
Man wusste, dass Stellantis wollte die Technologien von Leapmotor stärker nutzen. Inzwischen ist viel genauer bekannt, wie diese Zusammenarbeit funktionieren kann. Und die Erläuterungen von Zhu Jiangming, Gründer und Chef von Leapmotor, geben vor allem Aufschluss darüber, wie die industrielle Fertigung der künftigen Klein-Elektroautos von Stellantis aussehen könnte.
In einem Interview, das er am 18. September dem chinesischen Medienunternehmen gewährte Pacific Auto, erläuterte der Geschäftsführer die beiden Methoden, die den Partnerherstellern angeboten werden. Die erste ist klassisch: Leapmotor fertigt das Fahrzeug direkt in einem seiner Werke. Die zweite ist für Europa weitaus interessanter: Der Partnerhersteller behält sein Werk, aber Leapmotor liefert ihm eine Art technologischen «Bausatz», der sofort integriert werden kann.

Batterie, Elektronik, Steuergeräte, Scheinwerfer: das Leapmotor-Set
Dieses Kit beschränkt sich nicht auf eine bestimmte Plattform oder einen bestimmten Akku. Leapmotor erklärt, dass es ein Komplettpaket liefern kann, das den Akku, den elektrischen Antriebsstrang, verschiedene Steuergeräte und elektronische Regler sowie die Beleuchtungssysteme umfasst.


Die Idee ist einfach: Anstatt dass ein Hersteller seine Komponenten separat bei verschiedenen Zulieferern einkauft und diese anschließend miteinander kompatibel machen muss, bietet Leapmotor ein bereits entwickeltes und integriertes System an. Laut Zhu Jiangming lassen sich auf diese Weise etwa 120 bis 240 Euro pro Fahrzeug einsparen. Ein Betrag, der zwar bescheiden erscheinen mag, aber besonders wichtig wird, wenn es darum geht, Hunderttausende von Kleinwagen mit Elektroantrieb und geringen Gewinnspannen zu produzieren. Leapmotor gibt zudem an, dass seine Elektronik bereits von acht Automobilherstellern ausgewählt wurde. Eine Kooperation mit dem chinesischen FAW-Konzern ist sogar bereits in die Produktion gegangen.
Eine Methode, die seltsamerweise an das E-Car-Projekt in Pomigliano erinnert
Genau hier werden diese Aussagen für Stellantis besonders interessant. Denn diese zweite Methode entspricht fast genau dem, was der Konzern für seine künftigen europäischen Elektroautos benötigen könnte. Nach den Informationen, die diesen Sommer von Bloomberg, Stellantis prüft offenbar den Einsatz von Leapmotor-Technologien für seine neue Baureihe erschwinglicher Elektro-Kleinwagen, deren Produktion insbesondere in Pomigliano d’Arco in Italien geplant ist.



Allerdings ist Vorsicht geboten: Leapmotor hat nie offiziell bestätigt, am E-Car von Stellantis beteiligt zu sein. Doch die vom Geschäftsführer von Leapmotor beschriebene Vorgehensweise liefert ein weiteres Puzzleteil. Stellantis könnte theoretisch einen Fiat oder einen Citroën in seinem eigenen italienischen Werk herstellen – mit eigener Karosserie, eigenem Design und eigenen Einstellungen –, während die wesentlichen technischen Komponenten in Form eines Bausatzes von Leapmotor geliefert würden.
Opel geht bereits mit gutem Beispiel voran
Dieses Szenario wäre im Übrigen in der Beziehung zwischen den beiden Konzernen keineswegs mehr rein theoretisch. Opel bereitet bereits einen kompakten Elektro-SUV vor, der für 2028 erwartet wird, mit Komponenten aus dem Leapmotor-Technologieökosystem entwickelt und in Spanien produziert wird. Dieses Projekt soll in weniger als zwei Jahren entwickelt werden, mit dem Ziel, die Kosten und Entwicklungszeiten deutlich zu senken. Es könnte somit als Vorläufer für eine noch intensivere Zusammenarbeit bei kleineren Modellen dienen.

Für Pomigliano stünde viel auf dem Spiel. Stellantis beabsichtigt, dort ab 2028 eine neue Generation erschwinglicher Autos zu produzieren, während sich der Standort auf die Zeit nach dem aktuellen Fiat Panda und die Weiterentwicklung seines Industrieplans vorbereiten muss. Und Leapmotor hat gerade erst erläutert, wie ein Hersteller sein Werk behalten und gleichzeitig dessen Technologie in großem Umfang nutzen kann: ein vor Ort montiertes Auto, bei dem jedoch ein Teil der technischen Kernkomponenten bereits als integrierte Bauteile fertig geliefert wird.
Nun bleibt abzuwarten, ob Stellantis dieses Konzept tatsächlich bei seinen künftigen Fiat- und Citroën-E-Car-Modellen umsetzen wird. Derzeit bestätigt Bloomberg dies, Leapmotor hingegen noch nicht. Die Anleitung dazu wurde jedoch gerade veröffentlicht.