Stellantis kehrt Tesla den Rücken, chinesische Leapmotor-Strategie beginnt Früchte zu tragen

Stellantis ändert seinen Kurs. Unauffällig, aber mit weitreichenden Folgen. Der von Antonio Filosa geleitete Konzern ist nicht mehr Teil des von Tesla geführten europäischen CO₂-Credit-Pools. Dieser Rückzug ist alles andere als symbolisch: Er markiert das Ende einer strukturellen Abhängigkeit von den CO2-Gutschriften des amerikanischen Herstellers, und das zu einem Zeitpunkt, an dem die europäischen Vorschriften strenger werden als je zuvor.

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Ende einer historischen Partnerschaft

Das von der Europäischen Kommission am 27. Februar veröffentlichte Dokument ist eindeutig: Stellantis verlässt die von Tesla angeführte Gruppierung, in der noch Ford, Suzuki, Mazda und Honda verbleiben. Selbst Toyota, obwohl historisch gesehen vorsichtig und sehr erfolgreich bei Hybridfahrzeugen, hat diesen Mechanismus ebenfalls verlassen.

Diese “Pools” ermöglichen es Herstellern, deren Flotten die europäischen Emissionsgrenzwerte überschreiten, Gutschriften von 100 % Elektroakteuren wie Tesla zu kaufen. Seit dem 1. Januar 2025 ist der vorgeschriebene Durchschnitt auf etwa 93 g/km CO₂ gesunken. Die Strafe ist furchterregend: 95 Euro pro überschüssigem Gramm und pro verkauftem Fahrzeug. Die möglichen Beträge gehen in die Milliarden.

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In den letzten Jahren hatte Stellantis in großem Umfang auf Tesla-Kredite zurückgegriffen, um das Schlimmste zu verhindern. Das Engagement war massiv, insbesondere in Italien, wo Fiat nach wie vor stark von der Therme abhängig war. Ohne regulatorische Lockerungen, die Rechnung für 2025 hätte mehr als 800 Millionen Euro betragen können allein auf dem italienischen Markt. Heute ist die Gruppe der Ansicht, dass sie darauf verzichten kann.

Eine kalkulierte industrielle Wette

Dieser Rückzug bedeutet vor allem eines: Stellantis glaubt, sich den europäischen Zielen aus eigener Kraft nähern oder sie sogar erreichen zu können. Oder besser gesagt, dank eines neuen strategischen Verbündeten. Dieser Verbündete ist Leapmotor.

Leapmotor wurde lange Zeit lediglich als eine weitere chinesische Marke wahrgenommen, ist aber inzwischen zu einem zentralen Instrument in der Regulierungsarchitektur des Konzerns geworden. Stellantis besitzt 19 % des Herstellers und bereitet nun seine massive Einführung in Europa vor.

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Die lokale Produktion in Saragossa, Spanien, verändert die Situation komplett. Durch die Montage der Leapmotor-Modelle in Europa vermeidet Stellantis Zölle, macht die Autos für nationale Boni förderfähig und bezieht vor allem deren Volumen voll in seine durchschnittliche Emissionsberechnung ein. Das ist keine geschäftliche Zusammenarbeit mehr. Es ist eine Regulierungsstrategie.

Leapmotor gleicht bereits die Schwächen von Fiat aus

Die ersten Zahlen für 2026 in Italien sind aufschlussreich. Laut Dataforce weist Fiat in den ersten beiden Monaten des Jahres einen Durchschnitt von 116,2 g/km bei einem Zielwert von 99,5 g/km auf. Ergebnis: 66,1 Millionen Euro an theoretischen Strafen sind bereits aufgelaufen.

Aber gleichzeitig haben die italienischen Zulassungen von Leapmotor, die vor allem vom T03, dem Spitzenreiter im BEV-Segment, getragen wurden, 57,5 Millionen Euro an theoretischen Krediten generiert. Mehr als BYD, mehr als Tesla in einigen Segmenten. Mit anderen Worten: Leapmotor gleicht das “CO₂-Defizit” von Fiat in Italien fast vollständig aus. Dieser Mechanismus könnte auf europäischer Ebene multipliziert werden.

Auf dem Weg zu jährlichen Einsparungen von 2 Milliarden Euro?

Die Argumentation ist rein mathematisch. Wenn das spanische Werk 200.000 Leapmotor-Elektrofahrzeuge pro Jahr erreicht, könnte Stellantis fast 1,8 bis 1,5 Millionen Euro pro Jahr erwirtschaften. 2 Milliarden Euro an Strafen werden jedes Jahr vermieden.

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Im Jahr 2027, bei 40 000 Fahrzeugen, wäre die Wirkung noch begrenzt. Im Jahr 2028, bei 80 000 Fahrzeugen, würde die Auswirkung bereits signifikant werden. Aber im Jahr 2030, wenn die maximale Kadenz erreicht wird, könnte Leapmotor zum eigentlichen finanziellen Puffer des Konzerns gegenüber den EU-Vorschriften werden.

Diese Entscheidung ermöglicht es Stellantis, nicht alle seine Marken wie Fiat, Peugeot, Citroën, Jeep oder Alfa Romeo von einem Tag auf den anderen brutal in Hersteller von 100 elektrischen % umzuwandeln. Der Konzern kompensiert die Emissionen der Modelle mit Verbrennungsmotor durch ein massives Volumen an emissionsfreien Fahrzeugen unter chinesischer Flagge. Ein pragmatischer und erschreckend effektiver Ansatz.

Ein zusätzliches Problem für Elon Musk

Für Elon Musk sind die Nachrichten weniger erfreulich. Regulatorische Kredite sind eine historische Einnahmequelle für Tesla. Durch den Weggang von Stellantis und Toyota verringert sich jedoch die Anzahl der Hauptkäufer.

Vor dem Hintergrund, dass Tesla bereits davor gewarnt hat, dass die Einnahmen aus CO₂-Gutschriften im Jahr 2025 rückläufig sein werden, verschärft diese Entwicklung den Druck auf die Gewinnspannen. Zumal die Deregulierung des Umweltschutzes in den USA auch die Chancen auf dem US-Markt verringert.

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In Wirklichkeit symbolisiert dieser Rückzug aus dem Tesla-Pool einen tieferen Wandel. Stellantis will nicht mehr von einem Konkurrenten abhängig sein, um sein regulatorisches Risiko zu managen. Der Konzern baut nun seine eigene Quelle für CO₂-Kredite auf.

Die chinesische Strategie beginnt bereits, ihre Wirkung zu entfalten. Was bis vor kurzem noch als einfache industrielle Diversifizierung erschien, könnte zu einem der mächtigsten finanziellen Hebel des Konzerns in Europa werden. Stellantis kehrt Tesla nicht nur den Rücken. Er gestaltet sein Geschäftsmodell angesichts des europäischen Klimazwangs neu.

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Und dieses Mal kommt der Retter nicht aus Kalifornien, sondern aus China.

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