Auf dem heutigen Markt reichen 37.000 US-Dollar (ca. 32.000 Euro) gerade einmal aus, um eine neue Elektrolimousine der Einstiegsklasse zu fahren. In den USA hat man mit diesem Betrag jedoch gerade erst einen klassischen Ferrari mit V8-Mittelmotor gekauft. Kein Replikat, kein Scheunenprojekt, sondern ein echter Ferrari. Ferrari 308 GT4 aus dem Jahr 1975, die nach einem hitzigen Kampf versteigert wurde.
Ein Ferrari wie kein anderer
Der 308 GT4 nimmt einen ganz besonderen Platz in der Geschichte von Maranello ein. Er wurde 1973 vorgestellt und markierte gleich mehrere Premieren: Ferraris erster V8-Straßenwagen, Ferraris erster 2+2-Ferrari mit Heckmittelmotor und der erste, der von Bertone und nicht von Pininfarina entworfen wurde. Damals wagte es die Marke noch nicht einmal, ihr Logo auf den Wagen zu drucken: Er wurde unter dem Banner Dino verkauft, um die erschwinglicheren Modelle vom Kernsortiment zu unterscheiden.

Das Exemplar, das Anfang Februar 2026 auf der CarsandBids-Plattform verkauft wurde, enthielt alle Zutaten, die den Charme dieser Generation ausmachen: eine silberne Karosserie, eine rote Innenausstattung im Stil der Seventies, ein Schaltgetriebe mit Metallgitter und einen 2,9-Liter-V8, der hinter den Sitzen platziert war. Rund 240 PS mögen heute bescheiden klingen, aber Mitte der 70er Jahre war das schon ein echter Exot. Und vor allem war das mechanische Erlebnis nicht mit einem modernen Auto zu vergleichen: lebendige Lenkung, brachialer Sound und voller Einsatz des Fahrers. Zu den schwarzen Stoßstangen: Ab 1974 müssen alle dort verkauften Autos einen Aufprall mit 8 km/h ohne strukturelle Schäden überstehen. Um den 308 GT4 für den US-Markt zuzulassen, musste die Marke diese riesigen, hydraulisch gelagerten Stoßstangen aus Gummi einbauen.




Eine angespannte Auktion... und ein frustrierter Käufer
Die Auktion verlief jedoch nicht reibungslos. Die Auktion endete bei 31.975 US-Dollar, ohne den Mindestpreis zu erreichen. Die Plattform kontaktierte daraufhin mehrere Bieter, um nach dem Ende der Auktion eine Einigung zu erzielen. Der Höchstbietende beschwerte sich, dass er zu spät auf die Verhandlungsmail geantwortet hatte, und erklärte, er sei berufstätig gewesen und habe seine E-Mails nicht sofort abrufen können. In der Zwischenzeit hatten der Verkäufer und die Plattform bereits mit einem anderen Käufer für 37.000 USD abgeschlossen. In jedem Fall war es zu diesem Preis ein Schnäppchen.
Ein gutes Geschäft ... aber kein Geschenk
Denn ja, der Ferrari war nicht perfekt. Weit gefehlt. Nach einem kleinen Vergaserbrand im Jahr 2015 wieder aufgebaut, innen verwittert, launische elektrische Fenster, ein ausgefallenes Radio und vor allem ein Motor, der beim Starten qualmte. Der Verkäufer riet übrigens dazu, die Vergaser zu erneuern. Das Auto war jedoch kürzlich gewartet worden: Bremsen wurden überholt, Schläuche ausgetauscht, die Vorderachse überholt und Ölwechsel im Jahr 2025 durchgeführt. Der Wagen hatte etwa 68.000 Meilen (fast 110.000 km) zurückgelegt und war mit Original-Handbuch, -Teilen, -Schlüsseln und -Dokumentation ausgestattet. Kurz gesagt, kein Wettbewerbsstück, aber eine gute fahrbare Basis.

Ferrari zum Preis eines neuen Elektroautos
Genau das macht diesen Verkauf so interessant. Für den Preis eines modernen Elektro-Kleinwagens, typischerweise eines Tesla Model 3, das derzeit in den USA 37.000 $ und in Europa 37.000 € kostet, bekam jemand einen historischen Ferrari, von dem zwischen 1973 und 1980 nur 2.826 Exemplare hergestellt wurden. Natürlich sind die Folgekosten viel höher als die ursprüngliche Rechnung. Der neue Besitzer muss Geld in die Hand nehmen, um den Wagen mechanisch zu überholen und die Zuverlässigkeit zu erhöhen. Aber er wird einen analogen Ferrari aus den 70er Jahren besitzen, mit Mittelmotor, manuellem Gittergetriebe und Bertone-Design.
