
Sechs Monate des Jahres 2026 sind bereits vergangen. Es ist nun etwas mehr als ein Jahr her, dass Antonio Filosa die Leitung von Stellantis übernommen hat, und mehr als ein Jahr, dass Fiat hat mit der Auslieferung seines Fiat Grande Panda, und seit etwa sechs Monaten ist die neue Fiat 500 Hybrid ist nun auf dem Markt erhältlich. Der Zeitpunkt ist daher ideal, um eine erste weltweite Bilanz der italienischen Marke zu ziehen.
Und das Bild ist gemischt: Fiat erholt sich auf mehreren wichtigen Märkten, insbesondere dank des Grande Panda, doch bei einigen Modellen gibt es bereits Bedenken.
Brasilien: nach wie vor das Reich von Fiat
Wie so oft beginnen wir mit Brasilien, dem weltweit größten Markt für Fiat. Ein Land, das Antonio Filosa übrigens besonders gut kennt, da er dort zwischen 2006 und 2023 einen Großteil seiner Karriere verbracht und nach und nach alle Karrierestufen erklommen hat.
Der Monat Juni 2026 war mit 49.080 Zulassungen sehr stark. Das ist zwar kein absoluter Rekord, aber damit liegt Fiat im oberen Bereich seiner jüngsten Ergebnisse, vor allem mit fast 8.000 zusätzlichen Fahrzeugen im Vergleich zum Juni 2025.
Im gesamten ersten Halbjahr 2026 verzeichnete Fiat somit 270.946 Zulassungen, gegenüber 241.428 im Vorjahr. Das entspricht einem Anstieg von 12 %. Es ist schwer vorherzusagen, wie das Jahr ausgehen wird, doch sollte sich diese Dynamik fortsetzen, könnte Fiat im Jahr 2026 in Brasilien die Marke von 600.000 Zulassungen erreichen. Ein beeindruckendes Volumen, das die Solidität der lokalen Strategie mit einer umfassenden und auf den Markt abgestimmten Modellpalette bestätigt. Die nächste Herausforderung wird jedoch interessant sein: die Einführung des Fiat Grande Panda, eines Modells, das in erster Linie für Europa konzipiert wurde. Es bleibt abzuwarten, ob das Konzept auch auf der anderen Seite des Atlantiks ebenso gut funktionieren wird.
Italien: Endlich ein Neuanfang dank der „Grande Panda“
Italien bleibt für Fiat der zweitgrößte Markt weltweit und vor allem der symbolträchtigste. Nach mehreren schwierigen Jahren entwickeln sich die Zahlen endlich wieder in die richtige Richtung.
Im Juni 2026 hat Fiat 14.016 Pkw zugelassen, gegenüber 11.023 im Juni 2025. Im gesamten Halbjahr erreichte die Marke 106.629 Zulassungen gegenüber 82.466 im Vorjahr, was einem Anstieg von 29 % entspricht. Und es kommt noch besser: Fiat schneidet besser ab als in den Jahren 2024 und 2023. Schließlich verzeichnet die Marke auch auf dem heimischen Markt Zuwächse.
Bei genauerer Betrachtung der Zahlen zeigt sich jedoch, dass die Situation komplexer ist. Der klassische Fiat Panda bleibt mit 62.852 Einheiten die Verkaufsnummer 1. Mit anderen Worten: Der alte Panda macht immer noch mehr als die Hälfte der italienischen Fiat-Verkäufe aus. Das ist natürlich eine hervorragende Nachricht für das Werk in Termoli, das weiterhin die GSE-Motoren produziert, zeigt aber auch, vor welch einer immensen Herausforderung sein Nachfolger steht.
Die positive Überraschung kommt vom Grande Panda. Mit 23.011 Zulassungen belegt er in seinem Segment den dritten Platz hinter dem Jeep Avenger (ein weiteres Modell von Stellantis). Ein ermutigendes Ergebnis nach nur einem Jahr auf dem Markt. Allerdings entfallen nur 1.169 Exemplare auf die Elektroversion.
