
Nur wenige Tage, nachdem er eine in Europa beispiellose Verkaufsoffensive gestartet hatte, um seine elektrischen Nutzfahrzeuge zum Dieselpreis zu verkaufen, Stellantis sendet weiterhin widersprüchliche Signale zu ihrer industriellen Strategie. Der Konzern bestätigte eine Investition von rund 50 Millionen Pfund (fast 60 Millionen Euro) in sein britisches Werk in Ellesmere Port. Gleichzeitig warnte er jedoch, dass die Zukunft des Standorts in Frage gestellt werden könnte, wenn sich die derzeitigen Vorschriften für Elektrofahrzeuge nicht ändern.
Eine neue Linie für elektrische Nutzfahrzeuge ab 2027
Die von Stellantis angekündigte Investition soll eine neue Montagelinie für mittelgroße Elektrolieferwagen in der Fabrik in Ellesmere Port im Nordwesten Englands errichten. Die Produktion soll 2027 anlaufen.
Auf dieser Linie werden insbesondere die Elektroversionen des Vauxhall Vivaro, aber auch andere Nutzfahrzeuge, die unter verschiedenen Marken des Konzerns vertrieben werden, hergestellt.
Der Standort Ellesmere Port nimmt bereits eine besondere Stellung in der industriellen Organisation von Stellantis ein. Es ist heute der einzige Standort des Konzerns, der vollständig auf die Produktion von Elektrofahrzeugen ausgerichtet ist. Hier werden insbesondere die batteriebetriebenen Versionen mehrerer in Europa sehr bekannter kompakter Nutzfahrzeuge wie Citroën Berlingo, Peugeot Partner oder Fiat Doblò zusammengebaut.
Das Werk beschäftigt etwa 950 Mitarbeiter und hat in den letzten Jahren auch 30 000 Karosserien für den Export an ein Werk des Konzerns in Algerien hergestellt. Insgesamt wurden dort zuletzt fast 14.500 elektrische Lieferwagen montiert.
Doch ein Detail fasst die Schwierigkeiten des Marktes zusammen: Ein Großteil dieser Fahrzeuge wird nicht in Großbritannien verkauft, sondern in andere Länder exportiert.
Eine Regelung, die Stellantis Sorgen bereitet
Stellantis investiert zwar heute, doch der Hersteller zögert nicht, davor zu warnen, dass die wirtschaftliche Lebensfähigkeit der Fabrik weiterhin ungewiss ist.
Der Hauptgrund dafür ist das vom Vereinigten Königreich auferlegte ZEV-Mandat (Zero Emission Vehicle). Diese Vorschrift verpflichtet die Hersteller, eine Mindestquote für den Verkauf von Elektrofahrzeugen zu erreichen.
Bei leichten Nutzfahrzeugen ist die Regel besonders anspruchsvoll: 24 % der Verkäufe müssen elektrisch sein. Wenn ein Hersteller diesen Anteil nicht einhält, muss er eine Geldstrafe von bis zu 18.000 Pfund (ca. 21.000 Euro) pro fehlendem Fahrzeug zahlen.
Das Problem ist laut Stellantis, dass der Markt nicht mit dem Tempo Schritt hält, das durch die Regulierung vorgegeben wird.
Seit Anfang des Jahres machen elektrische Nutzfahrzeuge weniger als 12 % der Verkäufe in Großbritannien aus, was etwa halb so viel ist wie das gesetzliche Ziel. Für einen in diesem Segment führenden Hersteller wie Stellantis wird die Lücke schnell kostspielig.
Die Gruppe steht somit vor dem Dilemma, mehr elektrische Lieferwagen zu produzieren, die sich nur schwer verkaufen lassen, oder den Verkauf von Dieselmodellen zu reduzieren, obwohl diese von den Profis noch immer nachgefragt werden.
Eine Strategie, die in Europa bereits sichtbar ist
Diese Situation erklärt einige der jüngsten Entscheidungen der Gruppe. Wie wir kürzlich erläuterten, hat Stellantis in Europa eine radikale Marketingkampagne gestartet: Verkaufen Sie einige elektrische Nutzfahrzeuge zum gleichen Preis wie ihre Dieseläquivalente. Das Vorhaben betrifft insbesondere Kompakt- und Mittelklassemodelle der Marken Citroën, Peugeot, Fiat Professional oder Opel und soll bis Juni 2026 laufen.
Das Ziel ist klar: Die Einführung von elektrischen Nutzfahrzeugen soll künstlich beschleunigt werden, um den gesetzlichen Zielen näher zu kommen und potenziell enorme Strafen zu vermeiden.
Der Hersteller ist in diesem Segment besonders exponiert. In Europa hat Stellantis einen Marktanteil von fast 30 % bei Nutzfahrzeugen, was bedeutet, dass jede Verzögerung bei der Umstellung auf Elektrofahrzeuge zu massiven Geldstrafen führen kann. Einige Schätzungen sprechen bereits von einem Risiko die bis 2027 auf 2,6 Milliarden Euro anwachsen können wenn der Strommix weiterhin zu schwach ist.
Eine Warnung nach der Schließung von Luton
Die Ankündigung dieser britischen Investition erfolgt auch in einem sensiblen industriellen Kontext. Stellantis beschloss vor kurzem, das historische Dieselwerk in Luton zu schließen, wodurch mehr als ein Jahrhundert der Produktion beendet und etwa 1100 Arbeitsplätze abgebaut wurden.
Die von der Gruppe gesendete Botschaft ist also zweifach. Einerseits bestätigt Stellantis mit dieser neuen Investition in Ellesmere Port sein industrielles Engagement in Großbritannien. Andererseits warnt er davor, dass die Produktion ohne rasche Änderungen der Vorschriften für Elektrofahrzeuge wirtschaftlich unhaltbar werden könnte.
In einem Kontext, in dem die Gruppe bereits einen begleiteten strategischen «Reset» angekündigt hat von mehr als 22 Milliarden Euro an Belastungen, Die Frage der industriellen Rentabilität steht nun im Mittelpunkt aller Entscheidungen. Und das Werk in Ellesmere Port könnte zu einem neuen Symbol für das Tauziehen zwischen Autoherstellern und Regulierungsbehörden um den Übergang zur Elektrizität werden.
PS: Italpassion ist nicht gegen Elektrofahrzeuge, sondern die Nachrichten von Stellantis, die seit einigen Monaten so sind.