
Noch vor drei Jahren schien der Weg klar vorgezeichnet zu sein. Mit das 2023 vorgestellte Konzept „Lanzador“, Lamborghini bereitete sein erstes Elektroauto 100 % vor, einen viersitzigen GT, der mit mehr als 1.300 ch angekündigt wurde. Doch seitdem hat sich der Markt verändert, und vor allem haben die Kunden aus Sant’Agata Bolognese ihre Meinung deutlich gemacht. Lamborghini hat daher eine radikale Entscheidung getroffen: den Elektro-Motor 100 % aufzugeben und zu einem Plug-in-Hybrid-Konzept zurückzukehren, das den V8- und V12-Motoren näherkommt, die heute den Erfolg der Marke ausmachen. Und wenn man Stephan Winkelmann, dem CEO von Lamborghini, Glauben schenkt, bedauern die Kunden diesen Kurswechsel keineswegs.
«Sie freuen sich sehr über diese Entscheidung»
Bei einem Interview während der Monterey Car Week ging Stephan Winkelmann direkt auf die Umgestaltung des Lanzador-Projekts ein: «Wir haben beschlossen, den Lanzador von einem reinen Elektroauto auf einen Plug-in-Hybrid umzustellen, und das wurde von den Kunden sehr gut angenommen. Sie sind sehr zufrieden damit», erklärt der Geschäftsführer.
Eine besonders interessante Äußerung, wenige Monate nach seinen sehr zurückhaltenden Stellungnahmen zum Thema Elektroauto. Winkelmann erklärte bereits damals, dass Innovation hätte keinen Sinn, wenn die Kunden nicht bereit wären und war der Ansicht, dass eine Supersportwagenmarke ging ein «großes Risiko» ein» indem es die Vibrationen, den Klang und die mechanischen Eindrücke beseitigt, an denen seine Kundschaft nach wie vor festhält. Diesmal erhält Lamborghini offenbar konkretes Feedback: Als das Unternehmen seinen Kunden mitteilt, dass sein zukünftiger GT doch nicht elektrisch sein wird, ist die Reaktion positiv.
Lamborghini hat mit den V8- und V12-PHEVs bereits sein Erfolgsrezept gefunden
Diese Kehrtwende bedeutet natürlich keine Rückkehr zum reinen Verbrennungsmotor. Lamborghini setzt nun voll und ganz auf Plug-in-Hybride. Die Revuelto kombiniert somit seinen spektakulären V12-Saugmotor mit Elektromotoren, während die Temerario kombiniert einen V8-Biturbo, der bis zu 10.000 U/min erreicht, mit seinem Hybridsystem. Der’Urus Auch der SE verfügt über einen elektrifizierten V8-Biturbo.

Mit anderen Worten: Lamborghini gibt die Elektrifizierung nicht auf. Vielmehr will die Marke diese nutzen, um ihre Verbrennungsmotoren zu stärken, anstatt sie zu ersetzen. Genau diese Philosophie dürfte künftig maßgeblich sein das vierte Modell, das voraussichtlich um das Jahr 2028 herum auf den Markt kommen wird.
Welcher Motor für den zukünftigen Lanzador?
Eine wichtige Unbekannte bleibt jedoch bestehen: Lamborghini hat die endgültige Motorisierung dieses zukünftigen Plug-in-Hybrid-GTs noch nicht bekannt gegeben. Das elektrifizierte V12-System des Revuelto oder der V8 des Temerario mögen zwar verlockend erscheinen, doch ihre Integration in einen viersitzigen GT würde eine angepasste Architektur erfordern. Ein weiterer Ansatz wäre der Einsatz einer Weiterentwicklung des 4,0-Liter-V8-Biturbo-Hybridmotors aus dem Urus SE, der sich besonders gut für ein Fahrzeug eignet, das höher und vielseitiger ist als die Supersportwagen der Marke.
Bislang ist noch nichts bestätigt. Eines wird jedoch immer deutlicher: Lamborghini hatte sich vorgestellt, dass seine nächste Revolution ein rein elektrisches Auto sein würde. Seine Kunden scheinen jedoch eine andere Revolution zu bevorzugen – eine, bei der der Elektroantrieb zwar weiterhin eine Rolle spielt, aber den Klang und den Charakter eines Verbrennungsmotors ergänzt.
