
Wann Alfa Romeo im Frühjahr 2020 die Giulia GTA und vor allem den GTAm enthüllt, geht es der italienischen Marke nicht darum, Verkaufsrekorde zu brechen. Sie unterzeichnet ein Manifest. Eine Demonstration von Know-how, Image und Radikalität, die direkt vom Rennsport inspiriert ist, in einer Zeit, in der Sportlimousinen immer konsensfähiger werden. Die Giulia GTAm, die ab 2021 auf den Markt kommt, ist so exklusiv wie ihre Preisgestaltung. Der Preis beginnt bei 176.400 Euro, die Produktion ist auf 500 Exemplare weltweit begrenzt. Ein Auto für Liebhaber, Sammler und alle, die einen Alfa Romeo ohne Kompromisse wollen.

Unter der Motorhaube befindet sich ein 2,9-Liter-V6, der dem 3,0-Liter-V6 des Maserati MC20 Supersportwagens sehr ähnlich ist und auf 540 PS und 600 Nm Drehmoment gesteigert wurde, die über ein Achtgang-Automatikgetriebe nur auf die Hinterräder übertragen werden. Dank intensiver Gewichtsreduzierung konnte der GTAm im Vergleich zur Giulia Quadrifoglio rund 100 kg Gewicht einsparen und ein Leistungsgewicht von 2,82 kg/PS erreichen. Auf dem Papier ist das Versprechen klar: 300 km/h in der Spitze und eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 3,6 Sekunden. Aber ein Datenblatt sagt nicht alles. Und genau auf der Nordschleife wurde die Giulia GTAm kürzlich mit der Realität konfrontiert.
Misha Charoudin, der Nürburgring als Friedensrichter
Misha Charoudin, der auf dem Nürburgring zu Hause ist und von mehr als zwei Millionen Abonnenten auf YouTube verfolgt wird, ist einer der Fahrer, die die Qualitäten - und Fehler - eines Autos sofort spüren können. Nach monatelangem Warten durfte er endlich eine Alfa Romeo Giulia GTAm fahren, und zwar die Nummer 10 von 500 Exemplaren. Schon der erste Augenblick gibt den Ton an. Im Innenraum steht der GTAm voll und ganz zu seiner Rennstrecken-DNA: allgegenwärtiges Alcantara, Überrollbügel, Sparco-Feuerlöscher, Schalensitze, Karbon in Hülle und Fülle. Die Rückbank ist verschwunden, ebenso wie alles Überflüssige. Das Auto beeindruckt durch die Qualität seiner Details und durch seine entschiedene Rennsportatmosphäre.



Auf der Nordschleife, wo die Giulia GTAm eine ganze Runde lang gegen einen Porsche 911 GT3 antreten muss, ist sie ein echter Charakter. "Sie ist ein unglaubliches Auto", fasst Misha Charoudin zusammen, der von den Emotionen, dem lebendigen Fahrverhalten und der Präzision am Lenkrad begeistert ist. Vor allem die Bremsen werden gelobt. Das Pedal ist fest, ultrapräzise, mit einer Kraft und Ausdauer, die eines echten Rennwagens würdig ist. Für den Fahrer ist dies schlichtweg eine der größten Stärken des GTAm. Der Klang des zentralen Akrapovič-Auspuffs trägt ebenfalls zum Erlebnis bei. Er ist rau, ausdrucksstark und wird beim Abbremsen durch ein Rasseln unterbrochen.


Ein beeindruckendes Auto ... aber bei hoher Geschwindigkeit aus dem Gleichgewicht gebracht
Doch schon bald weicht der Enthusiasmus einer differenzierteren Analyse. Auf dem Nürburgring offenbart die Giulia GTAm ein großes Manko: ihre aerodynamische Balance. Der Heckflügel erzeugt einen enormen Abtrieb, aber die Vorderachse kann nur schwer mithalten. Auf den schnellen Abschnitten und den typischen Kompressionen der Strecke wird die Nase des Wagens spektakulär entlastet. Misha Charoudin beobachtete mehrmals, wie die Vorderachse anhob, manchmal so stark, dass der Wagen fast abhob. Vor allem in schnellen Kurven war das Untersteuern deutlich zu spüren und das Vertrauen schwand. "Das Problem ist nicht das Heck", erklärt er, "es ist die Front, die einfach nicht genug Abtrieb hat, um das zu kompensieren".
Dieses Ungleichgewicht äußert sich auch in einem Gefühl des aerodynamischen Luftwiderstands bei hohen Geschwindigkeiten. Im fünften und sechsten Gang scheint der GTAm seine Beschleunigungsfähigkeit zu verlieren, als würde er von seinem eigenen Querruder gebremst. Selbst nach einigen Anpassungen des Reifendrucks und der Einstellung des Spoilers bleibt das Bild unverändert. Die Giulia GTAm ist spektakulär, emotional, aber manchmal auch vage auf der Strecke, so dass Misha Charoudin es für besser hält, nicht um jeden Preis die Rundenzeit zu suchen.
Ein Sammlerstück statt einer absoluten Waffe?
Sollte man deshalb von einem Misserfolg sprechen? Nicht, wenn es nach dem Fahrer geht. Denn trotz ihrer Einschränkungen auf der Nordschleife behält die Giulia GTAm einen einzigartigen Charme. Ihr Design, ihre Verarbeitung, ihre Exklusivität und ihr Charakter machen sie zu einem zutiefst begehrenswerten Auto. Für eine intensive Nutzung auf der Rennstrecke ist Misha Charoudin klar. Wenn er die Wahl hätte, würde er lieber eine klassische Giulia Quadrifoglio nehmen und sie selbst aufbereiten. Der GTAm hingegen ist in erster Linie ein Sammlerstück, ein Alfa Romeo, der eher dazu gedacht ist, sich in Erinnerung zu rufen, als Rekorde zu brechen. "Wenn man die Front anstarrt, ist es eine furchterregende Maschine", schloss er.

Wie dumm sind Sie? Warum haben Sie einen Artikel über diesen Ignoranten WHO DOESN'T KNOW to set front wing geschrieben?!
Happy New Year to you too