
Auf der MIMO Milano Monza Motor Show gab es Supercars in Hülle und Fülle. Ferrari, Lamborghini, McLaren, Dallara, Porsche, handgefertigte Hypercars, Elektro-Neuheiten und außergewöhnliche Modelle versammelten sich an den Ständen und auf der Rennstrecke des Tempels der Geschwindigkeit. Doch an diesem Wochenende trug eines der am häufigsten fotografierten Autos weder ein springendes Pferd noch einen Stier. Es trug einen „Biscione“ … nun ja, fast!
Der von SGT Automobili entwickelte Alfa Romeo 55-SGT feierte in Monza sein öffentliches Debüt und zog trotz der außergewöhnlichen Konkurrenz schnell alle Blicke auf sich.
Eine Weltpremiere im Herzen des MIMO
Die Veranstalter der Messe hatten ihre Ambitionen übrigens nicht verheimlicht. Der 55-SGT stand ganz oben auf dem offiziellen Programm für Freitag, den 26. Juni, mit einer Weltpremiere, die an den Ständen der Rennstrecke organisiert wurde. Wenige Stunden später führte er die Eröffnungsparade der MIMO vor Journalisten, Gästen und Besuchern an.


Das Symbol hat es in sich. Während Ferraris, Lamborghinis, Giamaro Krafla und andere Hypercars über die Rennstrecke von Monza flitzten, führte dieser erstaunliche weiße Alfa Romeo den Zug an. Und ein Blick auf die Bilder aus dem Fahrerlager genügt, um zu verstehen, warum.
Ein wieder zum Leben erweckter 155 DTM
Der 55-SGT ist nicht einfach nur ein Umbau auf Basis eines Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio. SGT Automobili hat das Fahrzeug komplett neu konzipiert, um dem legendären Alfa Romeo 155 V6 Ti DTM Tribut zu zollen, der 1993 die deutsche Meisterschaft dominiert hatte.


In Monza springt die Verwandtschaft sofort ins Auge. Die sehr senkrechte Frontpartie, die rechteckigen Scheinwerfer, die verbreiterten Kotflügel, die weißen Felgen und der riesige Heckspoiler erinnern sofort an die Tourenwagen der 1990er Jahre. Die Karosserie aus Kohlefaser verändert die Silhouette des Giulia völlig. Von vorne hatten einige Besucher sogar Schwierigkeiten, die moderne italienische Limousine zu erkennen, die sich hinter dieser Neo-Retro-Karosserie verbirgt.


An den MIMO-Boxen drängten sich die Zuschauer mit ihren Smartphones in der Hand um das Auto. Auf der Boxengasse zog es mehr Aufmerksamkeit auf sich als viele Supersportwagen, die doch wesentlich leistungsstärker oder exklusiver waren.
Der Alfa Romeo, der Nostalgiker begeistert
Dieser Erfolg lässt sich zweifellos damit erklären, wofür der 55-SGT steht. Er würdigt nicht nur einen legendären Rennwagen, sondern erinnert auch an eine Zeit, in der Alfa Romeo Meisterschaften gewann, sich mit Mercedes und Audi messen konnte und die europäischen Rennstrecken in Aufruhr versetzte.

Unter der Motorhaube verfügt der 55-SGT weiterhin über den 2,9-Liter-V6-Biturbo-Motor des Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio, doch SGT Automobili hat sich nicht damit begnügt, die Originalmechanik einfach zu übernehmen. Es werden drei Leistungsstufen angeboten: 520 ch, 560 ch und bis zu 620 ch in der radikalsten Konfiguration, wobei bereits zukünftige Weiterentwicklungen bis zu 750 ch angekündigt wurden. Um den Geist des 155 V6 Ti DTM wieder aufleben zu lassen, verfügt der 55-SGT über einen vollständig konfigurierbaren Allradantrieb. Der Fahrer kann die Drehmomentverteilung zwischen den Achsen verändern, den Hinterradantrieb mit 80:100 bevorzugen oder sogar einen 100:100-Heckantriebsmodus wählen. Ein Torque-Vectoring-System, unabhängig einstellbare Stoßdämpfer und mehrere Motor-Mappings verwandeln das Fahrzeug in eine echte, für den Straßenverkehr zugelassene Rennmaschine.
Auch im Bereich der Aerodynamik wurde viel Arbeit investiert. Die Ingenieure versprechen dank aktiver, vom Cockpit aus gesteuerter Elemente bis zu 300 kg Anpressdruck bei hohen Geschwindigkeiten. Der imposante Heckflügel ist übrigens nicht nur eine stilistische Spielerei: Er ist eine originalgetreue Nachbildung des Flügels des 155 DTM, angepasst an die großzügigeren Abmessungen des Giulia.
Der 55-SGT, der zunächst in einer auf nur 10 Exemplare limitierten «Opening Edition» und anschließend in einer Auflage von 55 weiteren Fahrzeugen produziert wurde, kostet je nach Individualisierung zwischen 450.000 und 500.000 Euro. Ein Preis, der ihn schon vor den ersten Auslieferungen in die Welt der Oldtimer katapultiert. Und auf der legendärsten Rennstrecke Italiens, vor Ferraris, Lamborghinis und weitaus leistungsstärkeren Hypercars, ist dies vielleicht das schönste Kompliment, das ein Alfa Romeo erhalten konnte: für ein Wochenende wieder das Auto zu sein, über das alle sprachen.
