Stellantis legt sein Werk für sieben Tage still, weil sich «die Produktion verdoppelt hat» … nur dass die Arbeiter Entlassungen befürchten

In Mirafiori läuft der Zähler weiter. Drei Tage Ausfallzeit, dann sechs, und seit Anfang September sind es nun sieben. Stellantis hat soeben einen weiteren Produktionsstillstand für Montag, den 21. September, in seinem traditionsreichen Werk in Turin angekündigt, wo die Fiat 500 als Elektro- und Hybridmodell.

Werbung

Und das Paradoxon lässt sich immer schwerer ignorieren. Seit Anfang des Monats begründet Stellantis diese Produktionsunterbrechungen insbesondere mit Lieferengpässen bei Motorkomponenten, während die Nachfrage nach dem 500 Hybrid die Kapazitäten einiger Zulieferer übersteigen soll. Einige Tage später lobte Emanuele Cappellano, Geschäftsführer von Stellantis Europe, sogar die «erwartete Verdopplung der Produktion in Mirafiori im Jahr 2026». Ein Anstieg, der auf dem Papier durchaus real ist. Doch die Gewerkschaften lässt das keineswegs beruhigt zurück.

Eine verdoppelte Produktion … allerdings im Vergleich zu einem katastrophalen Jahr 2025

Letztendlich ist alles eine Frage des Vergleichsmaßstabs. Im Jahr 2025 wurden etwa 30.000 Exemplare des elektrischen Fiat 500 verkauft. Die Einführung des Fiat 500 Hybrid sollte daher in Mirafiori eine völlig neue Größenordnung ermöglichen. Anfangs waren die Erwartungen besonders hoch. Das Ziel von Jährlich werden 100.000 Fiat 500 produziert war bereits ins Spiel gebracht worden, und kurz zuvor war sogar die Zahl von 120.000 Einheiten genannt worden. Mit dem Hybridmodell als Ergänzung zum Elektroauto sollte Mirafiori endlich wieder hohe Stückzahlen erreichen.

Werbung

Seit dem Produktionsstart des 500 Hybrid Ende 2025 wurden die Prognosen jedoch nach und nach nach unten korrigiert. Von 100.000 Fahrzeugen sanken die Schätzungen zunächst auf rund 90.000, dann auf 80.000. Mittlerweile rechnet Stellantis eher mit etwa 60.000 Fahrzeugen. Hier kommt die berühmte «Verdopplung» voll zum Tragen. Im Vergleich zu den sehr geringen Stückzahlen im Jahr 2025 dürfte die Produktion 2026 tatsächlich etwa doppelt so hoch ausfallen. Sie würde jedoch weit hinter den ursprünglichen Zielen zurückbleiben. Die Fiom fasst die Situation zusammen: «Ihrer Meinung nach bestand das Ziel darin, die Mengen zu vervierfachen und nicht nur zu verdoppeln.».

«Sie spielen mit Worten»

Für Edi Lazzi, Generalsekretär der Fiom aus Turin und Gianni Mannori, Gewerkschaftsvertreter in Mirafiori, ist die erneute Schließung am 21. September daher von besonderer symbolischer Bedeutung. «Wieder einmal wird mit Worten gespielt, während man eigentlich konkrete Lösungen finden müsste», kritisieren sie und sind der Ansicht, dass Stellantis versucht, eine industrielle Situation als Erfolg darzustellen, die ihrer Meinung nach nach wie vor sehr besorgniserregend ist.

Die Fim Cisl kommt zu dem gleichen Ergebnis. Der Leiter des Automobilbereichs, Igor Albera, ist der Ansicht, dass diese erneute Produktionsunterbrechung «bestätigt, wie anfällig die Produktionskontinuität des Werks ist», und verweist auf unzureichende Stückzahlen, um die Produktionslinien voll auszulasten. Die gleiche Besorgnis herrscht auch seitens der’UILM, der der Ansicht ist, dass die wiederholten Betriebsstillstände sich direkt auf die Einkommen der Beschäftigten auswirken und mittlerweile zu Unsicherheit hinsichtlich der Arbeitsplätze führen.

Werbung

Über 400 Neueinstellungen … und nun die Angst um die Arbeitsplätze

Das ist wahrscheinlich der beunruhigendste Punkt. Anfang des Jahres 2026, mehr als 400 Neueinstellungen waren vorgenommen worden, um den Hochlauf der Produktion des Fiat 500 Hybrid zu begleiten. Diese Neueinstellungen waren bei einem Werk, das 100.000 Fahrzeuge oder mehr anstrebt, sinnvoll. Weitaus weniger sinnvoll wären sie, sollte Mirafiori das Jahr letztendlich mit rund 60.000 Einheiten abschließen. Die Gewerkschaften befürchten daher nun, dass einige Verträge in den kommenden Monaten nicht verlängert werden. Was eigentlich das Jahr des Neustarts für Mirafiori werden sollte, könnte somit mit neuen Sorgen um die Arbeitsplätze enden.

Und der Zeitplan für September trägt nicht gerade dazu bei, die Beschäftigten zu beruhigen. Nach einer auf vier Wochen verlängerten Sommerpause nahm das Werk den Betrieb wieder auf, bevor es fast unmittelbar darauf zu weiteren Unterbrechungen kam. Mit der Unterbrechung am Montag, dem 21. September, sind seit Monatsbeginn bereits sieben Produktionstage verloren gegangen.

Und was kommt nach dem Fiat 500 Hybrid?

Vor allem bleibt eine Frage offen, auf die Stellantis bislang keine klare Antwort gegeben hat: Wie lassen sich die Produktionszahlen in Mirafiori nachhaltig steigern? Die Gewerkschaften fordern seit Monaten, dass dem Werk ein zweites Modell zugewiesen wird. Ihrer Ansicht nach reichen der Fiat 500 Hybrid und der Fiat 500 E nicht aus, um eine ausreichende Auslastung bis zur Einführung der nächsten 500er-Generation zu gewährleisten, die nicht vor 2030 erwartet wird.

Bislang scheint jedoch kein zweites Modell geplant zu sein. Stellantis kann sich daher faktisch darüber freuen, dass sich die Produktion in Mirafiori bis 2026 voraussichtlich verdoppeln wird. Doch nach drei Tagen Stillstand, dann sechs und nun bereits sieben allein im September, achten die Arbeiter weniger auf die prozentuale Steigerung als vielmehr auf die stillstehenden Fertigungsstraßen. Und vor allem fragen sie sich nun, wie viele von ihnen noch da sein werden, wenn die Produktion wieder anlaufen soll.

Werbung
Werbung

Gefällt dir dieser Beitrag? Teile es!

Eine Bewertung hinterlassen