Danach wird es komplizierter. Der Fiat 600 landet mit 9.458 Einheiten, davon 602 Elektrofahrzeuge, nur auf Platz 27. Für ein Modell, das 2023 auf den Markt kam und den Aufschwung von Fiat in Europa vorantreiben sollte, ist das Ergebnis eher durchwachsen. Was den Fiat 500 betrifft, fällt die Bilanz noch schlechter aus: Er taucht nicht einmal in den italienischen Top 50 auf. Das bedeutet weniger als 5.400 Zulassungen in sechs Monaten. Bekannt ist lediglich, dass die Elektroversion 764 Einheiten ausmacht. Man muss es so sagen: In Italien ist das ein Misserfolg.
Der Vergleich ist umso interessanter, als der Leapmotor T03, ein kleines chinesisches Elektroauto, das zu einem äußerst günstigen Preis auf den Markt gebracht wurde, 21.841 Zulassungen verzeichnen konnte. Ein wichtiger Indikator für den künftigen Panda Electric: In Italien scheint der Preis der entscheidende Faktor zu sein.
Argentinien: Zurück zur Normalität nach der Euphorie
Argentinien, der drittgrößte Markt von Fiat, verzeichnet nach wie vor gute Absatzzahlen, doch die außergewöhnliche Phase des Jahres 2025 scheint vorbei zu sein.
Im Juni 2026 wurden 4.413 Fiat-Pkw zugelassen, gegenüber 7.201 im Juni 2025. Im ersten Halbjahr erreichte die Marke 33.054 Einheiten, was einem Rückgang von 22 % gegenüber den 42.332 Zulassungen im ersten Halbjahr 2025 entspricht. Der Fiat Cronos bleibt weiterhin das Flaggschiffmodell der Marke im Land.
Türkei: Wie sieht die Zukunft nach dem Tipo aus?
Lange Zeit war die Türkei der drittgrößte Markt von Fiat weltweit, vor allem dank des Tipo. Doch Jahr für Jahr scheint dieser Markt nach und nach vernachlässigt worden zu sein. Während der Tipo in Europa bereits vom Markt genommen worden war, setzte er seine Karriere vor Ort fort. Nun wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen, da die Produktion am 30. Juni 2026 offiziell eingestellt wurde.
Fiat verzeichnete dennoch einen sehr guten Juni mit 6.534 Zulassungen, was wahrscheinlich auf das Auslaufen des Modells zurückzuführen ist. Im ersten Halbjahr 2026 erreichte die Marke 24.135 Fahrzeuge gegenüber 33.068 im Vorjahr. Es wird interessant sein, die weitere Entwicklung zu beobachten. Fiat dürfte seine Tipo-Lagerbestände noch abbauen, während der Grande Panda nun auf den Markt kommt, wahrscheinlich aus der algerischen Produktion.
Deutschland: Der elektrische „Grande Panda“ findet sein Publikum
Auch in Deutschland erholt sich Fiat wieder: Im ersten Halbjahr 2026 wurden 16.601 Neuzulassungen verzeichnet, gegenüber nur 8.663 im Vorjahr. Der Anstieg ist deutlich, auch wenn die Marke noch immer unter dem Niveau von 2023 liegt, als sie mehr als 19.000 Einheiten verzeichnete.
Im Einzelnen:
- Fiat 500: 7.547 Fahrzeuge (davon 2.390 Hybridfahrzeuge)
- Fiat Grande Panda: 4.562 Fahrzeuge (davon 2.095 Elektrofahrzeuge)
- Fiat 600: 2.690 Fahrzeuge (davon 202 Elektrofahrzeuge)
- Fiat Panda: 1.116 Fahrzeuge
Zwei interessante Erkenntnisse: Jeder dritte Fiat 500 wird mittlerweile als Hybrid verkauft, während fast jeder zweite Grande Panda ein Elektroauto ist. Dagegen tut sich der Fiat 600 – genau wie in Italien – schwer, die Käufer zu überzeugen. Zu teuer? Zu wenig «Dolce Vita»? Es scheint sich ein Positionierungsproblem abzuzeichnen.
