
Ferrari ist vor allem für seine V12-Motoren, seine Supersportwagen und seine Rennsiege bekannt. Doch nun stellt sich der italienische Hersteller einer ganz anderen Herausforderung: ein Segelboot über das Wasser fliegen zu lassen! Nachdem er die Ziele seines Projekts „Hypersail“ vorgestellt hat vor einigen Monaten, die Marke mit dem springenden Pferd veröffentlicht heute die ersten Fotos ihres im Bau befindlichen Bootes. Und das Ergebnis ist bereits spektakulär.
Das Ferrari-Boot nimmt Gestalt an
Das bereits vor mehreren Monaten angekündigte Projekt „Ferrari Hypersail“ erreicht einen wichtigen Meilenstein. Dieser 100-Fuß-Einrumpfboot – also etwa 30 Meter lang – tritt nun in seine letzte Bauphase ein. Auf den ersten von Ferrari veröffentlichten Fotos ist ein riesiges Boot in einer Werft zu sehen, das von Gerüsten umgeben ist. Sein Rumpf ist nun vollständig lackiert und trägt seine endgültige Lackierung, bei der das historische Gelb „Giallo Fly“ mit einem dunklen Farbton namens „Grigio Hypersail“ kombiniert wird. Am Heck erinnert das berühmte springende Pferd sofort daran, dass dieses Boot nicht ganz wie die anderen ist. Doch hinter seinem futuristischen Erscheinungsbild verbirgt sich vor allem eine besonders ambitionierte Technologie.




Wie Ferrari sein Boot zum Fliegen bringen will
Denn ja, Hypersail ist so konzipiert, dass es sich buchstäblich über das Wasser erhebt! Es geht nicht darum, wie ein Flugzeug abzuheben, sondern darum, Foils zu nutzen – diese unter Wasser liegenden Flügel, die den Rumpf anheben, sobald das Boot an Geschwindigkeit gewinnt. Ferrari hat gerade neue Details zu diesem System bekannt gegeben. Die seitlichen Foils sorgen für den Auftrieb, während auch der Kiel einen Flügel mit einer beweglichen Klappe enthält. Sogar das Ruder trägt durch ständige winzige Korrekturen zur Steuerung des Bootes bei. Das Ganze wird von einem elektronischen System namens «Flight Control» gesteuert. Dieses „Gehirn“, das direkt vom Know-how von Ferrari im Automobilbau inspiriert ist, analysiert kontinuierlich Wind, Wellen, Geschwindigkeit und Neigung des Bootes.

Sensoren leiten die Informationen an einen Bordcomputer weiter, der daraufhin verschiedene Stellglieder ansteuert, um die Trimmung des Segelboots automatisch zu korrigieren. Das Ziel? Hypersail auch unter schwierigen Bedingungen stabil über dem Wasser zu halten. Die Crew behält natürlich ihre Rolle, kann sich aber so stärker auf die Strategie und die Leistung konzentrieren.
Kohlefaser, Titan und mehr als 20 Patente
Wie auch bei seinen Sportwagen legt Ferrari großen Wert auf Gewicht und Steifigkeit. Die Karosserie besteht aus mehreren Schichten Kohlefaser, während in bestimmten, besonders stark beanspruchten Bereichen eine Kombination aus Kohlefaser und Titan zum Einsatz kommt.

Der Hersteller gibt zudem bekannt, dass aus dem Projekt mehr als 20 Patente hervorgegangen sind. Zu den Innovationen zählen ein als «Winch by Wire» bezeichnetes Steuerungssystem für die Winden, ein mit Flügeln ausgestatteter drehbarer Mast und ein doppelwandiges Großsegel. Und im Gegensatz zu einem herkömmlichen Ferrari verfügt Hypersail über keinen Verbrennungsmotor. Seine Energieversorgung basiert auf erneuerbaren Energiequellen, insbesondere Solar-, Wind- und kinetischer Energie.

Ein Testlabor für zukünftige Ferrari-Modelle?
Hinter diesem nautischen Projekt verbirgt sich auch ein Ziel im Automobilbereich. Die für Hypersail entwickelten Simulationen, elektronischen Systeme und Steuerungstechnologien könnten das Wissen der Ingenieure in Maranello bereichern und langfristig den zukünftigen Ferrari-Modellen zugutekommen.
Bislang ist das Boot noch nicht in See gestochen. Seine Anbauten sind gerade auf der Werft eingetroffen, und der Bau nähert sich langsam seinem Ende. Nun bleibt abzuwarten, wie sich dieser erstaunliche Ferrari auf dem Ozean bewähren wird. Nachdem Maranello seinen Autos beigebracht hat, immer schneller zu fahren, will das Unternehmen nun sein springendes Pferd über die Wellen fliegen lassen!
