
Dies ist ein fast unwirkliches Paradoxon für eine Marke wie Ferrari. In Maranello sind die Auftragsbücher voll, die Nachfrage bleibt extrem hoch, und doch ... können einige Autos nicht mehr ausgeliefert werden. Nicht wegen mangelnder Kunden oder industrieller Probleme, sondern wegen eines viel unberechenbareren Faktors: der Geopolitik.
Lieferungen aufgrund der Spannungen im Nahen Osten ausgesetzt
Seit mehreren Wochen musste Ferrari eine radikale Entscheidung treffen: Die Lieferungen in den Nahen Osten wurden zeitweise eingestellt. Der Grund dafür waren die zunehmenden Spannungen im Zusammenhang mit dem Iran, die die Lieferketten in der Region stark beeinträchtigen.
Um einen Totalausfall zu vermeiden, entschied sich der italienische Hersteller für eine alternative Lösung: den Lufttransport. Eine schnellere, aber auch viel teurere Methode als die üblicherweise verwendeten Seefrachtsendungen. Das Ergebnis ist, dass Ferrari weiterhin liefert... aber zu einem viel höheren Logistikpreis, was direkt auf die Gewinnspannen drückt.
Eine scharfe Reaktion der Finanzmärkte
Die Anleger reagierten jedoch schnell. Innerhalb einer einzigen Sitzung fielen die Ferrari-Aktien um fast 5 % auf 314 $.

Das Phänomen ist jedoch tiefgreifender. In den letzten zwölf Monaten ist die Bewertung von Ferrari von rund 76 Milliarden Euro auf weniger als 54 Milliarden Euro gesunken. Es sind ganz einfach 22 Milliarden Euro, die sich in Luft aufgelöst haben. Eine spektakuläre Korrektur für eine Marke, die doch als eine der solidesten in der Automobilbranche gilt.
Strategischer Plan als zu vorsichtig beurteilt
Die Krise im Nahen Osten fungiert zwar als Auslöser, erklärt aber nicht alles. Ein Teil des Misstrauens der Märkte geht auf den Oktober 2025 zurück, als Benedetto Vigna den neuen Industrieplan vorstellte.
Dieser Plan, der von einigen Analysten als zu vorsichtig eingestuft wurde, führte zu einer Abwärtskorrektur der Finanzmultiplikatoren von Ferrari. Mit anderen Worten: Die Anleger korrigierten ihre Erwartungen, da sie der Ansicht waren, dass das künftige Wachstum weniger spektakulär ausfallen könnte als erwartet.
Und doch bleibt Ferrari auf operativer Ebene eine perfekt geölte Maschine. Im Jahr 2025 lieferte die Marke 13.640 Autos aus, davon 6.346 in der EMEA-Region. Eine Zahl, die daran erinnert, wie strategisch wichtig bestimmte Regionen wie der Nahe Osten sind.
Für 2026 sind die Ziele weiterhin ehrgeizig: 7,5 Milliarden Euro Umsatz, ein EBITDA von 2,93 Milliarden mit einer Marge von 39 % und ein freier Cashflow von mindestens 1,5 Milliarden. Leistungen, die Ferrari weiterhin in eine besondere Kategorie in der Automobilindustrie einordnen.
Fristen, die sich verlängern könnten
Kurzfristig kann Ferrari die Auswirkungen begrenzen, indem er seine Lieferungen auf andere, weniger gefährdete Märkte umleitet. Mittelfristig ist die Lage jedoch unsicherer.
Die Versicherungskosten steigen, die Logistikzeiten verlängern sich und der Druck auf die Gewinnspannen wird sehr real. Selbst eine so starke Marke wie Ferrari ist gegen diese Zwänge nicht völlig immun. Im Grunde genommen besteht das Problem von Ferrari heute nicht darin, seine Autos zu verkaufen. Es ist vielmehr, sie erfolgreich auszuliefern.