
Zwischen 2021 und 2025, Stellantis hat sich von einer Geldmaschine, die aus der PSA-FCA-Fusion hervorgegangen ist, zu einem Konzern entwickelt, der sich in einem strategischen «Reset» befindet. Hinter den offiziellen Reden über die Energiewende und den industriellen Wandel erzählen die Zahlen eine viel nuanciertere Geschichte: die Geschichte eines Giganten, der zunächst florierte ... bevor er seinen Kurs brutal korrigieren musste.
Das Jahr 2025 markiert einen historischen Wendepunkt mit einem Nettoverlust von 22,3 Milliarden Euro, der vor allem mit 25,4 Milliarden Euro an außergewöhnlichen Belastungen zusammenhängt, die dazu dienen sollen, die Strategie des Konzerns neu zu definieren. Um diesen Wendepunkt zu verstehen, muss man jedoch bis ins Jahr 2021 zurückgehen.
2021 - 2023: Die goldenen Jahre
Nach seiner Gründung durchläuft Stellantis eine Phase außergewöhnlicher Rentabilität.
| Jahr | Verkäufe (M) | Umsatz (Mrd. €) | Gewinn (Mrd. €) | Marge | Free Cash Flow (Mrd. €) |
|---|---|---|---|---|---|
| 2021 | 6,5 | 152 | 14,2 | 11,8% | 6,1 |
| 2022 | 5,8 | 179,5 | 16,7 | 13% | 10,8 |
| 2023 | 6,2 | 189,5 | 18,6 | 12,8% | 12,9 |
In nur drei Jahren steigert der Konzern seinen Umsatz um fast 40 Milliarden Euro, seinen Gewinn um mehr als 4 Milliarden Euro und vor allem seine Cashflow-Generierung, die bis 2023 fast 13 Milliarden Euro erreicht.
Diese Leistung beruhte auf einer einfachen Strategie: starke Kostendisziplin, eine höhere Produkt- (und Preis-) Qualität und die Priorität der Rentabilität gegenüber dem Volumen. Stellantis wurde zu einem der profitabelsten Hersteller der Welt.
2024: Der Bruch
Das Jahr 2024 markiert den Beginn des Umschwungs.
| Jahr | Verkäufe (M) | Umsatz (Mrd. €) | Gewinn (Mrd. €) | Marge | Free Cash Flow (Mrd. €) |
|---|---|---|---|---|---|
| 2024 | 5,4 | 156 | 5,5 | 5,5% | -6 |
Der Umsatz fällt im Vergleich zu 2023 um mehr als 30 Milliarden Euro. Der Gewinn sinkt um mehr als ein Drittel. Und vor allem wird der freie Cashflow negativ. Die Gründe dafür sind vielfältig: Marktabschwächung, Preisdruck, die unerwartet teure Stromumstellung, Schwierigkeiten bei bestimmten Produkten. Das ultraprofitable Modell zeigt seine Grenzen.
2025: Das Jahr des Schocks
Mit einem Umsatz von 153,5 Milliarden Euro (-2 %), einer negativen operativen Marge von -0,5 % und einem weiterhin negativen Free Cashflow von -4,5 Milliarden € rutscht Stellantis offiziell in die roten Zahlen.
| Jahr | Verkäufe (M) | Umsatz (Mrd. €) | Gewinn (Mrd. €) | Marge | Free Cash Flow (Mrd. €) |
|---|---|---|---|---|---|
| 2025 | 5,5 | 153 | -22 | -0,5% | -4,5 |
Dieser massive Verlust ist nicht nur Ausdruck eines schlechten Geschäftsjahres. Er ist das Ergebnis einer strategischen Entscheidung: Der Kurs der Gruppe muss grundlegend überarbeitet werden. Stellantis spricht nun von einem «Reset», um die Überschätzung des Tempos des Übergangs zum Elektroantrieb, die Produktentscheidungen, bestimmte Garantie- und Qualitätsannahmen und die industrielle Organisation zu korrigieren.
