Der iPhone-Designer verbringt fünf Jahre bei Ferrari und kommt zu dem Schluss: Vor allem kein Touchscreen in einem Elektroauto «das macht keinen Sinn»

Fünf Jahre lang arbeitete ein Team von einigen der einflussreichsten Designer der Branche in Maranello im Hintergrund an einem historischen Projekt: dem ersten Ferrari 100 % elektrisch betrieben. Darunter ein in der Welt der Technik bekannter Name: Jony Ive, ehemaliger Designer des iPhones und eine wichtige Figur im Bereich Design bei Apple.

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Sein Urteil, nachdem er mehrere Jahre lang über die Schnittstelle des zukünftigen elektrischen Ferraris nachgedacht hatte, mag überraschen: Der Fehler wäre, ein Elektroauto in ein einfaches digitales Objekt voller Touchscreens zu verwandeln.

Eine neuartige Zusammenarbeit zwischen Ferrari und den Designern des Silicon Valley

Das Luce-Projekt entstand vor einigen Jahren, als Ferrari begann, über sein erstes rein elektrisch betriebenes Auto nachzudenken. Um diese neue Generation von Ferraris zu entwerfen, wählte die Marke einen ungewöhnlichen Ansatz: Sie schloss sich mit dem von Jony Ive und Marc Newson gegründeten Kreativkollektiv LoveFrom zusammen.

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Dieses Kollektiv vereint Industriedesigner, Spezialisten für Benutzeroberflächen, Typografen und Grafiker. Ihr Ziel: An Projekten zu arbeiten, bei denen der kreative Prozess über allem anderen steht.

Schnell bildete sich zwischen San Francisco und Maranello ein kleines Team mit Designern, die buchstäblich in die Ferrari-Teams integriert waren. Fünf Jahre lang arbeiteten die LoveFrom-Mitglieder im Herzen des Centro Stile Ferrari an der Seite des Designdirektors Flavio Manzoni, aber auch unter den wachsamen Augen von Piero Ferrari, der als Hüter der DNA der Marke gilt.

Laut den Projektteilnehmern wurde die Zusammenarbeit schrittweise aufgebaut, wobei die Designer aus dem Tech-Bereich und die Ingenieure von Ferrari voneinander lernten.

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Der erste elektrische Ferrari stellt eine völlig neue Herausforderung dar

Einen elektrischen Ferrari zu entwerfen bedeutet nicht einfach, einen Verbrennungsmotor durch eine Batterie zu ersetzen. Für die Designer war es eine dreifache Herausforderung.

Zunächst musste man sich eine neue technische Architektur ausdenken, die für ein Elektroauto geeignet war. Zweitens sollte die emotionale DNA von Ferrari trotz des Fehlens eines Verbrennungsmotors erhalten bleiben. Und schließlich musste die Schnittstelle zwischen Fahrer und Maschine völlig neu gestaltet werden. Dieser letzte Punkt wurde von Jony Ive und seinem Team besonders hervorgehoben. Für sie bedeutet die Einführung des Elektroantriebs nicht, dass das Fahrerlebnis vollständig digital werden muss.

«Wenn das Auto elektrisch ist, muss die Schnittstelle nicht unbedingt digital sein».»

Im offiziellen Ferrari-Video kritisiert Jony Ive eine Idee, die in der Automobilindustrie fast automatisch geworden ist: die Idee, in Elektroautos mehr Bildschirme zu verwenden.

Seiner Meinung nach ist diese Argumentation falsch.

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«Es gibt diese seltsame Vorstellung, dass wenn die Energiequelle elektrisch ist, dann muss die Schnittstelle digital sein. Das ergibt keinen Sinn».»

Für den britischen Designer muss ein Sportwagen vor allem ein sensorisches und intuitives Erlebnis bieten, bei dem sich der Fahrer nie durch eine komplexe Benutzeroberfläche abgelenkt fühlt. Wenn die Schnittstelle schlecht durchdacht oder zu digital ist, kann sie sogar den Fahrspaß beeinträchtigen.

Das Ziel des Teams war es daher, ein klares, aufgeräumtes und intuitives Cockpit zu entwerfen, das es dem Fahrer ermöglicht, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: das Fahren.

Ein Lenkrad, das von der Formel 1 und klassischen Ferraris inspiriert ist

Eines der zentralen Elemente des Projekts war das Design des Lenkrads. Die Designer untersuchten zwei wichtige Referenzen: das Lenkrad der Formel-1-Rennwagen und das klassische Ferrari-Lenkrad mit drei Speichen. Das Ergebnis ist ein Dreispeichenlenkrad aus eloxiertem Aluminium, das so konzipiert ist, dass es sowohl modern als auch tief in der Geschichte der Marke verwurzelt ist. Die gesamte Philosophie des Projekts beruht auf einer einfachen Idee: das Design verschwinden zu lassen, um Platz für das Offensichtliche zu schaffen. Wenn ein Objekt gut gestaltet ist", so die Designer, "muss es fast natürlich wirken, als wäre es nie entworfen worden.

Eine körperlichere Beziehung zwischen Fahrer und Auto

Anstatt eine vollständig berührungsempfindliche Benutzeroberfläche zu schaffen, wollte das Team eine physische und taktile Beziehung zum Auto beibehalten.

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Im Ferrari Luce sind viele wichtige Funktionen weiterhin über mechanische Bedienelemente zugänglich. Die Klimaanlage zum Beispiel verfügt über spezielle physische Tasten, mit denen Sie schnell die Temperatur, die Gebläsegeschwindigkeit oder die Sitzbelüftung einstellen können, ohne die Augen von der Straße zu nehmen.

Ferrari spricht von einem «artikulierten Bedienfeld», das einen digitalen Bildschirm mit physischen Bedienelementen kombiniert. Der Touchscreen bleibt für einige Funktionen wie Navigation, Medien oder erweiterte Einstellungen vorhanden, steht aber nicht im Mittelpunkt des Fahrerlebnisses.

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Ein elektrischer Ferrari, der eine «fast illegale» Erfahrung verspricht»

Die ersten Testfahrten mit dem Auto fanden auf der Rennstrecke von Balocco mit den Ferrari-Testfahrern und den Projektteams statt. Laut denjenigen, die das Auto ausprobieren konnten, ist das Erlebnis schwer zu beschreiben. Einige sprechen sogar von einem «fast illegalen» Gefühl, da das Auto gleichzeitig leistungsstark, funktional und angenehm zu fahren sein soll.

Für Ferrari ist die Mission klar: zu beweisen, dass ein Elektroauto den Spaß, die Emotionen und die Einfachheit eines Ferraris bewahren kann. Und wenn man Jony Ive glaubt, könnte der Schlüssel gerade darin liegen, der Versuchung zu widerstehen, das Auto in ein riesiges Tablet auf Rädern zu verwandeln.

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