
Stellen Sie sich die Szene vor: Sie sind auf einer Kleinanzeigen-Website, suchen nach "Maserati Levante" und sortieren nach aufsteigendem Preis... und dann, Schock. Levante SUVs ab ca. 25.000 €, was dem Preis eines neuen Renault Captur SUVs entspricht. Auf den Fotos: cremefarbenes Leder, Holz, großer Bildschirm, Schaltwippen am Lenkrad, V6 unter der Motorhaube, Dreizack-Logo auf dem Lenkrad. Auf der Zeile "Kilometerstand" hingegen liest man 190.000, 220.000, 280.000, manchmal über 300.000 km. Ist das nun ein Schnäppchen oder ein Grund zur Sorge in der Werkstatt? Um Klarheit zu schaffen, muss man zwei Dinge verstehen: Warum dieser Luxus-SUV so stark im Preis gesunken ist und vor allem, welche Motoren sich unter der Motorhaube verbergen, denn beim Levante ändert die Wahl zwischen V6-Diesel, V6-Benzinmotor oder V8-Benzinmotor die Geschichte komplett.
Ein Luxus-SUV, der wie ein Generalist abwertet
Der Levante ist der erste SUV in der Geschichte von Maserati. Er wird von 2016 bis 2024 in Mirafiori in Turin produziert und teilt sich die technische Basis mit dem Ghibli und dem Quattroporte VI. 5-Meter-SUV, V6 oder V8, Allradantrieb, 8-Gang-Automatikgetriebe von ZF, positioniert gegen Porsche Cayenne, BMW X5, Range Rover Sport.

Als Neuwagen sprach man eher von 80.000 € bis über 150.000 €, je nach Version und Land. Heute liegen die meisten "gesunden" Gebrauchtwagenanzeigen eher zwischen 40.000 und 70.000 € für Autos zwischen 40.000 und 140.000 km. Und dann gibt es noch den Untergrund des Marktes: diese Levante für weniger als 25.000 €, oft mit Dieselmotor, mit einem Kilometerstand, der eines deutschen Taxis würdig ist. Was gut zu erinnern ist, ist, dass der Levante sich nicht wie ein zukünftiges "Sammlerstück" im Stil eines Granturismo V8 verhält. Die Ergebnisse der jüngsten Auktionen zeigen dies deutlich: Trofeo, GTS, Modena, GT werden in einer breiten Spanne von etwa 27.000 bis 88.000 US-Dollar je nach Jahr, Kilometerstand und Version verkauft, aber ein spekulativer Ausbruch ist nicht zu erkennen. Es handelt sich um einen Luxus-SUV, der an Wert verliert, und nicht um ein Kunstwerk, das in die Höhe schießt.

Mit anderen Worten: Man kauft einen Levante wegen des Vergnügens und des Images, nicht weil man auf eine Wertsteigerung hofft. Das wirft die eigentliche Frage auf: Ist es besser, für den Preis eines Renault einen Renault ... oder einen Maserati Levante zu kaufen? Die Antwort liegt zu einem großen Teil im Motor.
Unter der Haube: Drei Motoren, die drei Maserati erzählen
Im Laufe der Jahre hat die Levante-Baureihe verschiedene Motoren aufgenommen: V6-Diesel, V6-Benzin, V8-Benzin und am Ende der Karriere einen 2.L-Vierzylinder-Hybrid mit 330 PS. Für einen "passionierten" Gebrauchtwagenkauf sind es jedoch vor allem die V6-Diesel-, V6-Benzin- und V8-Benzinmotoren, die wirklich zählen.
Der V6 3.0L Diesel: König der langen Strecken... und Meister der Kilometerleistung

