
Die soziale Krise in der polnischen Fabrik in Tychy erreicht eine neue Schwelle. Nach die Ankündigungen von Massenentlassungen und der direkte Aufruf an die Aktionäre der GruppeDie Arbeitnehmervertreter gehen nun in die juristische Offensive. Die Gewerkschaft Solidarnosc droht deutlich Stellantis einer Klage, in der sie einen ins Stocken geratenen sozialen Dialog und als irreführend empfundene Zusagen anprangerten.
Eine Sammelklage, um die Streichung der dritten Stelle anzufechten
Am Mittwoch, den 21. Januar, reichten die Gewerkschaftsvertreter der Fabrik in Tychy offiziell eine Sammelklage gegen ihren Arbeitgeber ein. Im Visier: die Entscheidung, die dritte Produktionsstelle ab März zu streichen. Eine Maßnahme, die Teil des Anfang Januar angekündigten umfassenden Reorganisationsplans ist und die zum Ausscheiden von etwa 740 Beschäftigten führen könnte, einschließlich befristeter Verträge und Leiharbeitnehmer. Für Solidarnosc spiegelt diese Zahl die Realität nur unvollständig wider. Die sozialen Auswirkungen, so warnen die Gewerkschaften, könnten weitaus gravierender sein, wenn man das lokale industrielle Ökosystem berücksichtigt. Tychy arbeitet mit mehreren Dutzend Zulieferern zusammen, und der Rückgang der Stückzahlen bedroht eine ganze Region, die bereits durch frühere Umstrukturierungen der Automobilindustrie in Polen geschwächt wurde.
"Wir fühlen uns betrogen"
Der Ton, den die Gewerkschaft anschlägt, ist besonders hart. "Wir fühlen uns betrogen", sagt Grzegorz Maslanka, der Vorsitzende der Solidarnosc in der Fabrik. Seiner Meinung nach hat die Art und Weise, wie der Plan angekündigt wurde, das Vertrauen zwischen dem Management und den Beschäftigten endgültig zerstört. Die Gewerkschaft beschuldigt Stellantis, trotz mehrerer formeller Treffen keine wirklichen Fortschritte bei den Verhandlungen erzielt zu haben. Maslanka warnt, dass die Zeit nun gegen das Unternehmen arbeitet. Wenn innerhalb von sieben Tagen keine Einigung erzielt werde, werde der Rechtsstreit voll in Gang gesetzt. Eine folgenschwere Aussicht für einen Konzern, der in Europa bereits industriell und politisch unter Druck steht.
Der Kern des Konflikts: freiwillige Abgänge und Abfindungen
Im Mittelpunkt der Meinungsverschiedenheiten steht das Programm für freiwillige Abgänge. Solidarnosc ist der Ansicht, dass die in Tychy angebotenen Bedingungen weit unter denen liegen, die an anderen Standorten des Konzerns gelten. Schlimmer noch, die Gewerkschaft befürchtet, dass der "freiwillige" Charakter des Programms nur eine Fassade ist und die Arbeitnehmer gezwungen werden, zwischen einem betreuten Ausscheiden oder einer späteren Entlassung mit schlechteren Bedingungen zu wählen. Besonders groß ist die Uneinigkeit über die Höhe der Abfindungen. Die Gewerkschaften fordern bis zu 36 Monatsgehälter und sind der Ansicht, dass diese Höhe mit früheren Sozialplänen von Stellantis übereinstimmt. Das Unternehmen seinerseits schlägt maximal 24 Monatsraten vor, die den ältesten Beschäftigten vorbehalten sind. Die Arbeitnehmervertreter hielten dies für inakzeptabel, insbesondere für Arbeitnehmer, die kurz vor der Pensionierung stehen oder die einzige finanzielle Stütze ihres Haushalts sind.
Anciennität und Unbestimmtheit vorgeschlagen :
- 1 Jahr - 5 Monatsgehälter,
- 2 bis 3 Jahre - 6 Monatsgehälter,
- 4 bis 8 Jahre - 8 Monatsgehälter,
- 9 bis 10 Jahre - 9 Monatsgehälter,
- 11-12 Jahre - 12 Monatsgehälter,
- 13-14 Jahre - 14 Monatsgehälter,
- 15-16 Jahre - 16 Monatsgehälter,
- 17-18 Jahre - 18 Monatsgehälter,
- 19 Jahre - 20 Monatsgehälter,
- 20-29 Jahre - 22 Monatsgehälter,
- über 29 Jahre - 24 Monatsgehälter.
Stellantis vertröstet und dementiert jegliche Blockade
Auf die Frage nach dieser gerichtlichen Eskalation erklärt Stellantis, dass er zum jetzigen Zeitpunkt offiziell keine Sammelklage erhalten habe, und bestreitet, dass die Gespräche in eine Sackgasse geraten seien. In einer Erklärung versichert ein Sprecher der Gruppe in Polen, dass die Verhandlungen fortgesetzt werden, "um die bestmöglichen Ausstiegsbedingungen für die betroffenen Arbeitnehmer so schnell wie möglich zu definieren". Der Konzern behauptet auch, dass er in Verbindung mit den lokalen Behörden und der Arbeitsverwaltung Begleitmaßnahmen einführt, um die Umschulung der betroffenen Beschäftigten zu erleichtern. Diese Aussage kann die Gewerkschaften jedoch kaum beruhigen, da die Kluft zwischen den beiden Parteien mittlerweile so tief zu sein scheint.
Über den polnischen Fall hinaus ist der Konflikt in Tychy ein Beispiel für die Spannungen, die Stellantis heute in Europa durchzieht. In dem Werk werden strategische Modelle wie der Alfa Romeo Junior, der Fiat 600 und der Jeep Avenger gebaut, die das Kerngeschäft des Konzerns darstellen sollen. Dass selbst ein solcher Standort vom massiven Abbau von Arbeitsplätzen betroffen ist, sendet ein beunruhigendes Signal über die tatsächliche Marktlage und die Fähigkeit des Konzerns, seine Industrieanlagen mittelfristig zu sichern.