
Während die ersten Pressetests des neuen Fiat 500 Hybrid derzeit Autojournalisten in ganz Europa beschäftigen, rückte eine andere Frage schnell in den Mittelpunkt aller Diskussionen: Was wird aus Abarth ? Fiat hat sich offiziell vom Elektroauto verabschiedet und einen Verbrennungsmotor unter der Motorhaube seines ikonischen Stadtautos eingebaut.
Heute bietet Abarth nur noch zwei Modelle im Katalog an: den 500e und den 600e. Auf dem Papier sind die Leistungen durchaus vorhanden. Aber in der Praxis ist die Magie verschwunden. Kein Brüllen, kein Benzingeruch. Und vor allem die Preise werden als überhöht angesehen: 36.900 € für einen Abarth 500e, 44.900 € für einen 600e. Hinzu kommt eine Reichweite, die für einen vielseitigen Einsatz als zu gering erachtet wird. Im wirklichen Leben sind es etwa 250 km für den 500e und 320 km für den 600e. Das Urteil des Marktes fiel aus: Die Verkaufszahlen brachen ein.
Die Fata Morgana der Rückkehr zur Thermik
Seit der Einführung des Fiat 500 Hybrid wurde jede Pressekonferenz zu einer Frage- und Antwortrunde über die Zukunft von Abarth. Es dauerte nicht lange, bis die Journalisten Gaetano Thorel, den europäischen Chef von Fiat und Abarth, direkt befragten.

Seine vorsichtige und zugleich bedeutungsschwangere Antwort machte schnell die Runde in den Automobilredaktionen: Auch er würde gerne zum Benzin zurückkehren ... und "sie versuchen es". Das weckte sofort die Hoffnung auf einen Abarth mit Verbrennungsmotor der "neuen Generation". Doch nur wenige Tage später enthüllten wir bereits die Existenz einer echten technischen Sackgasse. Die Frage ist also nicht mehr nur wenn ein Abarth mit Verbrennungsmotor ist wünschenswert, aber vor allem, wenn er noch möglich ist.
Das Herz des Fiat 500 Hybrid, wo alles auf dem Spiel steht
Während der Testfahrten mit dem neuen Fiat 500 Hybrid hatten wir die Gelegenheit, direkt mit Francesco Morosini, dem Produktmanager von Abarth, zu sprechen.

Die von Fiat getroffene technische Wahl ist alles andere als harmlos. Der 1.2 PureTech-Motor passt einfach nicht unter die Motorhaube des 500. Er ist zu groß und nicht mit der speziellen Architektur der Plattform kompatibel. Der TwinAir-Motor, einst das Aushängeschild des Konzerns, wird seit vielen Jahren nicht mehr produziert. Es gab also nur noch eine echte Option: den FireFly-Motor, auch GSE genannt. Ein italienischer Motor, der immer noch produziert wird, bereits erprobt ist und vor allem für seine außergewöhnliche Zuverlässigkeit bekannt ist, mit einer angekündigten Ausfallrate von weniger als 0,3 %. Dieser Motor treibt den neuen Fiat 500 Hybrid an. Aus technischer Sicht ist klar, dass dieser Motor durchaus mehr Leistung verkraften kann. Francesco Morosini bestätigte, dass es möglich ist, einen Turbo hinzuzufügen. Der Platz dafür ist vorhanden. Aber genau hier beginnen die Probleme.
Die unsichtbare Wand: das CO₂
Die Einführung eines Aufladesystems würde bedeuten, dass die Kühlung völlig neu gestaltet werden müsste. Größere Kühler, bessere Belüftung, neue Luftströme. Aus industrieller Sicht nichts Unüberwindbares. Aber ein anderes, viel schwereres Hindernis lastet auf dem Projekt: CO₂.
Bereits heute musste Fiat, um die Euro 6e bis Norm zu erfüllen, die Leistung des FireFly-Motors um 5 PS reduzieren. Und trotzdem weist der Fiat 500 Hybrid einen CO₂-Ausstoß von 120 g/km auf. Das Problem: Für 2025 ist der durchschnittliche Grenzwert, der den Herstellern in Europa auferlegt wird, auf 81 g/km festgelegt. Eine Überschreitung wird streng bestraft: 95 € pro überschüssigem Gramm, pro verkauftem Auto. Konkret: Der Fiat 500 Hybrid überschreitet diesen Grenzwert bereits um 25 Gramm. Das Ergebnis: Eine Strafe von 2.375 € für Stellantis für jedes in Europa verkaufte Modell. Und das noch bevor man die nationalen ökologischen Maluszahlungen berücksichtigt. Bei einem Abarth wird die Rechnung völlig verrückt.
Die unmögliche finanzielle Gleichung
Im Jahr 2022, unter der Euro-6-Norm, emittierte ein Abarth 165 PS etwa 153 g/km CO₂. Angewandt auf die Steuerregeln von 2025 würde dies ... 6.840 € an EU-Strafe für jedes verkaufte Auto bedeuten. Nehmen wir eine realistische Hochrechnung. Ein Abarth 695 Competizione von 2022 mit 164 g/km, angewandt auf die aktuelle Skala, würde folgendes ergeben: 32.990 € Listenpreis + 7.885 € CO₂-Strafe für Stellantis + ca. 7.959 € ökologische Malus in Frankreich im Jahr 2025. Ergebnis: fast 49.000 € für ein sportliches Stadtauto. Bei diesem Preisniveau verlässt das Modell endgültig den logischen Markt von Abarth, das immer den Anspruch hatte, erschwingliche, lebendige und aufregende Sportwagen zu bauen.
Technisch ja, steuerlich nein
Beruhigende Reden können nichts gegen die Brutalität der Zahlen ausrichten. Ja, es ist technisch möglich, einen neuen Abarth mit Verbrennungsmotor zu produzieren. Aber nein, es ist steuerlich nicht mehr möglich, ihn zu verkaufen. Der Handlungsspielraum ist praktisch gleich null. Mildhybridisierung kann die Emissionen nicht ausreichend senken. Die EU-Steuern machen jede wirtschaftliche Tragfähigkeit zunichte. Solange sich die Vorschriften nicht radikal ändern, wird es kein Hersteller wagen, einen modernen Abarth mit Verbrennungsmotor für den europäischen Markt auf den Markt zu bringen.
Gaetano Thorels Satz "Wir versuchen es" klingt eher wie ein Eingeständnis der Hilflosigkeit als wie ein Versprechen. In Wirklichkeit sitzt der wahre Entscheidungsträger nicht mehr in Turin, sondern in Brüssel. Entweder überdenkt die Europäische Union ihre Doktrin in Bezug auf Nischensportler mit Verbrennungsmotor, oder wir müssen auf die nächste elektrische Generation von Abarth warten, die um das Jahr 2030 herum geplant werden könnte, billiger ist und eine größere Reichweite hat.
Aber für uns von Italpassion ist unsere Schlussfolgerung klar: Das Kapitel Verbrennungsmotor bei Abarth ist nun abgeschlossen. Die Marke wird sich elektrisch neu erfinden müssen... oder verschwinden.
Europa, das was, 5 oder 10 % bis zum Abwinken von der Erdoberfläche darstellt, wird den Planeten ganz allein retten, während sich Chinesen, Amerikaner, Russen und Asiaten einen Dreck um die Umweltverschmutzung scheren. MDR 😂😂😂.