Der häufigste in den europäischen Anzeigen ist er: der 3.0 V6 Diesel mit 250 oder 275 PS, von VM Motori und bereits bekannt aus dem Ghibli und dem Quattroporte. Auf der Straße ist es ein schöner Motor. Überall Drehmoment, ein dezenter, aber nicht charakterloser Klang und ein für einen SUV von über zwei Tonnen geringer Verbrauch. Es ist dieser Motor, der es dem Levante ermöglicht hat, sein Leben als Vielfahrer zu leben: italienische und deutsche Autobahnen, Firmenflotten, private Vielfahrer... Und das sieht man heute: Die meisten der billigsten Levante haben mehr als 200.000 km, manchmal sogar 300.000 km auf dem Tacho.
Das beweist eines: Bei richtiger Anwendung kann dieser V6-Diesel eine hohe Kilometerleistung verkraften. Viele Besitzer berichten von einem robusten Auto ohne große Pannen, wenn sie die Wartungsintervalle einhalten und das tun, wofür es gebaut wurde: lange Fahrten statt ständiger Stadtverkehr. Aber es gibt auch eine andere Seite der Medaille. Wie viele moderne Diesel sammelt auch dieser Motor Wachsamkeitspunkte: DPF (Partikelfilter) und EGR reagieren empfindlich auf Stadtfahrten, Turbos werden beansprucht. Wenn Sie sich für einen günstigen Levante-Diesel begeistern, sollten Sie ihn also als das sehen, was er ist: ein großer, bereits gut abgeschriebener SUV, der oft auf der Autobahn gelebt hat und eine gewissenhafte Überwachung erfordern wird. Die gute Nachricht ist, dass das 8-Gang-Getriebe von ZF als sehr robust gilt, vorausgesetzt, es wird regelmäßig gewechselt und nicht nur "lebenslang", wie einige Hersteller behaupten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Diesel die Wahl des pragmatischen Vielfahrers ist, nicht die des Sammlers. Bei niedrigen Preisen und hoher Kilometerleistung kann er noch viele Dienste leisten.
Der V6 3.0L Biturbo-Benzinmotor: das wahre Herz des Levante

Wenn Sie nach dem "Maserati-Erlebnis" suchen, sollten Sie sich nach dem V6-Benzinmotor umsehen. Der 3.0 Biturbo, codiert als F160, ist ein V6, der von Maserati entworfen, aber von Ferrari zusammengebaut wird. Der Motor ist aus Aluminium, hat zwei Turbos, Direkteinspritzung und eine Leistung, die von 350 PS bis 430 PS reicht. Eine nette Besonderheit: Die Motoren wurden in den USA in Chrysler-Werken gegossen und bearbeitet, bevor sie zur Endmontage bei Ferrari nach Italien geschickt wurden. Auf der Straße verändert der V6-Benzinmotor den Charakter des Levante völlig. Im Leerlauf leiser als ein Diesel, aber deutlich melodischer, sobald man in den Sportmodus schaltet, mit einem lebhafteren Hochdrehen und einem echten Edelmotorgefühl. Das Auto wirkt leichter und williger, auch wenn die Masse immer noch hoch ist. Der Klang des V6 ist hervorragend.
Was die Zuverlässigkeit angeht, ist das allgemeine Feedback zu diesem V6 ziemlich gut: keine größeren chronischen Schwächen des Motors selbst, aber mögliche kleine Probleme bei den Peripheriegeräten (Spulen, Einspritzdüsen, Sensoren), wie bei vielen modernen Mechaniken. Der Schlüssel liegt wie immer in der Historie: regelmäßige Ölwechsel, hochwertiges Öl, Einhaltung der Warmlaufzeiten. Auf der anderen Seite muss man die logischen Gegenleistungen akzeptieren: ein Verbrauch, der deutlich steigt, wenn man die Leistung nutzt, eine höhere Besteuerung in einigen Ländern und Wartungskosten, die denen eines Luxus-SUV und nicht eines Clio entsprechen. Im Vergleich zu einem Dieselmotor, bei dem sich FAP, EGR und Turbolader häufen, ist der V6-Benzinmotor auf lange Sicht "einfacher" zu handhaben, vor allem, wenn man wenig fährt.
Für einen Kauf aus Leidenschaft kann ein Levante V6-Benzinmotor mit einer Laufleistung von 60.000 bis 80.000 km einen sehr guten Kompromiss darstellen: noch relativ frisch, edler Motor, guter Klang, starkes Image, und dabei zu Preisen erschwinglich, die im Vergleich zu Neuwagen bereits deutlich gesunken sind.
Der V8 3.8L Biturbo: die "Ferrari in Turnschuhen"-Option