Frankreich: Fiat erholt sich, hat aber noch nicht wieder das vorherige Niveau erreicht
In Frankreich zeigt sich ein ähnlicher Trend. Nach mehreren schwierigen Jahren verzeichnet Fiat im ersten Halbjahr 2026 einen Anstieg auf 16.471 Zulassungen, gegenüber 9.738 im Vorjahr. Aber Vorsicht: Die Marke ist noch weit von den über 20.000 Einheiten entfernt, die 2023 und 2024 erzielt wurden. Man wird wahrscheinlich bis 2027 warten müssen, um zu sehen, ob Fiat tatsächlich wieder zu seiner alten Form zurückfindet.
Im Einzelnen:
- Fiat Panda: 2.870 Einheiten
- Fiat 500: 2.423 Fahrzeuge (davon 1.708 Elektrofahrzeuge)
- Fiat Grande Panda: 2.368 Fahrzeuge (davon 1.621 Elektrofahrzeuge)
- Fiat 600: 1.144 Fahrzeuge (davon 956 Elektrofahrzeuge)
- Fiat Tipo: 275 Fahrzeuge
Die Zahlen ähneln stark denen aus Deutschland, mit einem bemerkenswerten Unterschied: Die Deutschen kaufen mehr Fiat 500, während die Franzosen dem Panda treu bleiben.
Spanien: Ein fast unsichtbarer Anstieg
In Spanien fällt die Bilanz weitaus weniger spektakulär aus. Fiat verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 6.829 Zulassungen gegenüber 6.536 im Jahr 2025. Angesichts der Markteinführung des Grande Panda und des Fiat 500 Hybrid hätte man sich mehr erhoffen können.
Die Verteilung ist überraschend:
- Fiat 600: 2.805 Fahrzeuge
- Fiat 500: 1.640 Einheiten
- Fiat Grande Panda: 1.427 Einheiten
- Fiat Panda: 851 Einheiten
- Fiat Tipo: 104 Fahrzeuge
Im Gegensatz zu anderen Ländern dominiert somit der Fiat 600 die Modellpalette. Allerdings verzeichnet er im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang von etwa 30 %. Letztendlich ist es der Grande Panda, der diesen Rückgang ausgleicht.
Großbritannien: Fiat von der chinesischen Welle überrollt
Das Vereinigte Königreich bleibt ein Schwachpunkt. Fiat verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 nur 3.748 Zulassungen, gegenüber 6.136 im Jahr 2025, 8.647 im Jahr 2024 und mehr als 10.000 im Jahr 2023.
Die Marke hat auf einem Markt, auf dem chinesische Hersteller sehr schnell an Boden gewinnen, stark zu kämpfen. Zum Vergleich: BYD verzeichnet bereits 37.795 Zulassungen, Jaecoo 34.067, Omoda 18.761 und Chery 17.979. Das ist natürlich keine Entschuldigung, zeigt aber, wie schnell sich der britische Markt verändert.
Japan: Die Liebe der Italienerinnen reicht nicht mehr aus
Regelmäßige Leser von Italpassion wissen es: Japan liebt italienische Autos, vor allem wegen ihres Stils und der Emotionen, die sie wecken. Doch diese Begeisterung spiegelt sich nicht mehr in den Zahlen wider.
Fiat verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 1.561 Zulassungen gegenüber 1.856 im Jahr 2025, 2.199 im Jahr 2024 und 2.377 im Jahr 2023. Der Trend ist eindeutig: Das aktuelle Angebot scheint den Erwartungen des japanischen Marktes nicht mehr zu entsprechen.
