Die Gewerkschaften warnen: «Entweder kommen die Chinesen, oder Stellantis muss Werke schließen.»

Während Antonio Filosa seine Vision für die Welt ausführlich darlegte, versucht Stellantis, in Italien für Beruhigung zu sorgen. Der Konzern bestätigte einen Investitionsplan in Höhe von 5 Milliarden Euro auf der Halbinsel und versprach, dass kein Werk geschlossen werde und jeder Standort eine spezifische Aufgabe behalten werde. Doch bei den Gewerkschaften stößt diese Argumentation immer weniger auf Gegenliebe. In Turin sind die Arbeitnehmervertreter der Ansicht, dass die Ankündigungen nach wie vor keine Antwort auf die entscheidende Frage geben: Wie sollen die italienischen Werke ausgelastet werden, während die Automobilproduktion weiter einbricht?

Werbung

Ein 5-Milliarden-Euro-Plan, der nicht überzeugt

Bei einem Treffen mit den Gewerkschaften bekräftigte Emanuele Cappellano, Geschäftsführer von Stellantis Europe, das Engagement des Konzerns für Italien. Ihm zufolge werden 40 % der weltweiten Investitionen von Stellantis in die Region Europa fließen, wobei bis 2030 ein Umsatzwachstum von 15 % angestrebt wird. Für Italien bedeutet dies insbesondere Investitionen in Höhe von 5 Milliarden Euro in den Bereich Innovation.

Emanuele Cappellano, Direktor Stellantis Europa

Der Geschäftsführer bekräftigte zudem, dass keinem italienischen Standort die Schließung drohe. Pomigliano werde ein Zentrum für erschwingliche Elektrofahrzeuge bleiben, Atessa für Nutzfahrzeuge, während Mirafiori zu einem Zentrum für industrielle Innovation rund um den Fiat 500, Batterien und die Kreislaufwirtschaft werden solle. Auf dem Papier soll diese Botschaft beruhigend wirken: Stellantis kehrt Italien nicht den Rücken zu. Dennoch werfen die Gewerkschaften dem Hersteller vor, mehr über Innovation als über die Automobilproduktion zu sprechen.

Werbung

Mirafiori im Mittelpunkt der Sorgen

In Turin sind die Spannungen am größten. Mirafiori, die historische Wiege von Fiat, durchlebt seit mehreren Jahren eine schwierige Phase. Zwar soll die Einführung des Fiat 500 Hybrid zu einer Steigerung der Produktionszahlen führen, und Stellantis kündigt die Eröffnung eines neuen Zentrums für Batterien bis 2027 an. Doch für die Gewerkschaften reicht das nicht aus.

Luigi Paone, Leiter der UILM in Turin, ist der Ansicht, dass das Werk neue Modelle benötigt, um wieder ein zufriedenstellendes Produktionsniveau zu erreichen. Seiner Meinung nach wird der 500 Hybrid allein weder ausreichen, um die Produktionslinien voll auszulasten, noch den zahlreichen Zulieferern, die von Mirafiori abhängig sind, neuen Auftrieb zu geben. Ähnlich äußert sich auch die FIM-CISL, die der Ansicht ist, dass die Bestätigung bereits bekannter Projekte keine stabile Zukunft für den Standort garantiert. Die Gewerkschaftsvertreter erwarten nun einen echten Industrieplan, der den Trend umkehren kann.

«Der Filosa-Effekt ist bereits vorbei»

Die schärfste Kritik kommt jedoch von der CGIL. Ihr Regionalsekretär, Giorgio Airaudo, hat kein Blatt vor den Mund genommen. Seiner Meinung nach ist «die Zeit der Ankündigungen vorbei», und die Zahlen sprechen für sich. Für den Gewerkschafter ist eine Produktion von weniger als 300.000 Autos pro Jahr in vier italienischen Werken langfristig schlichtweg nicht tragfähig.

Werbung
Giorgio Airaudo, CGIL-Sekretär

«Entweder kommen die Chinesen, oder Stellantis muss Werke schließen», erklärte er. Dieser Satz allein fasst die Debatte zusammen, die derzeit die italienische Automobilindustrie bewegt. Seit mehreren Monaten spricht die italienische Regierung regelmäßig von der Möglichkeit, einen zweiten Automobilhersteller ins Land zu holen, um die Abhängigkeit von Stellantis zu verringern. Dabei wurden mehrere chinesische Konzerne ins Spiel gebracht, ohne dass sich bislang ein konkretes Projekt konkretisiert hätte.

Giorgio Airaudo ist sogar der Ansicht, dass Italien gegenüber Spanien ins Hintertreffen geraten ist, da es diesem Land gelungen ist, mehr Industrieinvestitionen anzuziehen. Er führt insbesondere das Beispiel von Leapmotor an, der chinesischen Partnermarke von Stellantis, deren für den europäischen Markt bestimmte Fahrzeuge in Spanien und nicht in Italien produziert werden.

Die Zahlen

Diese Aussagen erhalten eine besondere Bedeutung, wenn man sie mit den zu Jahresbeginn veröffentlichten Produktionszahlen in Verbindung bringt. Im Jahr 2025 hat Stellantis in Italien nur 213.706 Autos montiert – ein historischer Tiefstand. Man muss bis ins Jahr 1955 zurückgehen was zu einem Rückgang der Automobilproduktion im Land führen würde.

Mirafiori ist zwar der einzige Standort, der im vergangenen Jahr dank der Hochlaufphase des Fiat 500 Hybrid Zuwächse verzeichnen konnte. Doch selbst mit dem ehrgeizigen Ziel von 100.000 Einheiten pro Jahr würde das Werk noch weit hinter der Schwelle von 200.000 Fahrzeugen zurückbleiben, die einige Gewerkschaften als notwendig erachten, um seinen Fortbestand zu sichern. Für die CGIL ist das Problem klar: Stellantis kündigt weltweit 60 neue Modelle bis 2030 an, doch keines davon scheint derzeit in der Lage zu sein, die Situation in Mirafiori grundlegend zu verändern.

Werbung
Werbung

Gefällt dir dieser Beitrag? Teile es!

Eine Bewertung hinterlassen