
Transformieren einer Lamborghini Murciélago von einem Allradantrieb zu einem einfachen Heckantrieb ist keine einfache Änderung. In einem kürzlich veröffentlichten Youtube-Video dokumentiert ein Murciélago-Besitzer genau diesen Umbau, der mit Hilfe von Nick, dem Entwickler des eingebauten Kits, durchgeführt wurde. Er sagte, dass der ursprüngliche Allradantrieb "archaisch" sei, vergleichbar mit dem Prinzip einiger Audis aus den 1990er Jahren, mit begrenzten Vorteilen unter Bedingungen mit geringer Bodenhaftung. Ein Wechsel zu einem Zweiradantrieb würde hingegen die bekannten Einschränkungen bei diesen Modellen, insbesondere bei der Kupplung, verringern und gleichzeitig das Auto deutlich leichter und die Lenkung leichter machen.
"Der Allradantrieb ist archaisch"
Der Allradantrieb des Murciélago wäre also ein "archaisches" System. Wenn man nicht im Schnee fährt, ist der Gewinn durch den Allradantrieb begrenzt. Wenn man auf Zweiradantrieb umschaltet, nimmt man einen großen Teil der Belastung von der Kupplung. Beim Murciélago ist dies einer der empfindlichsten Punkte. Zweitens das Gefühl: Die Lenkung soll leichter sein, und das Auto fühlt sich spritziger an, weil es nicht mehr alles vorher antreiben muss. Ein weiterer, fast schon anekdotischer Vorteil ist eine leichte Verbesserung des Kraftstoffverbrauchs.

Das Set
Noch bevor wir unter das Auto gehen, widmet sich das Video dem zentralen Element des Umbaus: dem von Nick entworfenen Bausatz. Das Ziel ist einfach: den Murciélago ohne sichtbare Basteleien in einen Heckantrieb umzuwandeln und dabei eine kohärente und mechanisch logische Installation beizubehalten. Nick zeigt zunächst die Basis des Getriebeträgers, ein bearbeitetes Teil, das mit dem Rahmen verschraubt wird. Bei diesem Umbau kommt ihr eine Schlüsselrolle zu: Nachdem die Vorderachse von ihren Antriebsorganen "entlastet" wurde, muss der Wegfall einiger Stützpunkte kompensiert werden. Hier kommt ein besonders interessantes Detail zum Vorschein: Der Bausatz verwendet ein Teil eines Ferrari 355! Lustige Hochzeit" zwischen zwei italienischen Marken.

Der Bausatz enthält auch Elemente, mit denen der Vorderradantrieb entfernt werden kann, ohne die Naben zu schwächen. Der Besitzer betont: Man kann die vorderen Antriebswellen nicht einfach entfernen, da dies ein Problem mit der Belastung und dem Halt in den Lagern darstellen würde. Die gewählte Lösung ist also ein System, das so konzipiert ist, dass man die unnötigen Organe entfernen kann und gleichzeitig eine Struktur erhält, die mit den mechanischen Belastungen der Vorderachse kompatibel ist.


Der Umbau beschränkt sich nicht auf das Entfernen einiger Teile. Das Video zeigt deutlich, dass der Vorgang mit dem vollständigen Ausbau des Vorderachsdifferenzials beginnt, ein unumgänglicher Schritt, um an die Antriebswellen heranzukommen. Ohne diesen vorherigen Ausbau ist es nicht möglich, alle mit dem Allradantrieb verbundenen Teile sauber zu entfernen. Der Eingriff erfordert also Zeit, Methode und eine gute Kenntnis der besonderen Architektur des Murciélago.
Weniger Gewicht auf der Waage
Sobald die Teile ausgebaut sind, lässt sich die Gewichtsersparnis schnell beziffern. Allein das Vorderachsdifferenzial bringt etwa 27 kg auf die Waage. Zusammen mit den beiden Antriebswellen und den dazugehörigen Teilen ergibt sich eine Gesamtgewichtsersparnis von etwas mehr als 50 kg. Eine deutliche Reduzierung, zumal sie größtenteils die Frontpartie des Fahrzeugs betrifft. Diese Gewichtsverlagerung wirkt sich direkt auf das dynamische Verhalten aus. Weniger Gewicht auf der Vorderachse bedeutet eine leichtere Lenkung und ein reaktionsfreudigeres Fahrgefühl, aber auch eine veränderte Balance, bei der die Hinterachse mehr Verantwortung übernimmt.



Ein lebhafterer Murciélago... und anspruchsvoller
Bei den ersten Fahrten ist der Unterschied sofort spürbar. Die Lenkung fühlt sich leichter an, das Gaspedal reagiert direkter und der Wagen wirkt williger beim Einlenken in Kurven. Diese Lebendigkeit hat jedoch eine Kehrseite: Ohne die zusätzliche Traktion des Allradantriebs ist der Murciélago am Limit deutlich schwieriger zu fahren. Selbst auf sehr guten Reifen übersteuert das Auto leicht, selbst bei Drehzahlen, die für einen V12-Saugmotor relativ niedrig sind. Der Besitzer gibt selbst zu, dass der Antrieb das Auto einschüchternder macht, vor allem beim Schalten und Gasgeben am Kurvenausgang. Wo der Allradantrieb eine Form von Sicherheit bot, erfordert der Heckantrieb nun mehr Feingefühl und Antizipation.


Der Besitzer betont, wie wichtig dies ist. Wenn man das Auto auf einer privaten Piste am Limit testet, kann man vermeiden, dass man seine brutalsten Reaktionen auf offener Straße entdeckt. Und im konkreten Fall des Murciélago erfordert die Umstellung auf Heckantrieb eine Phase des Umlernens, da sich der Charakter des Autos so stark verändert.

Eine wirklich archaische Übertragung?
Letztendlich bleibt die Frage offen. Ist der Allradantrieb des Murciélago wirklich archaisch, oder ist er im Gegenteil ein Schlüsselelement für sein gesundes und beruhigendes Verhalten? Das Video zeigt deutlich, dass der AWD eine Form von Stabilität bietet, insbesondere angesichts des hohen Drehmoments des V12 und des manchmal brutalen Charakters des E-Gear-Antriebs. Umgekehrt offenbart der Umbau auf Heckantrieb ein lebhafteres, ausdrucksstärkeres, aber auch deutlich anspruchsvolleres Auto, das mehr Engagement und Kontrolle vom Fahrer verlangt.
Diese Debatte ist für Lamborghini übrigens nicht neu. Die Marke hat bei ihren zeitgenössischen Modellen oft die gleiche Logik verfolgt: zuerst eine Version mit Allradantrieb anzubieten, die als "ausgewogene" und vielseitige Variante gedacht ist, und dann exklusivere Serien mit Heckantrieb, die sich an Puristen und Liebhaber eines raueren Gefühls richten. Einen Murciélago mit Heckantrieb zu sehen, bedeutet also, eine alternative Version dessen zu entdecken, was Lamborghini damals hätte anbieten können, sich aber nie getraut hat, es in Serie zu produzieren. Ein leichterer, direkterer und einschüchternderer Murciélago.
