
Manchmal reicht schon ein Video auf Instagram, um einen völlig verrückten Fahrzeugumbau zu entdecken. Genau das ist uns passiert, als wir auf einen Beitrag von Lorenzo Cioni stießen, in dem er einen Abarth 500 gelb mit einer besonders muskulösen Karosserie. Doch hinter seinen überdimensionalen Kotflügeln verbirgt sich ein wahres Kraftpaket mit 350 PS, ausgestattet mit einem Motor von’Alfa Romeo 4C und einem Allradantrieb. Und vor allem eine Geschichte, die weitaus interessanter ist als ein einfacher Umbau!
Ein Abarth 500, der fast nichts mehr vom Original hat
Auf den ersten Blick fällt es schwer, die Silhouette des kleinen Fiat 500 nicht zu erkennen, der im Stil von Abarth. Dabei hat dieses Auto eine radikale Verwandlung durchlaufen. Seine Karosserie wurde auf beiden Seiten um 15 Zentimeter verbreitert, was insgesamt 30 Zentimeter mehr bedeutet! Seine XXL-Kotflügel, die Lufteinlässe und der imposante Heckdiffusor lassen sofort erkennen, worum es hier geht.



Unter der Motorhaube ist der traditionelle 1.4 T-Jet-Motor nicht mehr zu finden. Stattdessen kommt der Vierzylinder 1750 TBi zum Einsatz, der Alfa-Romeo-Fans bestens bekannt ist, da er unter anderem in der Giulietta Quadrifoglio Verde und dem Sportwagen 4C verbaut wurde. Hier leistet er nicht weniger als 350 ch!

Die eigentliche Überraschung liegt jedoch im Antriebsstrang. Dieser kleine Abarth ist nun ein Allradler mit variabler Drehmomentverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse von 50/50 bis 20/80. Zwei Sperrdifferenziale runden das Gesamtpaket ab, das mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe kombiniert ist.

Auch das Fahrwerk kommt natürlich nicht zu kurz: Es verfügt über vierfach einstellbare Öhlins-TTX-Federungen, Brembo-Bremsen mit sechs Kolben vorne und vier Kolben hinten sowie Bremsscheiben mit 355 und 330 mm Durchmesser. Hinzu kommen geschmiedete Felgen, ein Überrollbügel und eine Karosserie, bei der in großem Umfang Carbon zum Einsatz kommt. Und das Erstaunlichste daran? Diese Maschine soll für den Straßenverkehr zugelassen sein!
Bonetto B1-4WD: viel mehr als nur ein getunter Abarth
Als wir uns näher damit befassten, stellten wir fest, dass dieses Auto nicht einmal mehr offiziell den Namen Abarth trägt. Es handelt sich um den Bonetto B1-4WD, eine Kreation des italienischen Kunsthandwerkers Alessandro Bonetto. Ein Name, der uns bisher absolut nichts sagte, dessen Werdegang es jedoch verdient, näher betrachtet zu werden. Alessandro Bonetto wurde 1986 in Avigliana bei Turin geboren und wuchs in der Welt des Motorsports auf. Sein Vater Marco war Rallyefahrer und Tuner und arbeitete unter anderem mit dem berühmten Motorenkonstrukteur Virgilio Conrero zusammen.

Im Jahr 2004 wechselte Alessandro in die Rennsportabteilung von Abarth, wo er sechs Jahre lang tätig war. Im Jahr 2010 arbeitete er gemeinsam mit dem Tuner Beppe Volta an mehreren Projekten, darunter der legendäre Lancia ECV1. Nachdem er 2011 BDL Motorsport mitbegründet hatte, gründete er schließlich 2016 Bonetto CV mit dem Ziel, exklusive Sportwagen und Einzelstücke zu bauen.
Und hinter Bonetto verbirgt sich eine Verbindung zu Kimera!
Bei der Erkundung des Geländes von Bonetto stießen wir auf eine weitere Überraschung: Die Kimera EVO37 gehört zu seinen Errungenschaften! Die spektakuläre Neuinterpretation des Lancia 037 mit 505 ch verfügt sogar über ein eigenes technisches Datenblatt auf der Website des Handwerksbetriebs. Besser noch: Kimera Automobili und Italtecnica gehören offiziell zu den Partnern von Bonetto CV. Nicht zu vergessen die zahlreichen Kimera EVO37, die ihre Werkstatt durchlaufen. Das bestätigt die Verbindungen zwischen diesen italienischen Spezialisten und ihre Beteiligung an dieser Welt außergewöhnlicher Restomods.

Es bleibt noch zu klären, welche Rolle Alessandro Bonetto bei der Entwicklung des EVO37 genau gespielt hat und ob diese Zusammenarbeit auch bei den Modellen EVO38 und EVO39 fortgesetzt wurde. Eines ist sicher: Dieser erstaunliche B1-4WD hat uns einen faszinierenden italienischen Handwerker nähergebracht, dessen Know-how weit über die Tuning-Arbeiten an einem einfachen Abarth 500 hinausgeht!
