Stellantis sucht heimlich nach chinesischen Investoren... und Maserati könnte ihnen bald gehören

Dies berichten mehrere übereinstimmende Quellen, Stellantis soll diskrete Gespräche mit chinesischen Autoherstellern aufgenommen haben, um seine europäischen Aktivitäten zu stärken. Unter den Szenarien, die diskutiert werden, ist auch der Einstieg asiatischer Investoren in das Kapital einiger Marken des Konzerns. Und eine dieser Marken zieht besonders viel Aufmerksamkeit auf sich: Maserati.

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Die von Bloomberg aufgedeckte und von Reuters aufgegriffene Information verdeutlicht die strategischen Spannungen, mit denen der italienisch-französisch-amerikanische Konzern in Europa zwischen kostspieliger Energiewende, chinesischer Konkurrenz und industriellen Überkapazitäten konfrontiert ist.

Gespräche mit Xiaomi und XPeng

Den vorliegenden Informationen zufolge haben sich die Führungskräfte von Stellantis mit Vertretern mehrerer chinesischer Hersteller, darunter Xiaomi und XPeng, getroffen. Ziel dieser Gespräche wäre es gewesen, verschiedene Formen der Zusammenarbeit rund um die europäischen Aktivitäten des Konzerns zu erkunden.

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Zu den geprüften Optionen gehören direkte Investitionen in die europäischen Betriebe von Stellantis, der Zugang zu bestimmten Produktionskapazitäten auf dem Kontinent ... aber auch der Erwerb von Anteilen an bestimmten Marken.

In diesem Zusammenhang taucht der Name Maserati in den Gesprächen auf. Die Quellen sprechen von der Möglichkeit, dass chinesische Partner einen Anteil des italienischen Luxuswagenherstellers kaufen könnten - eine Aussicht, die, sollte sie sich bestätigen, einen großen Wendepunkt in der Geschichte der Marke darstellen würde.

Im Moment sind die Gespräche noch vorläufig und es gibt keine Garantie dafür, dass sie zu einer konkreten Vereinbarung führen werden. Stellantis reagierte im Übrigen vorsichtig und erklärte lediglich, dass es für einen Weltkonzern normal sei, sich regelmäßig mit verschiedenen Akteuren der Automobilindustrie auszutauschen.

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Europa als Achillesferse von Stellantis

Wenn es diese Gespräche gibt, finden sie in einem für Stellantis besonders heiklen Kontext auf dem europäischen Markt statt. Die Gruppe muss sich mit einer immer stärkeren Konkurrenz auseinandersetzen, insbesondere mit chinesischen Herstellern, die im Elektrobereich mit wettbewerbsfähigen Produkten schnell Fortschritte machen.

Gleichzeitig stellt der Übergang zu Elektrofahrzeugen eine riesige Investition dar. Stellantis kündigte kürzlich an über 22 Milliarden Euro an außergewöhnlichen Belastungen die u. a. mit der Überprüfung bestimmter Stromprojekte und der Aufgabe von Batteriefabriken zusammenhängen.

Hinzu kommt ein strukturelles Problem: die industriellen Überkapazitäten in Europa. Mehrere Fabriken produzieren heute weniger als ihr Potenzial, während die Nachfrage unsicher bleibt und der Preiskrieg tobt.

In diesem Zusammenhang kann die Idee, Industriepartner ins Boot zu holen, die zusätzliches Kapital, Technologie und Produktionsvolumen einbringen können, als pragmatische Lösung erscheinen.

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Eine strategische Chance für chinesische Hersteller

Für die chinesischen Konzerne würde eine solche Partnerschaft auch eine große strategische Chance darstellen.

Hersteller wie Xiaomi oder XPeng verfügen über einen beachtlichen Vorsprung bei bestimmten Technologien, insbesondere bei der eingebetteten Software und dem digitalen Ökosystem für Elektrofahrzeuge. Durch eine Partnerschaft mit Stellantis könnten sie ihre Präsenz in Europa beschleunigen, einem Markt, der angesichts des Preiskriegs auf dem chinesischen Markt entscheidend geworden ist.

