
Thierry Dehaeck hat mehr als vierzig Jahre gebraucht, um seine Sammlung aufzubauen. Ein ganzes Leben lang suchte er nicht einfach nur nach schönen Autos, sondern nach Exemplaren, die sich durch ihre Seltenheit, ihren Zustand oder ihre Geschichte von der Masse abheben. Mit 72 Jahren hat der belgische Sammler nun jedoch beschlossen, ein neues Kapitel aufzuschlagen: Am 5. Februar 2027 werden seine 60 Fahrzeuge in Paris von Artcurial Motorcars versteigert.
Die Auktion mit dem Titel «L’Éloge de l’Excellence» wird auf einen Erlös zwischen 15 und 25 Millionen Euro geschätzt. Und für Liebhaber italienischer Automobile reichen schon einige Namen aus, um die Bedeutung dieses Ereignisses zu verstehen: Ferrari 275 GTB, 365 GTB/4 Daytona, Daytona Spider, Maserati Ghibli oder auch ein äußerst seltener Quattroporte II.
Eine Leidenschaft, die schon lange vor den Ferraris begann
Thierry Dehaecks Beziehung zum Automobil reicht bis in seine Jugend zurück. Der in Ypern, Belgien, geborene Dehaeck entwickelte diese Leidenschaft an der Seite seines Vaters, insbesondere rund um einen Chevrolet Impala. Mit 19 Jahren kaufte er seinen ersten Oldtimer, einen Cadillac Sedan aus dem Jahr 1965. Im Jahr 1982 bot sich ihm während seiner Flitterwochen in den USA sogar die Gelegenheit, zwei Cadillacs mit nach Hause zu nehmen. Zu dieser Zeit war der Unternehmer bereits am Familienunternehmen Pidy beteiligt, einem Spezialisten für «fertig zum Belegen» verpackte Backwaren. Im Laufe der Jahrzehnte nahm seine Sammlung weitaus beeindruckendere Ausmaße an. Seine Philosophie blieb jedoch dieselbe: außergewöhnliche Fahrzeuge zu suchen und ihre Geschichte zu dokumentieren. Artcurial verweist dabei auf historische Akten, die mit «fast musealer» Sorgfalt zusammengestellt wurden und Archive, Korrespondenz, Besitzgeschichten, Fotografien, technische Unterlagen und Gutachten umfassen.
Fünf Ferraris und einige äußerst seltene Maseratis
Allein schon das italienische Herzstück dieser Sammlung ist einen Abstecher wert. Thierry Dehaeck hat insbesondere fünf Ferraris aus verschiedenen Generationen zusammengestellt. Darunter befindet sich ein prächtiger 275 GTB «Short Nose» von 1965, aber auch ein 250 GTE von 1962, ein 365 GTB/4 Daytona von 1970, einen 365 GTS/4 Daytona Spider von 1972 und einen 512 TR von 1993. Der Daytona Spider ist besonders interessant: Artcurial weist darauf hin, dass es sich um eines von nur sechs Exemplaren handelt, die in dieser Konfiguration ausgeliefert wurden.





Auch Maserati steht dem in nichts nach. Die Kollektion umfasst unter anderem einen 3500 GT Spyder, einen Ghibli Spyder, ein Ghibli Coupé und zwei beeindruckende Quattroporte. Der von Artcurial angekündigte Quattroporte II ist eine echte Rarität, der unter anderem auf mehreren internationalen Messen ausgestellt wurde.





Diese Sammlung jedoch auf italienische Modelle zu beschränken, wäre fast unmöglich. Mercedes-Benz 300 SL Gullwing und Roadster, Jaguar E-Type, Rolls-Royce, Bentley, Shelby GT500 KR und vor allem eine beeindruckende Familie von Citroën SM runden das Ensemble ab. Darunter befindet sich sogar «The Rig», das Gespann mit dem SM, der in Bonneville die 320 km/h-Marke überschritten hat.

«Jede erzählt eine ganz eigene Geschichte»
Diese Autos haben ihr Leben ganz sicher nicht unter Schutzhüllen verbracht. Sie wurden von einer hauseigenen Werkstatt gewartet und nahmen an Rallyes und Eleganzwettbewerben teil, von Chantilly über Villa d’Este bis hin nach Pebble Beach. «Jedes Auto wurde als Referenzmodell seiner Baureihe ausgewählt. Jedes erzählt eine ganz eigene Geschichte», fasst Matthieu Lamoure, Präsident von Artcurial Motorcars, zusammen.
Warum also alles verkaufen? Thierry Dehaeck möchte nun reisen und seine Autos an andere Liebhaber weitergeben, damit sie weiterhin «leben, fahren und Träume wecken».
Am 5. Februar 2027 werden also nicht nur 60 Autos nach und nach den Besitzer wechseln. Es ist eine Sammlung, die über mehr als vier Jahrzehnte hinweg geduldig aufgebaut wurde und nun als Ganzes nicht mehr existieren wird. Und einige ihrer Ferraris und Maseratis könnten durchaus zu den Highlights dieser Auktion werden, deren Erlös auf bis zu 25 Millionen Euro geschätzt wird.
