
Seit einigen Monaten taucht immer wieder eine Frage rund um Stellantis Welcher chinesische Hersteller wird zuerst die europäischen Werke des Konzerns nutzen, um seine Elektromodelle vor Ort zu produzieren? Nach den Gerüchten um BYD, Leapmotor oder auch JAC Motors ist es schließlich Dongfeng, der zur Tat schreitet. Und vor allem hat der chinesische Konzern bereits seine Wahl zwischen Frankreich und Italien getroffen.
In einer offiziellen Pressemitteilung, die am 20. Mai 2026 veröffentlicht wurde, gaben Stellantis und Dongfeng ihre Absicht bekannt, ein neues europäisches Joint Venture zu gründen, das sich dem Verkauf, dem Vertrieb, der Produktion, dem Einkauf und dem Engineering rund um die Elektrofahrzeuge des chinesischen Herstellers widmen soll. Diese Ankündigung markiert einen weiteren Schritt in der Annäherung zwischen Stellantis und den chinesischen Automobilkonzernen.
Doch ein Detail erregt in Italien besondere Aufmerksamkeit: Die künftige europäische Produktion der chinesischen Premiummarke Voyah soll ... in Rennes, Frankreich, und nicht in Cassino angesiedelt werden.
Voyah: die chinesische Premiummarke, die in Europa noch unbekannt ist
Auch wenn der Name Voyah der europäischen Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt ist, stellt die Marke dennoch eines der ehrgeizigsten Projekte von Dongfeng dar. Voyah wurde 2019 gegründet und ist die elektrische Premiumsparte des chinesischen Riesen Dongfeng Motor. Die Marke hat sich auf hochwertige Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride spezialisiert und bietet Premium-SUVs, -Limousinen und -Vans an, die mit europäischen und amerikanischen Herstellern auf dem Gebiet des technologischen Luxus konkurrieren sollen.

Voyah besitzt bereits mehrere Modelle, die in China vermarktet werden, wie den SUV Free, die Limousine Passion oder den großen Minivan Dreamer. Die Marke profitiert auch von einer technologischen Partnerschaft mit Huawei zur Entwicklung von intelligenten Bordsystemen. Ein weiteres interessantes Element: Das Design der ersten Voyah-Modelle wurde gemeinsam mit Italdesign entwickelt. Nach der Markteinführung in Norwegen, Israel, Spanien und Italien im Jahr 2024 will Dongfeng nun seine europäische Präsenz stark beschleunigen. Und dafür wird die lokale Produktion fast unerlässlich.
Rennes statt Cassino
Dies ist wahrscheinlich die wichtigste Information dieser Ankündigung. In der Pressemitteilung von Stellantis heißt es, dass die beiden Konzerne «auch die potenzielle Produktion von Dongfeng NEV-Fahrzeugen im Werk Rennes in Frankreich in Betracht ziehen, in Übereinstimmung mit den europäischen Vorschriften und den Anforderungen Made in Europe». Mit anderen Worten: Dongfeng hat Rennes als Standort für die Montage seiner zukünftigen elektrischen Premiummodelle für Europa ausgewählt.
Diese Entscheidung schließt zumindest vorübergehend die Tür für das italienische Werk in Cassino, das in den letzten Wochen immer wieder in den Diskussionen um die chinesischen Partnerschaften von Stellantis erwähnt wurde. Aus italienischer Sicht wird diese Entscheidung sicherlich für Aufregung sorgen. Das Werk in Cassino durchläuft derzeit eine sehr schwierige Phase mit extrem niedrigen Stückzahlen für die Modelle Alfa Romeo Giulia, Alfa Romeo Stelvio und Maserati Grecale. Die italienischen Gewerkschaften fordern seit Monaten einen echten Industrieplan, um den Standort wiederzubeleben.
Laut mehreren Indiskretionen, die kürzlich von der italienischen Presse verbreitet wurden, gehörte Dongfeng zu den chinesischen Konzernen, die an den ungenutzten Kapazitäten in Cassino interessiert waren. Schließlich zogen Stellantis und Dongfeng den Standort Rennes vor, der ebenfalls weitgehend ungenutzt ist.
Stellantis beschleunigt seine chinesischen Allianzen weiter
Diese Ankündigung bestätigt vor allem einen grundlegenden Trend: Stellantis baut nun vermehrt Brücken zu chinesischen Herstellern. Nach der Partnerschaft mit Leapmotor in Spanien, den Gesprächen um BYD oder auch den Gerüchten um die Verbindung von JAC Motors und Maserati zeigt die Vereinbarung mit Dongfeng, dass die von Antonio Filosa geleitete Gruppe diese Strategie nunmehr voll und ganz annimmt.
Der Automobilkonzern scheint einen sehr pragmatischen Ansatz gewählt zu haben: Nutzung der chinesischen Elektrotechnologie, Auffüllen der nicht ausgelasteten europäischen Fabriken und Angebot von Modellen, die im globalen Wettbewerb konkurrenzfähiger sind. In der offiziellen Pressemitteilung spricht Antonio Filosa übrigens von «einer neuen Dimension» in der Zusammenarbeit mit Dongfeng. Der Präsident von Dongfeng, Qing Yang, sprach von einer Beschleunigung der internationalen Expansion des chinesischen Konzerns.
Zumindest «rettet» es die Giulia und das Stelvio
Es ist eine Art Erpressung. Entweder schließt deine Fabrik, dann bist du auf der Straße oder du nimmst, was du bekommst. Wir alle haben Mieten oder Kredite, die wir bezahlen müssen - außer sie.
Wir zahlen für die fehlenden Investitionen in den letzten 30 Jahren, was einen Teufelskreis ausgelöst hat.