Stellantis zahlte 26 Millionen $ an einen Lieferanten, um einen Produktionsstopp zu verhindern ... jetzt fordert er weitere 70 Millionen $.

Dies ist ein neuer Konflikt, der die derzeitigen Spannungen in der Automobilindustrie sehr gut veranschaulicht. Stellantis befindet sich heute in einem Machtkampf mit seinem Zulieferer ZF Chassis Modules in Nordamerika, und die Situation hat bereits konkrete Auswirkungen auf die Produktion.

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Alles beginnt mit einer Meinungsverschiedenheit über die Preise für bestimmte Schlüsselkomponenten, die insbesondere mit der Radaufhängung zusammenhängen. Stellantis zufolge forderte der Lieferant wiederholt Preiserhöhungen bei bereits unterzeichneten Verträgen. Diese Strategie hielt der Hersteller für inakzeptabel und beschuldigte ZF, ein radikales Druckmittel eingesetzt zu haben: die Lieferungen einzustellen.

Eine bereits stillgelegte Fabrik in Mexiko

Die Auswirkungen dieses Konflikts ließen nicht lange auf sich warten. Seit dem 14. März steht das Werk in Toluca, Mexiko, praktisch still. An diesem strategisch wichtigen Standort werden unter anderem der Jeep Compass und der zukünftige Cherokee hergestellt, zwei wichtige Modelle für Stellantis auf dem nordamerikanischen Markt.

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Der Grund dafür ist einfach: Ohne Fahrwerkskomponenten können keine Fahrzeuge zusammengebaut werden. Und in einer Just-in-Time-Industrie, in der die Lagerbestände auf ein absolutes Minimum reduziert sind, führt die geringste Lieferunterbrechung sofort zum Stillstand der Produktionslinien.

26 Millionen bereits bezahlt ... und eine neue hohe Rechnung

Was diesen Fall noch spektakulärer macht, ist die Höhe der Summen, die auf dem Spiel stehen. Um einen ersten Produktionsstopp zu verhindern, hatte Stellantis bereits im Dezember zugestimmt, tiefer in die Tasche zu greifen und dem Lieferanten über 26 Millionen US-Dollar zu zahlen, zusätzlich zu den ohnehin schon erheblichen Preiserhöhungen. Dies reichte jedoch nicht aus. ZF Chassis Modules kam mit einer neuen Forderung zurück: über 70 Millionen US-Dollar zusätzlich, zwischen Direktzahlungen und Preiserhöhungen. Eine finanzielle Eskalation, der Stellantis nun nicht mehr folgen wollte.

Justiz als Notfall gerufen

Angesichts dieser kritischen Situation beschloss Stellantis, den Fall vor Gericht zu bringen. Das Ziel ist klar: Der Lieferant soll gezwungen werden, die Lieferungen wieder aufzunehmen, um eine vollständige Blockade seiner Produktion in Nordamerika zu verhindern.

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In den USA hatte ein Richter bereits eine einstweilige Verfügung erlassen, die ZF dazu zwang, die Lieferungen an das Werk im kanadischen Windsor fortzusetzen. Dieser Standort, der rund 5.500 Mitarbeiter beschäftigt und unter anderem den Chrysler Pacifica und den Dodge Charger herstellt, konnte so eine sofortige Stilllegung verhindern.

Diese Entscheidung bleibt jedoch vorläufig: Für den 6. April ist eine weitere Anhörung angesetzt, und die Zukunft der Produktion wird weitgehend von deren Ausgang abhängen. In Mexiko wird eine ähnliche Entscheidung erwartet, um das Werk in Toluca schnell wieder in Betrieb zu nehmen, möglicherweise schon Ende März oder Anfang April.

Eine Lieferkette unter maximalem Druck

Dieser Konflikt wirft ein Schlaglicht auf eine bekannte Anfälligkeit der Automobilbranche: die extreme Abhängigkeit von Zulieferern in einem “Just-in-time”-Modell. Stellantis hat für einige kritische Komponenten nur wenige Stunden auf Lager. Die kleinste Unterbrechung wird zu einem großen Risiko. Und sollte die Blockade länger andauern, könnten die Folgen weitaus größer sein und nicht nur Stellantis, sondern die gesamte Zuliefererkette betreffen.

Ein besonders sensibles Timing

Diese Krise kommt für Stellantis zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Der Konzern, der von Antonio Filosa geleitet wird, hat ein besonders schwieriges Jahr 2025 hinter sich, das von mehr als 22 Milliarden Euro an Belastungen geprägt war, die insbesondere mit der Anpassung seiner Elektrostrategie zusammenhängen.

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Vor allem aber muss im Mai 2026 ein neuer Industrieplan vorgelegt werden. Die Spannungen mit einem Schlüssellieferanten wie ZF Chassis Modules könnten daher einen zusätzlichen Druck auf eine bereits heikle Situation ausüben.

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