900?
Es fällt schwer, hier nicht den Vergleich mit dem De Tomaso P900 zu ziehen. Im Februar 2026 kündigte der Hersteller einen von Italtecnica entwickelten 7,0-Liter-V12-Saugmotor mit 900 PS bei etwa 9.500 U/min, einer maximalen Drehzahl von 10.200 U/min und einem Gewicht von weniger als 200 kg an.

Die beiden Projekte scheinen also eng miteinander verbunden zu sein, auch wenn der angekündigte Hubraum leicht voneinander abweicht. De Tomaso hat im vergangenen Juli bestätigt, dass sein V12 nach Abschluss der Konstruktionsphase nun in die Testphase auf dem Prüfstand eingetreten ist. Es bleibt abzuwarten, ob der Orion unter diesem Namen auch für andere Hersteller auf den Markt kommen wird oder ob es für den P900 eine spezielle Variante geben wird.
Denn Italtecnica will seinen neuen Motor nicht auf eine einzige Anwendung beschränken. Der Orion wird auf Bestellung gefertigt, wobei die Möglichkeit besteht, den Ansaugtrakt, die Motorsteuerung, die Auspuffanlage und sogar die optischen Details individuell anzupassen. Man kann sich also gut vorstellen, dass dieser V12 unter der Motorhaube mehrerer italienischer Supersportwagen in Kleinserien zum Einsatz kommen wird. Und in einer Zeit, in der Zwölfzylinder-Saugmotoren immer seltener werden, dürfte diese Nachricht Liebhaber schöner Motoren begeistern.