Wiederkehrendes Wachstum... zum Jahresende
Trotz dieser insgesamt negativen Bilanz liefert das zweite Halbjahr 2025 ein ermutigendes Signal. Der Umsatz stieg in diesem Zeitraum um 10 %. Die Volumina steigen wieder an, mit +11 % an Fakturierungen im zweiten Halbjahr, einschließlich einer deutlichen Verbesserung in Nordamerika.
Im Gesamtjahr liefert Stellantis 5,48 Millionen Fahrzeuge aus, ein leichter Anstieg im Vergleich zu 2024. Der negative Free Cashflow im zweiten Halbjahr wird im Vergleich zum ersten Halbjahr halbiert. Dies ist der Beginn einer Stabilisierung.
Eine Geografie im Wandel
Hinter den Gesamtzahlen ist die regionale Entwicklung aufschlussreich.
Europa: Struktureller Rückgang
| Jahr | Verkäufe (M) | Einkommen (Mrd. €) |
|---|---|---|
| 2021 | 3,1 | 59 |
| 2022 | 2,6 | 63 |
| 2023 | 2,7 | 66 |
| 2024 | 2,6 | 59 |
| 2025 | 2,5 | 57,7 |
Europa bleibt der größte Markt nach Volumen, geht aber allmählich zurück. Die Marge ist von 9,8 % im Jahr 2022 auf -1,1 % im Jahr 2025 gesunken.
Nordamerika: immer noch eine Säule ... aber unter Druck
| Jahr | Verkäufe (M) | Einkommen (Mrd. €) |
|---|---|---|
| 2021 | 2 | 69 |
| 2022 | 1,8 | 85 |
| 2023 | 1,8 | 88 |
| 2024 | 1,4 | 63 |
| 2025 | 1,4 | 60,9 |
Nachdem die Region der Rentabilitätsmotor der Gruppe war, leidet sie nun unter einem starken Rückgang der Einnahmen. Die Marge ist von 16,4 % im Jahr 2022 auf -3,1 % im Jahr 2025 gesunken.
Südamerika: die positive Überraschung
| Jahr | Verkäufe (M) | Einkommen (Mrd. €) |
|---|---|---|
| 2021 | 0,8 | 10 |
| 2025 | 1 | 16,2 |
Das Wachstum wird dort von Brasilien und Argentinien getragen. Die Marge sinkt von 13,1 % im Jahr 2022 auf 12,1 % im Jahr 2025.
Weniger Bargeld, weniger Dividenden
Der Zykluswechsel ist auch bei der Vergütung der Aktionäre sichtbar.
| Jahr | Dividenden (Mrd. €) |
|---|---|
| 2022 | 3,3 |
| 2023 | 4,2 |
| 2024 | 4,6 |
| 2025 | 0 |
Angesichts der Ende 2025 verfügbaren Barmittel in Höhe von 46 Milliarden Euro, aber einer unzureichenden Cash-Generierung, setzt Stellantis die Dividendenzahlung 2026 im Vergleich zum Jahr 2025 aus. Eine starke Entscheidung.
2026: Der Wiederaufbau
Die Gruppe strebt nun ein moderates Umsatzwachstum, eine wieder positive operative Marge und eine allmähliche Rückkehr zur Cashflow-Generierung an. Das Ziel ist klar: 2027 soll der Free Cashflow wieder positiv sein.
Zwischen 2021 und 2023 zeigte Stellantis eine außergewöhnliche Rentabilität. Diese Leistung beruhte jedoch zum Teil auf einem Modell, das nur schwer langfristig aufrechtzuerhalten war. 2024 begann der Abschwung. 2025 wurde das Unternehmen in Frage gestellt.
Mit diesem «Reset» räumt Stellantis implizit ein, dass die Transformation in Richtung Elektroantrieb, Digitalisierung und Globalisierung nicht ohne größere Anpassungen erfolgen kann. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob der Schock von 2025 nur ein Zwischenspiel bleiben wird ... oder der eigentliche Beginn eines neuen Stellantis.