Stellantis hat gerade eine Geldstrafe von mindestens 800 Millionen € vermieden: Fiat hauptverantwortlich, Leapmotor als Retter?

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Während Stellantis kündigt massive Investitionen in den USA und Lateinamerika an, während die europäische Strategie der Gruppe viel defensiver erscheint. Hier geht es nicht mehr darum, ein dynamisches Wachstum zu begleiten, sondern den Schaden eines als einschränkend und kostspielig empfundenen Regulierungsrahmens zu begrenzen. Die jüngste Lockerung der europäischen Regeln für CO₂-Emissionen ist daher nicht anekdotisch: Sie ermöglichte es dem von Antonio Filosa geleiteten Konzern, eine finanzielle Strafe von außergewöhnlichem Ausmaß zu vermeiden.

Laut einer Studie von Dataforce hätte Stellantis ohne diese von Brüssel gewährte Flexibilität ab 2025 mit einer theoretischen Geldstrafe von über 800 Millionen Euro rechnen müssen - allein auf dem italienischen Markt. Eine Zahl, die die wiederholte Kritik des Konzerns an der europäischen Klimapolitik in einem neuen Licht erscheinen lässt.

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2025: CO₂-Standards sind explosionsartig teuer geworden

Ab 2025 mussten sich die europäischen Autohersteller mit deutlich strengeren Emissionsgrenzwerten auseinandersetzen. Der Zieldurchschnitt wurde auf etwa 94 g CO₂ pro Kilometer gesenkt, wobei die Strafe auf 95 Euro pro überschrittenem Gramm und verkauftem Fahrzeug festgelegt wurde. Ein gefürchteter Mechanismus für Konzerne, die stark von herkömmlichen Verbrennungsmotoren und Hybridantrieben abhängig sind. Auf Druck der Industrie stimmte die Europäische Kommission schließlich einer Änderung der Spielregeln zu, indem sie von einer jährlichen Kontrolle zu einem über drei Jahre, zwischen 2025 und 2027, berechneten Durchschnitt überging. Durch diese Entscheidung konnten bereits im ersten Jahr Sanktionen vermieden werden, die sich auf schwindelerregende Beträge hätten belaufen können. Die Analyse von Dataforce zeigt genau, was ohne diese Öffnung passiert wäre.

Fiat an vorderster Front, Stellantis massiv in Italien exponiert

In Italien, wo Stellantis weiterhin Marktführer ist, wären die Auswirkungen besonders gravierend gewesen. Fiat scheint die am stärksten gefährdete Marke auf dem gesamten italienischen Markt zu sein. Das Ziel für 2025 lag bei 99,2 g/km, aber der tatsächliche durchschnittliche Absatz hätte 117 g/km betragen, was allein eine theoretische Strafe von 251 Millionen Euro zur Folge gehabt hätte.

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Bei den anderen Marken des Konzerns wäre die Situation kaum besser gewesen. Peugeot hätte 133 Millionen Euro an Strafen generiert, mit 114 g/km bei einem Ziel von 95,6 g/km. Jeep hätte 103 Millionen Euro angehäuft (113 g/km gegenüber 95,7 g/km), ein Betrag, der mit dem von Citroën identisch ist, ebenfalls 103 Millionen, mit 116 g/km bei einem Ziel von 96,5 g/km. Opel soll 67 Millionen Euro hinzugefügt haben, während Alfa Romeo, obwohl eher vertraulich, 58 Millionen Euro beigetragen haben soll. Insgesamt hätte Stellantis allein für Pkw in Italien 715 Millionen Euro an theoretischen Strafen angehäuft.

Leapmotor begrenzt den Schaden, ohne den Kern des Problems zu verändern

Dieser Betrag wäre jedoch dank Leapmotor, dem chinesischen Partner von Stellantis, an dem die Gruppe 19 % des Kapitals hält, teilweise reduziert worden. Dank des starken Anstiegs seiner Verkäufe von Elektrofahrzeugen hätte Leapmotor einen geschätzten CO₂-Kredit von 70 Millionen Euro generiert, wodurch die theoretische Rechnung von Stellantis auf 645 Millionen Euro für die Autos reduziert worden wäre. Eine relative Erleichterung, die nichts an der allgemeinen Feststellung ändert: Ohne regulatorische Flexibilität wäre die finanzielle Belastung des Konzerns weiterhin extrem hoch gewesen.

