
Kaum sind die Produktionslinien wieder in Gang gekommen, werden sie schon wieder stillstehen. In Mirafiori, dem traditionsreichen Fiat-Werk in Turin, Stellantis kündigte drei weitere Tage ohne Produktion am 2., 3. und 4. September an. Diese Entscheidung fällt nach vier Wochen Sommerpause und nur einer Woche mit vollem Betrieb.
Doch diesmal ist die von Stellantis vorgebrachte Erklärung besonders überraschend. Sollte das Werk stillgelegt werden, läge das nicht daran, dass sich der Fiat 500 schlecht verkauft. Es wäre fast das Gegenteil: Die Nachfrage nach Hybridfahrzeugen übersteige die Produktionskapazitäten für bestimmte Bauteile. Eine Darstellung, die die Gewerkschaften offen bestreiten.
Stellantis spricht von einer Nachfrage, die über den Erwartungen liegt
Nach Angaben von Stellantis sieht sich das Werk Mirafiori mit einem Mangel an Motorkomponenten konfrontiert. Grund dafür ist insbesondere das Teksid-Werk in Carmagnola, das für die Herstellung bestimmter Motorkomponenten zuständig ist und der Nachfrage derzeit nicht nachkommen kann. Der Konzern erklärt daher, dass die «Nachfrage nach Hybridfahrzeugen die Produktionskapazitäten übersteigt». Stellantis versichert, an einer Anpassung der Kapazitäten zu arbeiten, um das Problem zu lösen.
Auf dem Papier könnte man die Situation also fast als gute Nachricht für den Fiat 500 Hybrid interpretieren: Die Bestellungen wären da, aber die Lieferkette käme nicht hinterher. Das Problem ist nur, dass diese Erklärung nicht alle in Mirafiori überzeugt.

«Der Grund dafür sind die schwachen Verkaufszahlen»
Die Gewerkschaft FIOM vertritt in der Tat eine völlig gegensätzliche Sichtweise auf die Situation. Nach Ansicht der Gewerkschaft liegt das Problem nicht wirklich bei den Motoren. «Es ist viel zu offensichtlich, dass die Ursache für die Produktionsausfälle nicht in der Motorenversorgung liegt, sondern in den schwachen Absatzzahlen auf dem Markt, die von Anfang an überschätzt wurden», erklären Edi Lazzi, Sekretär der FIOM in Turin, und Gianni Mannori, FIOM-Verantwortlicher in Mirafiori.
Eine Erklärung, die direkt auf die Bedenken eingeht, die die Arbeiter vor dem Sommer geäußert hatten. Anfang Juli hatten wir bereits berichtet, dass Erfahrungsberichte von Mitarbeitern die sich darüber wunderten, dass sich die Brückentage, die Wochen mit Betriebsstillstand und das Fehlen von Samstagsarbeit häuften, obwohl der 500 Hybrid doch gerade dazu dienen sollte, das Werk wieder anzukurbeln. Einer von ihnen fasste die Situation damals so zusammen: «So etwas würde bei einem Produkt, das sich wirklich gut verkauft, niemals passieren.»

Eine Woche mit normalem Produktionsbetrieb … dann erneut ein Stillstand
Der Zeitplan lässt die Fragen nun noch dringlicher werden. Bereits vor dem Sommer hatte es in Mirafiori mehrere Betriebsunterbrechungen gegeben. An die Sommerferien schloss sich dann eine vierte Woche der Betriebsschließung an. Nach vier Wochen Stillstand nahmen die Beschäftigten schließlich die Arbeit wieder auf.
Die Produktion auf Hochtouren dauerte nur eine Woche. Am 2., 3. und 4. September wird die Karosseriefertigung erneut stillstehen. Eine Situation, die auch die Fim beunruhigt, die Stellantis auffordert, schnell wieder für eine gewisse Stabilität zu sorgen. Die Uilm erinnert ihrerseits daran, dass die Beschäftigten davon ausgegangen waren, bis Weihnachten ohne Unterbrechung arbeiten zu können.
Der Bedarf an dem zweiten Modell besteht weiterhin
Hinter der Debatte über die genauen Gründe für diese Produktionsstopps verbirgt sich eine unveränderte Sorge: die industrielle Zukunft von Mirafiori. Seit mehreren Monaten betonen die Gewerkschaften immer wieder, dass der Fiat 500 Hybrid und der 500 E wahrscheinlich nicht ausreichen werden, um bis zur Einführung der nächsten Generation, die für etwa 2030 erwartet wird, ein ausreichendes Arbeitsvolumen zu gewährleisten. Die Fiom fordert daher rasch ein neues Modell sowie Investitionen in eine neue Produktionslinie.
In Mirafiori stehen sich nun also zwei Standpunkte diametral gegenüber. Für Stellantis wird das Werk stillgelegt, weil die Nachfrage nach Hybridfahrzeugen die Kapazitäten einiger Zulieferer übersteigt. Für die Gewerkschaften hingegen wird es stillgelegt, weil die Verkaufszahlen zu niedrig sind.