Der Zugang zu den europäischen Werken des Konzerns wäre auch ein erheblicher Vorteil, um Handelsbarrieren zu umgehen und direkt auf dem Kontinent zu produzieren. Diese Logik ist übrigens bereits mit Leapmotor, einem Partner von Stellantis, erkennbar, der einige Modelle produzieren soll in einem Werk der Gruppe in Spanien.

Eine unterschiedliche Strategie in Europa und den USA

Diese strategischen Überlegungen verdeutlichen auch die zunehmende Divergenz zwischen den europäischen und nordamerikanischen Aktivitäten von Stellantis.

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In den USA investiert der Konzern massiv, um seine Marken wiederzubeleben und seine Produktpaletten zu erneuern. Fast 13 Milliarden US-Dollar wurden eingesetzt, um insbesondere Jeep und Ram, zwei besonders profitable Marken, zu unterstützen.

Europa hingegen erscheint heute als ein komplexerer Markt mit niedrigeren Margen, anspruchsvollen Vorschriften und intensivem Wettbewerb. Einige der untersuchten Szenarien würden sogar eine stärkere operative Trennung zwischen dem europäischen und dem amerikanischen Geschäft erwähnen, auch wenn Stellantis jegliche Idee einer Aufspaltung der Gruppe kategorisch dementiert hat.

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Erfüllt sich eine Prophezeiung von Carlos Tavares?

Diese Diskussionen spiegeln auch eine markante Aussage des ehemaligen CEO von Stellantis, Carlos Tavares, einige Monate nach seinem Ausscheiden aus dem Konzern.

Seiner Meinung nach lief Europa Gefahr, «seine Automobilindustrie an die Chinesen zu verschenken». Er beschrieb ein Szenario, in dem einige europäische Fabriken, die durch die Energiewende und den internationalen Wettbewerb geschwächt sind, schließlich von chinesischen Investoren aufgekauft werden könnten.

Der ehemalige Manager beschrieb sogar eine explosive Situation: Werksschließungen, soziale Spannungen und schließlich die Übernahme von Industrieanlagen durch asiatische Konzerne, die versprachen, die Arbeitsplätze zu erhalten.

Damals wurden diese Äußerungen als alarmierend angesehen. Die Vorstellung, dass chinesische Hersteller direkt in europäische Marken oder Industriekapazitäten investieren könnten, scheint heute jedoch weit weniger theoretisch zu sein.

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Maserati als Symbol eines möglichen Umschwungs

Sollte Maserati eines Tages sein Kapital für chinesische Investoren öffnen, wäre dies ein starkes Symbol. Die Marke mit dem Dreizack ist eine der Ikonen des italienischen Automobilbaus. Doch in den letzten Jahren war ihre kommerzielle Leistung enttäuschend, trotz der Einführung neuer Modelle und dem Bestreben, sich im Luxussegment neu zu positionieren.

In einem so großen Konzern wie Stellantis bleibt Maserati eine besondere Marke: prestigeträchtig, aber wirtschaftlich anfällig. Die Ankunft eines Partners, der Kapital und Technologie einbringen kann, könnte als Lösung erscheinen, um seine Zukunft zu sichern... oder als Zeichen einer tiefgreifenden Verschiebung des Gleichgewichts in der europäischen Automobilindustrie.

Die nächsten strategischen Ankündigungen von Stellantis, die insbesondere auf dem Investor Day der Gruppe im Mai in den USA erwartet werden, könnten mehr Klarheit darüber bringen, wohin die Gruppe tatsächlich gehen wird.

Eines ist sicher: Die Idee einer europäischen Automobilindustrie, die immer stärker mit chinesischen Herstellern verbunden ist, ist nicht mehr nur ein theoretisches Szenario. Sie steht nun im Mittelpunkt der strategischen Überlegungen der großen Konzerne.

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