An der Spitze der Modellreihe steht der Levante Trofeo, der von einem 3,8 V8-Biturbo angetrieben wird, der aus der Ferrari F154-Familie stammt. Es ist derselbe Motor, den man in einigen modernen Ferraris (California, 488, Portofino, Roma) findet, der hier für den SUV-Einsatz angepasst wurde. Es ist sogar dieser Motor, der für den Alfa Romeo Quadrifoglio auf 6 Zylinder umgestellt wurde. Die Kavallerie gibt den Ton an: 580 PS mit über 700 Nm Drehmoment, die auf alle vier Räder übertragen werden. Konkret bedeutet das, dass ein gut gestarteter Levante Trofeo ein Katapult ist, das mit einer Beschleunigung von 0-100 km/h in 3,9 Sekunden mit vielen "reinen" Sportwagen mithalten kann, aber dennoch ein fünfsitziges Familienauto mit Kofferraum bleibt.
Auf dem Gebrauchtwagenmarkt bleiben diese Versionen logischerweise teurer und seltener. Jüngste Auktionen zeigen, dass sie oft zu noch soliden Preisen weiterverkauft werden, aber ohne Überschwang. In den USA gibt es sie ab 55.000 $ und in Europa ab 60.000 €. Mit anderen Worten: Die Levante werden ihren Wert am besten behalten, aber man sollte sie nicht als spekulative Investition betrachten: Sie sind in erster Linie Objekte des Vergnügens. Was die Zuverlässigkeit angeht, so ist dieser V8 insgesamt robust, wenn er im Netz oder bei kompetenten Fachleuten gewartet wird. Aber alles ist teurer: Teile, Arbeitskraft, Reifen, Bremsen, Versicherung. Wir haben es hier mit einer "Ferrari daily"-Logik zu tun.
Wenn Sie einen Levante zum Preis eines Renault suchen, seien wir ehrlich, dann sollten Sie lieber die Finger vom Trofeo lassen. Wenn Sie hingegen mit einem größeren Budget ausgestattet sind und einen wirklich außergewöhnlichen SUV anstreben, sind es diese V8-Motoren, die auf lange Sicht wahrscheinlich am meisten hermachen werden.
Was ist mit dem 4-Zylinder-Hybrid?

Am Ende seiner Karriere bot Maserati einen Hybrid-Levante mit einem 2.0 GME-Turbo-Vierzylinder in Kombination mit einem 48-V-Mildhybridantrieb an. Auf dem Papier ist dies der rationalste Motor: ordentliche Leistung, verhaltener Verbrauch, sanftere Besteuerung. In der Realität nimmt er jedoch einen Großteil des Charmes, der einen Maserati so interessant macht.
Zuverlässigkeit: Levante mit 300.000 km ... und sogar ein V6-Benziner mit 780.000 km
Wenn man sich die Anzeigen mit den höchsten Laufleistungen ansieht, bekommt das Image des "fragilen Maserati" einen Schlag. So findet man einen Levante V6-Benzinmotor aus dem Jahr 2017 mit einem Kilometerstand von... 780.000 und mehrere V6-Diesel mit 250.000 bis 335.000 Kilometern. Ganz klar, das sind keine SUVs, die von Haus zu Bäckerei und wieder zurück gefahren sind: Es sind Autos, die auf der Autobahn gelebt haben, oft Chauffeur, Flotte oder Vielfahrer. Bedeutet das, dass ein Levante ein Toyota ist? Nein, aber es zeigt, dass gut gepflegte V6-Diesel und -Benziner eine sehr hohe Laufleistung verkraften.
Für wen ist ein gebrauchter Levante wirklich geeignet?
Insgesamt ist die Levante-Plattform solide: straffes Fahrwerk, Q4-Allradantrieb, ZF-8-Gang-Getriebe, das sich in unzähligen Premium- und Luxusmodellen bewährt hat. Die wiederkehrenden Probleme sind eher bei der Elektronik und natürlich bei den Motoren zu suchen, wenn sie unsanft behandelt oder schlecht gewartet wurden.

