
Mit 67 Jahren, während die meisten großen Automobildesigner ihren wohlverdienten Ruhestand genießen, entwirft, baut und konzipiert Ken Okuyama weiterhin außergewöhnliche Autos. Der Mann hinter einigen der markantesten Ferrari-Modelle der 2000er Jahre scheint sich noch nicht vom springenden Pferd verabschiedet zu haben. Ganz im Gegenteil.
Bei einem kürzlichen Treffen mit den amerikanischen Videomachern von „Daily Driven Exotics“ in Japan deutete der japanische Designer an, dass er sich durchaus für ein neues Ferrari-Projekt begeistern könnte. Eine Idee, die Liebhaber zum Träumen bringt, denn Ken Okuyamas Werdegang ist eng mit der modernen Geschichte der Marke aus Maranello verbunden.
Der Mann, der den Enzo Ferrari entworfen hat
Ken Okuyama wurde 1959 in Yamagata, Japan, geboren und baute sich eine beeindruckende Karriere auf, bevor er zu Pininfarina kam. Nach Stationen bei General Motors und Porsche, wo er insbesondere an der 996er-Generation des 911 und am Boxster mitarbeitete, wurde er 2004 Kreativdirektor des berühmten italienischen Designhauses.

Sein Name wird mit mehreren legendären Ferrari-Modellen in Verbindung gebracht. Er leitete die Entwicklung des Ferrari Enzo, an den Projekten der Ferrari 599 GTB Fiorano, Kalifornien, 612 Scaglietti oder auch den außergewöhnlichen Ferrari P4/5. Sein Einfluss erstreckt sich auch auf Maserati, etwa mit dem Quattroporte V und dem Konzeptfahrzeug „Birdcage 75th“. Für viele bleibt der Ferrari Enzo sein berühmtestes Werk. Mehr als zwanzig Jahre nach seiner Vorstellung ist der Supersportwagen nach wie vor einer der ikonischsten Ferraris, die jemals produziert wurden.
In seiner japanischen Werkstatt werden Ferraris in Kunstwerke verwandelt
Während der Führung durch sein Atelier in Tokio stellte Ken Okuyama mehrere seiner eigenen Kreationen vor. Darunter befand sich auch ein spektakulärer Kode57, der auf einem Ferrari 599 GTB Fiorano basiert.

Das Projekt spiegelt seine Philosophie wider. Anstatt ein völlig neues Auto zu entwickeln, zieht er es vor, von einer bestehenden Basis auszugehen und diese neu zu gestalten. So behält der Kode57 die Architektur des Ferrari 599 bei, verfügt jedoch über eine komplett neu gestaltete Karosserie, die sowohl vom Enzo als auch von historischen Ferrari-Modellen der 1950er Jahre inspiriert ist.

Vor den Kameras erläuterte der Designer ausführlich seinen Ansatz: Jedes Projekt beginnt mit einem Gespräch mit dem Kunden über dessen Traumauto. Seiner Meinung nach besteht die Aufgabe des Designers nicht lediglich darin, eine Karosserie zu entwerfen, sondern einen automobilen Traum in die Realität umzusetzen. Diese handwerklich geprägte Vision steht im Kontrast zu einer Automobilindustrie, die seiner Meinung nach manchmal zu sehr auf Technologie und Bildschirme fixiert ist. Für Ken Okuyama muss ein Sportwagen vor allem ein emotionales Fahrzeug bleiben, das so konzipiert ist, dass es mehrere Jahrzehnte lang Bestand hat, ohne an Attraktivität zu verlieren.
«Die modernen Ferraris könnten einfacher sein»
Im Gespräch ging es auch um einige Ferrari-Modelle, an deren Entwicklung er mitgewirkt hatte. Als er den Ferrari 599 GTB Fiorano ansprach, zeigte sich Ken Okuyama überraschend kritisch gegenüber seiner eigenen Arbeit. Im Nachhinein ist er der Meinung, dass der Innenraum kompakter hätte sein können und dass bestimmte Sicherheitsauflagen zu weniger eleganten Proportionen geführt hätten, als erhofft. Er erklärt sogar, dass viele der später für die F12berlinetta entwickelten Lösungen genau darauf abzielten, diese Mängel zu beheben.

Der Designer berichtet zudem, dass er an den Überlegungen mitgewirkt habe, die zu niedrigeren, fließenderen und optisch sportlicheren Ferraris wie dem 458 Italia geführt hätten, wobei die Abmessungen im Vergleich zu den Vorgängermodellen ähnlich geblieben seien. All diese Anekdoten zeigen, dass das Automobildesign in seinen Augen ein Prozess der ständigen Verbesserung bleibt.
Ein einzigartiger Ferrari F12 könnte seine nächste Herausforderung sein
Erst gegen Ende des Besuchs kam das interessanteste Thema zur Sprache. Die Gründer von Daily Driven Exotics stellten ihm ihr etwas verrücktes Projekt vor: einen Ferrari F12, der zu einem echten Rennwagen umgebaut wurde und dank eines V12-Biturbo-Motors mehr als 1.200 Pferdestärken leistet (über den wir auf Italpassion bereits mehrfach berichtet haben). Nach sechs Jahren Entwicklungszeit und Investitionen von über einer Million Dollar ist das Fahrzeug technisch fertiggestellt. Es gibt nur noch ein Problem: Es sieht immer noch aus wie ein serienmäßiger F12.

Angesichts dieser Feststellung kam ganz natürlich der Gedanke auf: Warum sollten wir Ken Okuyama nicht bitten, das Auto komplett neu zu entwerfen? Ohne sich formell festzulegen, zeigte er sich der Idee gegenüber sehr aufgeschlossen. Als die Videomacher ihm ihre Vision des Projekts und ihren Wunsch, etwas Einzigartiges zu schaffen, erläuterten, schloss er die Tür nicht ab. Die Diskussion drehte sich sogar darum, was aus dem Projekt werden könnte: ein Unikat, inspiriert von den legendärsten Ferraris, das modernes Design, Schaltgetriebe und den Geist der analogen Supersportwagen vereint, die er besonders schätzt.

Für die Gründer des Senders würde eine solche Zusammenarbeit dem Projekt einen erheblichen Mehrwert verleihen. Denn wie viele Besitzer können schon von sich behaupten, dass ihr Ferrari von dem Mann neu gestaltet wurde, der an der Entwicklung des Enzo Ferrari mitgewirkt und die Grundlagen für den F12 gelegt hat?
Ken Okuyamas Begeisterung ist bis heute ungebrochen. Zwischen seinen Automobilprojekten, seinen mit Wasserstoff betriebenen V12-Konzepten, seinen handgefertigten Kreationen aus seiner Fabrik in Yamagata und seinen zukünftigen Präsentationen in Pebble Beach arbeitet der Japaner weiterhin mit der Energie eines jungen Designers. Werden wir also eines Tages einen neuen Ferrari aus der Feder von Ken Okuyama sehen? Nichts ist bestätigt. Aber eines ist sicher: Mit 67 Jahren hat der Vater des Enzo Ferrari offensichtlich noch nicht das letzte Wort gesprochen.
