
Es gibt Ferrari die sofort zu Mythen werden. Und dann gibt es die, die sich langsam rächen, wie die Ferrari 348. Lange Zeit eingeklemmt zwischen der Aura der 308/328 und dem Kultstatus des F355, lebte er jahrelang in einer Grauzone: bewundert, ja ... aber selten so begehrt, dass er die Gebote in die Höhe schnellen ließ. Nur im Jahr 2026 hat sich der Wind eindeutig gedreht. Und unter den Versionen, die dieses neue Interesse am stärksten kristallisieren, ist der 348 TS/GTS, der Targa, dabei, sich auf dem Radar der Sammler zu etablieren.
Ein Ferrari "ohne Filter"
Durch die vielen ultraleistungsfähigen, ultraassistierten und ultravielseitigen Supersportwagen entdecken viele wieder, was "Fahren" bedeutete, bevor die Elektronik überall Einzug hielt. Und genau hier punktet der 348. Er wurde zwischen 1989 und 1995 produziert und verkörpert dieses Ende einer Ära, in der man mit Händen, Füßen ... und auch ein bisschen mit dem Bauch fuhr. Das Rezept ist einfach, heute fast schon provokant: ein 3,4-Liter-V8-Saugmotor, ein manuelles Getriebe, kein Turbo, keine Fahrhilfen, um eine Ungenauigkeit auszugleichen. Der 348 verspricht keine keimfreie Erfahrung. Er verspricht eine direkte, authentische Erfahrung. Und genau das ist es, was immer mehr Autofans suchen, die von "perfekten" Autos so gelangweilt sind, dass sie kalt werden.


TS: Der Kompromiss, der ankommt
In der Vorstellung von Ferrari hatte die Targa schon immer diesen Duft von zusätzlicher Freiheit. Beim 348 TS/GTS kommt noch eine weitere Nuance hinzu, die sehr geschätzt wird: "Haare im Wind" fahren, ohne die Strenge einer Limousine völlig aufzugeben. Mit seinen 300 PS (320 PS im GTS), die über ein Fünfgang-Schaltgetriebe allein an die Hinterräder geleitet werden, spielt der 348 TS/GTS nicht mit Zahlen. Er spielt die Karte der Gefühle. Ein Cockpit, das nicht ablenkt, ein Motor mit einem ausgeprägten Charakter und ein Fahrwerk, das spricht.

Eine steigende Quote
Lange Zeit nahm der Ferrari 348 TS/GTS eine ganz besondere Stellung auf dem Markt ein: die eines noch "erschwinglichen" Ferrari, der manchmal sogar als zweitrangig eingestuft wurde. Die Zahlen aus der Mitte der 2010er Jahre belegen dies deutlich. Zwischen 2014 und 2016 finden sich regelmäßig Verkaufszahlen zwischen 40.000 und 55.000 US-Dollar, wobei die manchmal unverkauften Exemplare bei 34.000 bis 45.000 US-Dollar liegen. Zu dieser Zeit wurde der 348 noch nicht als zukünftiger sicherer Wert gesehen, sondern eher als Ferrari, der zwischen zwei begehrenswerteren Generationen eingeklemmt war.

Der Blickwechsel vollzieht sich allmählich, wird aber ab den 2020er Jahren deutlich. Im Jahr 2024 hat der Markt eindeutig eine neue Dimension erreicht: Einige gut präsentierte 348 TS/GTS werden in Europa bereits für mehr als 80.000 € verkauft, während sich die Transaktionen in den USA häufig zwischen 60.000 und 90.000 Dollar bewegen, je nach Zustand, Kilometerstand und Historie. Der "verschmähte" Ferrari beginnt, ein ausgewählter Ferrari zu werden.
Im Jahr 2025 bestätigt und strukturiert sich der Trend. Verkäufe für 80.000 bis 85.000 US-Dollar werden üblich, und vor allem steigen die Preise für die schönsten Exemplare. Auf dem europäischen Markt tauchen Autos für 89.950 € oder 99.950 € auf - ein Zeichen dafür, dass der 348 TS nicht mehr nur zum Fahren gekauft wird, sondern auch zum Aufbewahren.

Anfang 2026 fasst das Beispiel eines 348 GTS aus dem Jahr 1991, der für 99.950 € angeboten wird, mit geringem Kilometerstand, klarer Geschichte und ikonischer Konfiguration diese Entwicklung perfekt zusammen. Innerhalb eines Jahrzehnts hat sich der 348 TS von einem "unterbewerteten" Ferrari zu einem selbstbewussten Youngtimer entwickelt, dessen Wert nun auf einer klaren Sammlerlogik beruht: Seltenheit schöner Exemplare, analoger Fahrspaß und das Ende einer Ära bei Ferrari.

Das Design hat einen großen Anteil daran. Kantig, typisch, sehr Pininfarina im Geist der Zeit, der 348 hat diese seitlichen Lufteinlässe mit Lamellen, die sowohl an den Testarossa als auch an die Renn-Ferrari der 80er Jahre erinnern. Und dann gibt es noch ein Phänomen, das der Markt liebt: die Wiederentdeckung. Wenn ein Auto lange Zeit unterschätzt wurde, wirkt es wie ein "Geheimnis", das man unter Kennern teilt.
Das gute Geschäft ... bevor es keines mehr ist?
Irgendwann kommt zwangsläufig die Frage: Ist es "an der Zeit"? Der 348 TS/GTS behält noch immer eine relative Form der Zugänglichkeit im Ferrari-Universum, vor allem im Vergleich zu den aktuellen Modellen und dem Höhenflug einiger älterer Ikonen. Aber Zugänglichkeit ist in einer Sammlung ein Fenster. Und ein Fenster bleibt nie unbegrenzt offen. In dem Maße, wie die modernen Ferraris technologischer werden, gewinnen die "analogen" Ferraris an Attraktivität. Nicht nur, weil sie einfacher sind, sondern weil sie etwas bieten, das man nicht mehr wirklich reproduzieren kann: eine direkte Beziehung zwischen Fahrer und Auto.
