
Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würde man Barcelona und eine nasse Strecke wählen, um die ersten echten Testfahrten der Formel 1 SF-26 konnte kontraintuitiv erscheinen. Doch in Maranello ging es nie um die reine Leistung. Nach einem ersten Shakedown in Fiorano, bei dem nur 15 Kilometer zurückgelegt wurden, nutzte die Scuderia den ersten Tag in Katalonien am 27. Januar, um die Gesamtfunktion aller Systeme des Autos zu überprüfen. Die 121 gefahrenen Runden waren also nicht auf die Suche nach einer Rundenzeit ausgerichtet, sondern sollten die technischen Grundlagen für die Saison legen. Auch wenn die Datenerhebung absolut gesehen nicht zentral war, wurde nichts dem Zufall überlassen: Alle gesammelten Informationen, insbesondere über das Verhalten des Autos unter feuchten Bedingungen, werden derzeit in Maranello ausgewertet. Eine diskrete, aber wichtige Arbeit in der Vorsaison, in der die Zuverlässigkeit und das Verständnis der neuen Systeme wichtiger sind als alles andere.
Erste Fahrt im Regen
Die Wetterbedingungen boten schließlich Scuderia Ferrari eine seltene Gelegenheit: sehr früh in der Saison auf einer nassen Strecke zu fahren. Perfekt, um die kürzlich von der FIA eingeführten Lösungen zu testen, insbesondere im Bereich der aktiven Aerodynamik. Neben den mittlerweile klassischen Modi "Straight Mode" zur Verringerung des Luftwiderstands auf gerader Strecke und "Corner Mode" zur Maximierung des Abtriebs in Kurven gibt es noch einen dritten Modus: den "Partial Mode". In dieser Einstellung kann nur der Frontflügel geöffnet werden, während der Heckflügel geschlossen bleibt, um Stabilität und Traktion zu gewährleisten.

Auf den wenigen Bildern, die an diesem ersten Tag gezeigt wurden, kann man deutlich erkennen, wie der SF-26 dieses Verhalten auf geraden Strecken an den Tag legt. Der Frontflügel senkt sich, um den Luftwiderstand zu verringern, während der Heckflügel belastet bleibt und so ein plötzliches Ungleichgewicht der Hinterachse verhindert. Die FIA wird auf jeder einzelnen Rennstrecke bestimmte Bereiche festlegen, in denen die teilweise oder vollständige Aktivierung der Aerodynamik erlaubt ist.
Charles gab uns einen ersten Einblick in den partiell aktiven Aeromodus, bei dem nur der Frontflügel bei Wind geöffnet wird. Dieser Modus ist speziell für nasse Bedingungen gedacht. pic.twitter.com/WVWQZKGVZX
- brakeboosted (@brakeboosted) Januar 27, 2026
Eine Aktivierung der Flossen, die herausfordert
Es war jedoch ein anderes, subtileres Detail, das die Aufmerksamkeit der aufmerksamsten Beobachter, darunter AutoRacer, auf sich zog. Schon in Fiorano und dann noch einmal in Barcelona wurde beobachtet, dass Ferrari den Heckflügel etwas früher öffnete als den Frontflügel. Ein winziger Unterschied, der in Sekundenbruchteilen gemessen wird, aber dennoch auffällig genug ist, um Fragen aufzuwerfen. Diese Reihenfolge unterscheidet sich von der anderer Teams, allen voran Mercedes, die eine perfekt synchronisierte Aktivierung der beiden aerodynamischen Elemente bevorzugen. Auf einer nassen Strecke könnte diese Verzögerung einen bestimmten Zweck erfüllen: die Stabilität des Autos zu erhalten.
In Fiorano konnte diese Besonderheit noch als bloße provisorische Einstellung oder unvollständige Feinabstimmung der Systeme interpretiert werden. Ihr Wiederauftauchen in Barcelona ändert jedoch die Lesart. Alles deutet darauf hin, dass es sich um ein freiwilliges Experiment handelt, das in die Arbeitsstrategie von Ferrari für diese Phase der Saisonvorbereitung eingebettet ist. Die Scuderia erforscht damit eine andere Logik der Aktivierung.

Während der zweite Testtag für die Scuderia Ferrari zu Ende ging, lieferten sie noch keine Hinweise auf das Bruttopotenzial des SF-26. Stattdessen bestätigen sie, dass Ferrari die neue Ära der Vorschriften mit Methode angeht und jeden Kilometer nutzt, um zu lernen, zu testen und zu verstehen.