Stellantis streicht Arbeitsplätze in Tychy: Einigung erzielt, obwohl für 2026 bereits ein Nachfragerückgang erwartet wird

Werbung

Die soziale Krise, die die Fabrik erschüttert Stellantis im polnischen Tychy hat gerade eine neue Wendung genommen. Nach mehreren Wochen voller Spannungen, Gerichtsdrohungen und besonders angespannten Verhandlungen wurde schließlich eine Einigung zwischen der Konzernleitung und den Gewerkschaften erzielt. Hinter diesem Kompromiss zeichnet sich jedoch eine beunruhigendere Realität ab: Stellantis rechnet bereits für 2026 mit einem Nachfragerückgang, auch bei Modellen, die doch als strategisch wichtig gelten.

Von einer gerichtlichen Drohung zu einer Einigung

Noch vor wenigen Tagen schien das soziale Klima in Tychy kurz vor dem Zusammenbruch zu stehen. Die Gewerkschaft Solidarnosc beschuldigte Stellantis, den sozialen Dialog abgebrochen zu haben, und drohte dem Konzern deutlich einer Sammelklage vor Gericht. Der Grund dafür ist die Streichung der dritten Produktionsstelle ab März, eine Entscheidung, die Mitte Januar angekündigt wurde und bis zu 740 Stellen betreffen könnte, einschließlich der befristeten Verträge und der Zeitarbeitskräfte. Die Arbeitnehmervertreter prangerten damals Zusagen an, die sie für irreführend hielten, und Abgangsbedingungen, die sie im Vergleich zu anderen europäischen Standorten des Konzerns als unzureichend betrachteten. "Wir fühlen uns betrogen", sagte Grzegorz Maslanka, der Vorsitzende der Solidarnosc in Tychy, damals und betonte, dass das Vertrauen zwischen den Beschäftigten und der Unternehmensleitung nachhaltig beschädigt sei.

Werbung

Kompromiss für 320 unbefristet Beschäftigte schließlich gefunden

Nach mehr als zwei Wochen intensiver Verhandlungen, die durch zehn besonders schwierige Sitzungen gekennzeichnet waren, wurde Anfang Februar schließlich eine Vereinbarung unterzeichnet. Die Vereinbarung betrifft 320 unbefristet beschäftigte Arbeitnehmer, von den ursprünglich 740 Stellen, die von der Reduzierung der Geschäftstätigkeit betroffen waren. Die Gewerkschaften zeigten sich heute zufrieden mit den erreichten Zugeständnissen, die deutlich günstiger als die ursprünglichen Vorschläge von Stellantis waren. Der Kernpunkt der Vereinbarung liegt in der ausschließlichen Freiwilligkeit des Ausscheidens, einer starken Forderung der Solidarnosc, sowie in der Einführung von Schutzmechanismen für die schwächsten Arbeitnehmer. Eine paritätische Kommission, in der Gewerkschaftsvertreter und die Unternehmensleitung vertreten sind, wird sich mit sensiblen Situationen befassen, insbesondere mit Familien mit nur einem Einkommen oder mit Paaren, die beide am Standort arbeiten.

Aufgewertete Zulagen

Einer der Hauptstreitpunkte war die Höhe der Abfindungszahlungen. Auch hier markiert die Vereinbarung einen deutlichen Wandel. Die vorgeschlagenen Abfindungen gehen über die gesetzlichen Mindeststandards hinaus und können für die Beschäftigten mit der längsten Betriebszugehörigkeit bis zu 24 Monatsgehälter betragen, was zwei Jahresgehältern entspricht. Beschäftigte mit einer Betriebszugehörigkeit zwischen vier und acht Jahren können acht Monatsgehälter beanspruchen, während die mittleren Profile 16 Monatsgehälter erhalten. Für Solidarnosc ist das Endergebnis zwar "nicht das Traumabkommen", aber ein akzeptabler Kompromiss, der noch vor wenigen Tagen unerreichbar erschienen war. Die Gewerkschaft hebt auch die Rolle hervor, die die regionalen Strukturen und der Europäische Betriebsrat von Stellantis beim Zustandekommen der Vereinbarung gespielt haben.

Werbung

Eine Reorganisation, die durch einen bereits als rückläufig eingeschätzten Markt gerechtfertigt ist

Abgesehen vom sozialen Aspekt offenbart die Akte von Tychy vor allem eine sehr vorsichtige Interpretation der Zukunft durch Stellantis. Die Standortleitung begründete die Streichung der dritten Stelle mit der Verlangsamung des europäischen Automobilmarktes und einem als abwartender eingeschätzten Kaufverhalten der Kunden. Noch bedeutsamer ist, dass die Nachfrage für 2026 angeblich bereits als rückläufig eingeschätzt wird. Ein starkes Signal, wenn man bedenkt, dass im Werk Tychy Schlüsselmodelle für den Konzern montiert werden, wie der Alfa Romeo Junior, der Fiat 600 und der Jeep Avenger. Diese Fahrzeuge sollen den Kern des Volumens von Stellantis im Segment der elektrifizierten Kompakt-SUVs bilden. Dass ihre Produktion im Vorfeld von 2026 nach unten korrigiert werden soll, zeigt, wie sehr der Konzern ein dauerhaft schlechteres Geschäftsumfeld antizipiert.


Gefällt dir dieser Beitrag? Teile es!

Werbung

Eine Bewertung hinterlassen