Ferrari ist mittlerweile mehr wert als Volkswagen, Stellantis und Renault zusammen

Ferrari spielt definitiv nicht in derselben Liga wie die anderen Automobilhersteller. Mit einer Marktkapitalisierung von 66,5 Milliarden Euro ist die Marke aus Maranello mittlerweile mehr wert als Volkswagen, Stellantis und Renault vereint. Ein eindrucksvolles Paradoxon, das sowohl die Stärke des „Cheval cabré“ als auch die Schwierigkeiten der europäischen Automobilindustrie verdeutlicht.

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Dieser Vergleich hat etwas fast Unwirkliches an sich. Auf der einen Seite stehen Volkswagen, Stellantis und Renault – drei Industriegiganten, die jedes Jahr Millionen von Fahrzeugen produzieren, Hunderttausende von Mitarbeitern beschäftigen und Dutzende von Werken weltweit besitzen. Auf der anderen Seite steht Ferrari, ein Automobilhersteller, der kaum mehr als 13.000 Autos pro Jahr verkauft.

Und doch ist es an der Börse gerade der kleine italienische Automobilhersteller, der die Nase vorn hat. Nach den am 5. November 2026 erfassten Marktkapitalisierungen weist Ferrari eine Bewertung von 66,5 Milliarden Euro, gegenüber 36,2 Milliarden bei Volkswagen, 12,1 Milliarden bei Stellantis und 8,3 Milliarden bei Renault. Zusammen erreichen diese drei Konzerne somit nur 56,6 Milliarden Euro, also fast 10 Milliarden weniger als Ferrari.

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Illustration Italpassion

Ferrari – oder die Kunst, mit weniger Verkäufen mehr zu verdienen

Wie lässt sich eine solche Diskrepanz erklären? Die Antwort liegt zum großen Teil in der das ganz besondere Geschäftsmodell von Ferrari. Während allgemeine Automobilhersteller bestrebt sind, immer mehr Autos zu produzieren, um ihre Investitionen rentabel zu machen, verfolgt Ferrari genau das Gegenteil: Seltenheit, Exklusivität und außergewöhnliche Gewinnspannen.

Ferrari-Auslieferungen nach Region

Die jüngsten Finanzergebnisse des italienischen Herstellers veranschaulichen diese Strategie perfekt. In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 lieferte Ferrari 10.170 Fahrzeuge aus, das sind 318 weniger als im Vorjahr. Dennoch stieg der Umsatz im dritten Quartal um 6,3 % auf 5,68 Milliarden Euro, während der Nettogewinn 1,31 Milliarden Euro erreichte. Noch beeindruckender ist, Die operative Marge belief sich auf 30,2 %. Mit anderen Worten: Ferrari erzielt pro 100 Euro Umsatz ein Betriebsergebnis von mehr als 30 Euro.

Der Aufstieg besonders exklusiver Modelle wie der F80, ebenso wie die zahlreichen Anpassungsmöglichkeiten, tragen zu dieser außergewöhnlichen Rentabilität bei.

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Unterdessen geben die europäischen Giganten Anlass zur Sorge

Dass Ferrari die Investoren begeistert, liegt auch daran, dass seine allgemeinen Wettbewerber gerade eine besonders schwierige Phase durchlaufen.

Stellantis ist eines der eindrucksvollsten Beispiele dafür. Nach Angaben von Reuters hat der Konzern seit Anfang 2026 mehr als 56 % seines Börsenwerts verloren und seit seinem Höchststand im März 2024 mehr als 84 %.

Renault ist trotz seiner betrieblichen Erholung und der Einführung vielversprechender Modelle wie des elektrischen Renault 5 weiterhin unterbewertet.

Was Volkswagen betrifft, so muss der deutsche Automobilhersteller erhebliche Investitionen in die Elektrifizierung bewältigen, während seine Margen unter Druck stehen.

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Zu diesen Schwierigkeiten kommt noch die chinesische Konkurrenz hinzu, die zu einem der Hauptanliegen der europäischen Industrieunternehmen geworden ist. François Provost, Generaldirektor von Renault, schätzt insbesondere, dass die chinesischen Hersteller bei den nach Europa exportierten Fahrzeugen von um 30 bis 40 % niedrigeren Produktionskosten profitieren.

Ist Ferrari eher ein Luxusunternehmen als ein Automobilhersteller geworden?

Das ist letztlich die Frage, die dieser Vergleich aufwirft. An der Börse wird Ferrari eher aufgrund der Stärke seiner Marke, seiner Exklusivität und seiner Fähigkeit, Gewinne zu erwirtschaften, höher bewertet als aufgrund der Anzahl der produzierten Fahrzeuge.

Allerdings ist zu beachten: Diese Marktkapitalisierung bedeutet nicht, dass Ferrari über mehr Werke, Vermögenswerte oder Ressourcen verfügt als die drei Konzerne zusammen. Sie spiegelt in erster Linie die Erwartungen der Anleger wider.

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