
Der Kontrast ist krass. Auf der einen Seite, Stellantis zahlt weiterhin Millionen von Euro im Zusammenhang mit dem Abgang ihres ehemaligen Generaldirektors Carlos Tavares (das ist vertraglich festgelegt). Auf der anderen Seite müssen die italienischen Arbeiter des Konzerns im Jahr 2026 auf ihre Produktionsprämien verzichten. Eine Situation, die den sozialen Zorn in mehreren Fabriken schürt, und das zu einem Zeitpunkt, an dem die Geschäftsleitung behauptet, die Zukunft des Konzerns nach einem Jahr 2025, das von kolossalen Verlusten geprägt war, neu aufbauen zu wollen.
Tavares kostet weiterhin viel Geld
Der am 26. Februar veröffentlichte Finanzbericht für 2025 enthüllt eine nicht zu übersehende Tatsache: Auch nach seinem Ausscheiden Ende 2024 wird Carlos Tavares weiter bezahlt. Der ehemalige Chef, der 2024 bereits 23 Millionen Euro erhalten hatte, erhielt 2025 noch fast 12 Millionen Euro. Mit anderen Worten: Die Rechnung im Zusammenhang mit seinem Ausscheiden aus dem Unternehmen ist noch lange nicht beglichen.
In demselben Dokument führt Stellantis auch die Vergütungen der neuen Geschäftsführung detailliert auf: Antonio Filosa, der im Mai 2025 CEO wurde, erhielt 5,42 Millionen Euro. John Elkann, der Vorsitzende der Gruppe, erhielt rund 2,45 Millionen Euro. Diese Beträge verdeutlichen die hohen Kosten des Managementwechsels, der nach dem Rauswurf von Tavares eingeleitet wurde.
Ein Jahr 2025 unter Spannung
Offiziell nimmt Stellantis eine Phase der tiefgreifenden Transformation an. John Elkann und Antonio Filosa sprechen von einem «entscheidenden» Jahr, das von schwierigen Entscheidungen vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Spannungen, regulatorischer Unsicherheiten und zunehmender Konkurrenz geprägt war.
Antonio Filosa räumte insbesondere einen großen strategischen Fehler ein: Der Konzern habe «die Geschwindigkeit der Einführung von Elektroautos überschätzt». Diese Fehleinschätzung hat zu einem massiven Verlust beigetragen, der auf über 22 Milliarden Euro geschätzt wird. Als direkte Folge davon liegt der Schwerpunkt nun auf der finanziellen Sanierung, wobei ab 2026 eine schrittweise Rückkehr zur Rentabilität erwartet wird. Diese Sanierung hat jedoch unmittelbare soziale Kosten zur Folge.
Kein Bonus für italienische Arbeiter
In mehreren italienischen Industriestandorten, darunter Mirafiori oder Termoli, erfuhren die Beschäftigten, dass die Produktionsprämie 2025 einfach gestrichen werden sollte. Im Jahr 2025 hatten einige Arbeiter bis zu 2.000 Euro erhalten. In diesem Jahr wird der Betrag - null betragen.
Der offizielle Grund ist einfach: Die finanziellen Ziele wurden nicht erreicht. Für die Gewerkschaften ist dies jedoch eine «doppelte Bestrafung». Die Beschäftigten haben in den letzten Jahren bereits längere Zeiträume von Kurzarbeit erlitten. Viele hatten sogar über interne Pläne in die Aktien des Konzerns investiert. Jetzt werden ihnen die Boni vorenthalten, und das zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen weiterhin für die Folgen vergangener strategischer Entscheidungen bezahlen muss. In Mirafiori geht die Wiederaufnahme der Produktion des Fiat 500 Hybrid also mit einem Paradoxon einher: mehr produzieren, aber kein zusätzlicher Gewinn auf dem Lohnzettel.
Die Wut in den Fabriken steigt
Diese Entscheidung löste soziale Bewegungen aus. Vor allem in Turin und Termoli wurde gestreikt, um gegen die Streichung des Bonus zu protestieren. Die Gewerkschaften machen direkt das frühere Management verantwortlich und warnen vor einem möglichen Rückzug aus der Industrie in Italien.
Einige Vertreter weisen auch auf eine Situation hin, die schwer zu akzeptieren ist: Während den italienischen Beschäftigten die Prämien gestrichen werden, zahlt Stellantis in anderen Teilen der Welt, in denen der Konzern mehr investiert, wie in Nordafrika oder Südamerika, weiterhin Prämien.
Die aktuelle Situation verdeutlicht eine tiefe Kluft. Auf der einen Seite behauptet das Management, Stellantis um eine kundenorientierte Strategie und eine bessere industrielle Ausführung herum wieder aufbauen zu wollen.
Auf der anderen Seite sind die italienischen Arbeiter der Meinung, dass sie den Preis für die Fehler der Vergangenheit zahlen müssen, insbesondere für die Fehler im Zusammenhang mit dem Übergang zur Elektrizität. Und während das Unternehmen verspricht, 2026 wieder zu wachsen, bleibt eine Realität auch 2025 bestehen: Die Millionen Euro im Zusammenhang mit dem Abgang von Carlos Tavares werden weiterhin gezahlt... während die Boni für die Arbeiter verschwinden.