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Volkswagen und Audi ebenfalls mit hohen Strafen belegt

Stellantis wäre kein Einzelfall gewesen. Die Dataforce-Studie zeigt, dass mehrere europäische Hersteller ebenfalls schwer betroffen gewesen wären. Volkswagen hätte eine theoretische Geldstrafe von 238 Millionen Euro zahlen müssen, mit einem Durchschnittswert von 118 g/km bei einem Zielwert von 95,7 g/km. Bei Audi wäre die Situation noch kritischer gewesen. Mit einem Zielwert von 91,9 g/km und einem tatsächlichen Wert von 135 g/km hätte die Marke mit den Ringen die höchste Einzelstrafe erhalten, die auf 282 Millionen Euro geschätzt wurde. Für den gesamten Volkswagen-Konzern hätte dies eine Gesamtsumme von mehr als einer halben Milliarde Euro bedeutet.

Toyota und die chinesischen Hersteller in einer starken Position

Im Gegensatz dazu wäre Toyota den Sanktionen fast entgangen. Dank seiner Hybridstrategie hätte der japanische Hersteller bei einem Zielwert von 96,7 g/km einen Wert von 96 g/km erreicht und damit sogar einen theoretischen Kredit von 8 Millionen Euro erhalten. Die größten Gewinner des Systems wären jedoch die überwiegend ausländischen Hersteller von 100 %-Elektroautos gewesen. Byd hätte ein Guthaben von 181 Millionen Euro angesammelt, vor Tesla mit 114 Millionen Euro und Leapmotor mit 70 Millionen Euro. Das Bild ist bezeichnend für einen europäischen Markt, auf dem die etablierten Generalisten gegenüber den Akteuren, die sich bereits auf reine Elektrofahrzeuge spezialisiert haben, benachteiligt sind.

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Nutzfahrzeuge lassen Stellantis' Rechnung explodieren

Für Stellantis hätte sich die Situation durch die Einbeziehung von leichten Nutzfahrzeugen noch verschärft. In diesem Segment hätte Fiat mit 172 g/km bei einem Ziel von 150 g/km 92 Millionen Euro zusätzlich erwirtschaftet und damit sein Gesamtexposure Pkw + Nutzfahrzeuge auf fast 350 Millionen Euro erhöht. Peugeot hätte 39 Millionen Euro hinzugefügt, Citroën 24 Millionen und Opel 13 Millionen. Insgesamt hätten die Nutzfahrzeuge 168 Millionen Euro an zusätzlichen Strafen ausgemacht. Bei einer Kumulierung von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen hätte die theoretische Strafe für Stellantis in Italien im Jahr 2025 813 Mio. EUR betragen.

Ein verschobenes Problem, aber noch lange nicht gelöst

Vorerst wird Stellantis nichts zahlen müssen. Dank der von Brüssel gewährten Flexibilität konnte der Termin verschoben und eine sofortige Sanktion vermieden werden, die die Konten des Konzerns stark belastet hätte. Doch das Problem ist noch lange nicht aus der Welt geschafft. Die Ziele, die bis 2027 erreicht werden sollen, liegen weiterhin in weiter Ferne, und die gewonnene Zeit verringert nur den kurzfristigen Druck. Ohne eine deutliche Beschleunigung des Übergangs zu emissionsarmen und emissionsfreien Modellen könnten die heute theoretischen Strafzahlungen in Höhe von Milliarden Euro schnell sehr real werden. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Rede von Antonio Filosa an Bedeutung: In Europa geht es nicht mehr nur darum, zu investieren, sondern zu verhindern, dass die Regulierung zu untragbaren strukturellen Kosten für die Massenautomobilindustrie wird.

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