USA: Fiat bleibt weiterhin hartnäckig
In den Vereinigten Staaten verfolgt Fiat eine Strategie, die schwer nachzuvollziehen ist. Olivier François, CEO von Fiat, hat stets seinen Wunsch bekundet, die Marke auf dem nordamerikanischen Markt zum Erfolg zu führen.
Heute stützt sich das Angebot im Wesentlichen auf den elektrischen Fiat 500, der nun durch den kleinen Topolino ergänzt wird, dessen erste Auslieferungen gerade begonnen haben. Das Ergebnis: 237 Zulassungen in sechs Monaten. Es ist schwer vorstellbar, dass sich die Marketingmaßnahmen finanziell auszahlen, doch die USA scheinen weiterhin Fiats kleines „schuldiges Vergnügen“ zu bleiben.
Fazit: Fortschritte, aber noch viele offene Fragen
Die Bilanz des ersten Halbjahres 2026 ist für Fiat ermutigend, muss jedoch relativiert werden.
In Lateinamerika funktioniert die Strategie hervorragend. Das Sortiment ist gut abgestimmt, die Absatzzahlen steigen, und in Brasilien könnte die Zahl der verkauften Einheiten im Jahr 2026 die 600.000er-Marke erreichen.
In Europa ist die Lage etwas prekärer. Der Grande Panda verzeichnet einen sehr guten Start, insbesondere in Italien, wo Fiat jedoch nach wie vor stark vom alten Panda abhängig ist. Das Beispiel von Leapmotor zeigt zudem, dass ein kleines, erschwingliches Elektroauto unter 15.000 € eine echte Chance sein könnte. Vorausgesetzt, man gibt den Hybrid nicht zu schnell auf, da sich sonst die Verkaufszahlen halbieren würden.
Der Fiat 600 hingegen scheint einer Überarbeitung zu bedürfen. Das Potenzial ist vorhanden, aber es fehlt wahrscheinlich entweder eine bessere Preis- und Motorisierungsstrategie oder mehr Emotionalität im Design und im Innenraum.
Was den Fiat 500 betrifft, so wird seine Zukunft wahrscheinlich in einer günstigeren Elektroversion mit größerer Reichweite liegen. Das italienische Werk in Mirafiori hat leider weiterhin Grund zur Sorge – die Zeiten, in denen dort jährlich 180.000 Fiat 500 produziert wurden, sind längst vorbei.
Es wäre jedoch verfrüht, diese positiveren Ergebnisse in Europa Antonio Filosa zuzuschreiben. Der Fiat Grande Panda, der Fiat 600 oder auch der Fiat 500 Hybrid sind Projekte, die noch aus der Ära von Carlos Tavares stammen. Eine echte Bilanz von Filosa lässt sich erst mit den nächsten großen Markteinführungen ziehen: dem für 2028 geplanten neuen Panda und der nächsten Generation des Fiat 500, die um 2030 erwartet wird. Für die Fiat Grizzly Das Modell, das in einigen Monaten vorgestellt werden soll, wird eine Mischung aus den Konzepten von Carlos Tavares und Antonio Filosa sein.
| Land | 1. Halbjahr 2026 | Entwicklung |
|---|---|---|
| Brasilien | 270946 | 12% |
| Italien | 106629 | 29% |
| Argentinien | 33054 | -22% |
| Türkei | 24135 | -27% |
| Deutschland | 16601 | 92% |
| Frankreich | 16471 | 69% |
| Spanien | 6829 | 4% |
| Vereinigtes Königreich | 3748 | -39% |
| Japan | 1561 | -16% |
| Vereinigte Staaten | 237 | -74% |
Danke für die Zahlen. Ich denke an die Zeit zurück, als jährlich mehr als 500.000 Punto verkauft wurden … all diese Kunden, die im Zuge der nachfolgenden Modellreihen verloren gingen … Beim 600 liegt das Problem beim Fahrzeug selbst. Wie beim DS3 ist das Konzept einfach schlecht durchdacht.