
Wir dachten, wir hätten schon alles gesehen mit dieser Lamborghini Huracán zu mieten. Nach fünf Jahren in den Händen von Hunderten von Kunden, über 85.000 km (52.000 Meilen) zurückgelegter Strecke und praktisch keinen größeren mechanischen Problemen schien sein amerikanischer Besitzer eines bewiesen zu haben: Moderne italienische Supersportwagen sind viel robuster, als ihr Ruf vermuten lässt.


Vor einigen Monaten berichteten wir bereits über den erstaunlich gesunden Zustand dieses Huracán intensiv im Rahmen einer Verleihtätigkeit genutzt wurde. Trotz der vielen Kilometer, der wiederholten Beschleunigungen und der Fahrer, die manchmal nicht daran gewöhnt waren, mit über 600 PS zu fahren, kam das Auto fast ohne größere Schäden davon. Bis heute.
Von der Straße abgekommen... ohne erkennbare Folgen
Alles beginnt mit einer von Rob Ferretti organisierten Veranstaltung, bei der Kunden mehrere Sportwagen auf offener Straße fahren können. An diesem Tag verschlechtert sich das Wetter. Der Regen kommt, aber ein Fahrer beschließt trotzdem, mit dem offenen Lamborghini ordentlich Gas zu geben.
Das Ergebnis: Der Huracán drehte sich auf der Autobahn und landete schließlich im Gras des Mittelstreifens. Glücklicherweise prallt der Wagen gegen nichts. Kein Aufprall, keine zerstörte Karosserie, nicht einmal eine offensichtlich verbogene Felge. Der Fahrer kam mit dem Schrecken davon und das Auto fuhr aus eigener Kraft nach Hause.

Wie bei jedem Vorfall wird der italienische Supersportwagen sofort von oben bis unten untersucht. Auf eine Brücke gestellt, die Aufhängung überprüft, die Räder kontrolliert und die Reifen ausgewuchtet: Alles scheint völlig normal zu sein. Die einzigen Spuren des Ausrutschers sind ein paar Steine, die sich in den Reifen verfangen haben. Nichts, was alarmierend wäre. Der Besitzer glaubt, dass die Sache damit erledigt ist.
Eine geheimnisvolle Schwingung
Doch schon am nächsten Tag mietet ein neuer Kunde den Lamborghini für zwei Wochen. Schon bald ruft er den Besitzer zurück: Irgendetwas stimmt nicht. Bei einer Geschwindigkeit von über 130 km/h beginnt das Auto stark zu vibrieren. Es sind jedoch keine Mängel zu erkennen. Die Räder werden noch einmal kontrolliert. Die Felgen werden zu einem Spezialisten geschickt. Das Urteil: Sie sind perfekt gerade. Keine Verformung, keine strukturellen Schäden. Technisch gesehen scheint alles einwandfrei zu sein. Das Rätselraten wird also noch einige Monate andauern.

Das unsichtbare Problem
Erst viel später, fast durch Zufall, entdeckt Rob Ferretti schließlich die Ursache des Problems. Als er die abmontierten Räder in seiner Werkstatt bewegt, hört er ein seltsames Geräusch im Inneren der Reifen. Wasser.
Nicht ein paar Tropfen. Eine Menge, die ausreicht, um bei hohen Geschwindigkeiten eine erhebliche Unwucht zu verursachen. Bei der Fahrt im Regen hätten sich die Reifen während des Drehers leicht von der Felge gelöst. Gerade genug, um Wasser aus dem aufgeweichten Gras am Straßenrand eindringen zu lassen. Nachdem der Reifen wieder an seinem Platz war, blieb das Wasser fast vier Monate lang im Inneren des Reifens gefangen.

Bei niedrigen Geschwindigkeiten war es unmöglich, etwas zu erkennen. Aber auf der Autobahn bewegte sich das Wasser durch die Rotation im Inneren des Reifens und verursachte eine Unwucht. Ein Phantomschaden, der besonders schwer zu diagnostizieren war. Selbst Reifenprofis waren noch nie auf einen ähnlichen Fall gestoßen.
Am Ende dieses Falles bleibt festzuhalten, dass das Auto trotz des Ausrutschers keinen wirklichen mechanischen Schaden erlitten hat. Nach Jahren der intensiven Vermietung, Hunderten von verschiedenen Fahrern und nun dieser unwahrscheinlichen Episode, zeigt der Lamborghini Huracán EVO Spyder weiterhin eine ziemlich beeindruckende Robustheit.