Vor allem darf man eines nicht vergessen: Ein Levante bleibt ein Maserati der Luxusklasse. Die Wartung im Netz oder bei einem guten Spezialisten geht in die Hunderte, oft in die Tausende von Euro. Reifen, Bremsen, Karosserieteile - alles ist auf einen Neuwagenpreis von über 100.000 € kalibriert. Die eigentliche Falle besteht darin, sich vom Kaufpreis hypnotisieren zu lassen und alles andere zu vergessen. Ein Diesel für 19.000 € und 260.000 km, der einen neuen DPF, einen Turbo und vier Stoßdämpfer benötigt, kann sehr teuer sein. Umgekehrt kann ein gut betreuter V6-Benzinmotor mit weniger Kilometern, der anfangs teurer gekauft wurde, eine viel entspanntere Erfahrung bieten.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Ja, es ist möglich, einen Maserati Levante "zum Preis eines Renault" zu fahren. Aber das ist eher ein neckischer Vergleich als eine wirklich rationale Wahl. Es ist die Wahl eines Enthusiasten, von jemandem, der genau weiß, worauf er sich einlässt ... und der bereit ist, die Scheine nicht nur am Tag des Kaufs, sondern jedes Jahr danach aneinanderzureihen.
Die wichtigste Checkliste vor dem Kauf eines gebrauchten Maserati Levante
- Vollständige Wartungshistorie: Heft und Rechnungen unerlässlich, idealerweise Maserati-Netzwerk oder italienischer Spezialist. Ein Levante ohne Historie ist nicht zu empfehlen.
- ZF-Automatikgetriebe: Flüssige Gangwechsel bei kalten und warmen Temperaturen. Ein Ölwechsel alle 60-80.000 km ist trotz "lebenslang geschmiert" ein großes Plus.
- Gesteuerte / Luftfederung: Keine Warnhinweise auf dem Armaturenbrett, kein Klappern auf schlechter Straße, gleichmäßige Fahrzeughöhe.
- Motor (Kaltstart): Stabiler Leerlauf, kein ungewöhnliches Klopfen, kein verdächtiger Rauch aus dem Auspuff. Bei Benzinern auf den Drehzahlanstieg achten. Bei Dieselkraftstoff auf den Turbo hören.
- Diesel: DPF & EGR: Fragen Sie, ob bereits Maßnahmen durchgeführt wurden. Achten Sie auf die Motorkontrollleuchten oder die Abgasmeldung.
- Motorlecks und Peripheriegeräte: Schauen Sie unter die Motorhaube und unter das Auto: Öl, Kühlmittel, Schläuche, Sickerwasser.
- Getriebe Q4: Voller Lenkeinschlag bei niedriger Geschwindigkeit: Es dürfen keine verdächtigen Geräusche oder Ruckeln auftreten.
- Bremsen und Lenkung: Keine Vibrationen beim Bremsen, festes Pedal, präzise und leise Lenkung.
- Vollständig zu testende Elektronik: Bildschirm, GPS, Bluetooth, Kamera, Radar, Fahrhilfen, elektrische Sitze, Klimaanlage, Schiebedach, Heckklappe.





